Horst Seehofer am Samstag anwesend

Modernste Technik: Neuen "Christoph 14" in Traunstein übergeben

+

Traunstein - Knallorange löst der Neue seinen Vorgänger ab, den alten Rettungshubschrauber "Christoph 14". Am Samstag ist der neue Luftretter in Traunstein übergeben worden. Er soll deutlich leiser sein als der Vorgänger und mehr Leistung bringen.

In Anwesenheit von Vertretern der Innenministerien, des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), der Bundespolizei, des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), der Bergwacht, der Kliniken Südostbayern AG und der Kommunalpolitik übergab Horst Seehofer, Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, bei einem Festakt im Hangar am Klinikum Traunstein einen neuen Zivilschutzrettungshubschrauber H135 der Firma Airbus an den Bayerischen Staatsminister des Innern und für Integration Joachim Herrmann, indem er ihm symbolisch den Steuerknüppel überreichte. Er ersetzt den Rettungshubschrauber EC136 T2i, der seit rund zehn Jahre am Luftrettungszentrum (LRZ) „Christoph 14“ des BRK in Traunstein stationiert war. Die Segnung des neuen Fluggeräts nahmen Dekan Georg Lindl und sein evangelischer Amtsbruder Dekan Peter Bertram vor.

BBK-Präsident Christoph Unger erklärte, die H135 sei eine von zwei Maschinen in Bayern, die das BBK in diesem Jahr zur Verstärkung beschafft habe und damit Teil des Ausstattungspotenzials, das der Bund den Ländern für den Katastrophen- und Zivilschutz zur Verfügung stelle. Der neue Rettungshubschrauber sei leistungsfähiger und flexibler und verfüge statt des Bergetaus am EC135 über eine Seilwinde. Die Rettungshubschrauber hätten einen besonderen Auftrag für besondere Lagen. Im Zivilschutz gelte es, neben dem Transport von Verletzten Schadensstellen zu erkunden und zu überwachen, Bevölkerungsbewegungen zu beobachten oder zu lenken sowie radioaktive Strahlung zu messen. Für die beiden neue Rettungshubschrauber in Traunstein und Kempten habe der Bund rund 15 Millionen Euro ausgegeben. Mit der Indienststellung des neuen, leistungsstarken Rettungshubschraubers schreibe man die Erfolgsgeschichte der Luftrettung fort, stellte Bundesinnenminister Seehofer fest. Seine Anerkennung galten unter anderem dem BRK als Betreiber des LRZ Traunstein, dem Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Traunstein und der Bundespolizeifliegerstaffel Oberschleißheim. Für deren Piloten sei der Einsatz im Rettungsdienst ein wichtiger Gewinn für deren fliegerische Kompetenz.

Der Bundes werde sich auch weiterhin das komplexe System der Luftrettung leisten und gemeinsam mit dem Freistaat Bayern weiterentwickeln, versprach Seehofer. Der Staat könne Unfälle und Katastrophen nicht vermeiden, wohl aber das Menschenmögliche an Hilfe leisten. In den vergangenen 42 Jahren habe „Christoph 14“ über 50 000 Einsätze geflogen. Hinter diesen beeindruckenden Zahlen stünden Menschen, die die Arbeit leisteten. Sie seien die Gewähr dafür, dass dieses in der Welt einzigartige System der Primärrettung so erfolgreich sei.

Der Bayerische Innenminister Herrmann wies darauf hin, dass in Traunstein schon sehr früh Luftrettungsgeschichte geschrieben worden sei. Zwar habe in Traunstein nicht den ersten Rettungshubschrauber gestanden, aber es habe hier den ersten Hangar mit Landeplatz auf einem Dach gegeben. Mit dem H135, einem bayerischen Produkt aus Donauwörth, schlage man nun ein neues Kapitel auf. Man sei auf einem guten Weg bei dem, was in der Luftrettung geleistet werde, meinte er mit Blick auf die neue Rettungswinde mit Trage. Die Zusammenarbeit zwischen Bundespolizei und Bergwacht werde im Zentrum für Sicherheit und Ausbildung. Sicherheitsunterweisung und Simulatortraining Luftrettung für Ergänzende Besatzungsmitglieder der Bergwacht in Bad Tölz geübt. In diesem Zusammenhang betonte Herrmann die gute Gemeinschaftsleistung und das hervorragende Zusammenwirken aller Beteiligten.

Der Verbandsvorsitzende des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung, Landrat Siegfried Walch, sagte, die Luftrettung sei ein fester Bestandteil des Rettungsdienstes in Bayern. Walch wies auf die besondere Bedeutung und Herausforderung des neuen Rettungshubschraubers bei den zunehmenden hochalpinen Einsätzen hin. Dazu brauche man die technischen Voraussetzungen. Dies sei in anderen Teilen der Welt nicht selbstverständlich. Wichtig für den Rettungsdienst sei, dass die Einsatzkräfte bestens ausgerüstet seien. Ebenso freute sich Walch, dass für den Rettungshubschrauber auch hochmoderner Inkubator gespendet worden sei, der für die ganz kleinen Patienten eine wichtige Einrichtung sei.

Der Landrat verhehlte nicht, dass es auch schwarze Tage in der Traunsteiner Luftrettung gegeben habe. Er erinnerte an den 23. März 1983, als „Christoph 14“ bei Schneesturm in der Nähe von Teisendorf abstürzte und alle drei Besatzungsmitglieder tot waren. Dies mache immer wieder bewusst, dass haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte ein großes Risiko eingingen, so Walch. Im entscheidenden Augenblick gehe es oft um Minuten oder Sekunden. Deshalb sei es wichtig, dass man am Ort verlässliche Partner habe wie das BRK, die Bergwacht, die Wasserwacht, die Feuerwehren, die Polizei und die Integrierte Leitstelle. Als Bürger könne man froh sein, dass der persönliche Einsatz und die technische Ausstattung vorhanden seien. Die Indienststellung sei eine Botschaft besonders an die Freizeitgesellschaft, dass Schutz und Hilfe noch effizienter geworden seien, unterstrich BRK-Präsident Theo Zellner. Die Bevölkerung nehme den Rettungshubschrauber in der Luft zwar wahr, drehe sich weg und sei froh, dass so etwas da sei. Dies sei der Feind der Wertschätzung, meinte er. Deshalb brach Zellner eine Lanze für diejenigen, die im Rettungsdienst an der Front stehen. Die Piloten der Bundespolizei, die Notfallsanitäter des BRK und die Notärzte der Kliniken Südostbayern AG seien froh, dass sie mit dem H135 Effizientes an die Hand bekämen. Sie würden ihren Dienst mit Leidenschaft und Ausbildungswillen versehen und dabei nicht wegschauen. Traunstein biete seit 1976 Zivilschutz auf höchstem Niveau. Rettung aus der Luft komme schnell und kompetent. Alle Einsätze würden im Auftrag des Zweckverbands in einem Radius von 60 Kilometern, auch grenzüberschreitend nach Österreich, geschehen.

Der Zivilschutz und die Katastrophenhilfe sei in Gänze auch auf das Ehrenamt aufgebaut. Deshalb müsse man aufpassen, dass man dem Ehrenamt besonders von Seiten der Politik die gebührende Anerkennung und den notwendigen Raum gebe. Zellner wies dabei auf eine bedenkenswerte Kommerzialisierung im Rettungsdienst hin. Marktmechanismen könnten jedoch nicht die Säule des Rettungsdienstes sein, betonte er. 

Bjr

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser