Kliniken Südostbayern ziehen Corona-Zwischenbilanz

Hunderte infizierte Angestellte, enorme Kosten und große Solidarität

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Nach der Jahreshauptversammlung der Kliniken Südostbayern am Freitag, 29. Mai, von links: Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher, Aufsichtsratsvorsitzender Siegfried Walch, Vorstand Elisabeth Ulmer, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender Bernhard Kern, Medizinischer Direktor Dr. Stefan Paech

Traunstein - Wie lange unsere Kliniken mit der Corona-Pandemie noch beschäftigt sind, lässt sich nicht sagen - doch die Auswirkungen für die Krankenhäuser in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land zeichnen sich schon ab.

"Nur noch ein einziger Patient, der intensivmedizinisch betreut, also beatmet werden muss - die Lage hat sich wirklich beruhigt", fasst es Siegfried Walch zusammen. Als Landrat ist er derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der Kliniken Südostbayern. Die Jahreshauptversammlung am Freitag, 29. Mai, bot Gelegenheit ein Zwischenfazit zur Coronavirus-Pandemie in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land zu ziehen. 


177 der 199 infizierten Angestellten wieder gesund

199 Angestellte der Kliniken Südostbayern haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit dem Coronavirus infiziert, wie Siegfried Walch bekanntgab. Dass der Kreis Traunstein wesentlich stärker betroffen war und ist zeigt sich auch hier: Nur vier jener 199 Angestellten sind in den Kliniken im Berchtesgadener Land beschäftigt. 145 in Traunstein, 23 in Trostberg und 27 in Ruhpolding. Aktuell sind aber 177 dieser 199 infizierten Ärzte und Pfleger schon wieder gesund. Auch in der Salzachklinik Fridolfing, die nicht zum Klinikverbund gehört, hat es elf Angestellte "erwischt". In Relation zur Belegschaftszahl waren vor allem Ruhpolding und Fridolfing umso stärker betroffen.

Trotzdem: Obwohl die Region deutschlandweit recht stark vom Virus betroffen war, sei vergleichsweise wenig medizinisches Personal betroffen. "Laut Robert-Koch-Institut haben sich im Bundesschnitt sieben Prozent des Klinik-Personals mit dem Coronavirus infiziert. In unseren Kliniken waren es dagegen 5,3 Prozent", so Dr. Stefan Paech, der Medizinische Direktor der Kliniken. Auch wenn sich die Lage entspannt habe, müssen laut Paech nach wie vor 25 bis 30 Prozent aller Betten in den Kliniken für potenzielle Covid-19-Patienten reserviert werden. 


"Sehr schwierige finanzielle Situation" durch Corona

"Durch die Corona-Pandemie sind wir, Stand heute, in einer sehr schwierigen finanziellen Situation", so Vorstandsvorsitzender Dr. Uwe Gretscher. Er nennt ein Beispiel: Für Schutzmaßnahmen der Angestellten wurden allein heuer zwei Millionen Euro ausgegeben. Außerdem meiden derzeit viele Menschen, vor allem Notfälle, die Kliniken - rund 40 Prozent weniger sind es, Umsätze bleiben aus. Klar ist laut Gretscher aber auch: Die Gesundheit der Menschen habe ausnahmslos Vorrang

Aufs vorige Jahr zurückgeblickt können alle Beteiligten mit den Finanzen der Kliniken sehr zufrieden sein. Das dritte Jahr in Folge konnten 2019 schwarze Zahlen geschrieben werden: "Ein Bilanzgewinn von 630.000 Euro bei einem Gesamtumsatz von über 300 Millionen Euro", fasste es Traunsteins Landrat zusammen. Inzwischen müsse kein Mitarbeiter mehr zittern, dass sein Standort geschlossen werden könnte. Knapp 4000 Beschäftigte arbeiten bei den Kliniken Südostbayern, rund 160.000 Patienten wurden voriges Jahr gezählt. 

Dr. Gretscher: "Es wird hochsolidarisch gearbeitet"

"In den vergangenen Jahren und vor allem heuer in den ersten Monaten waren wir erheblich gefordert", so Dr. Gretscher: "Es wird hochsolidarisch gearbeitet. Sowas schweißt zusammen, deshalb war 'Corona' in gewisser Weise auch ein internes Erfolgserlebnis." Auch beim Personal wird inzwischen wieder aufgestockt, 30 Angestellte mehr - vor allem medizinisches Personal - hatte man 2019 im Vergleich zum Vorjahr. "Darüber hinaus bieten wir jährlich 300 Ausbildungen an allen unseren Standorten an", so Vorstand Elisabeth Ulmer - man wolle als "fairer Arbeitgeber" wahrgenommen werden. 

Was steht heuer und in den kommenden Jahren bei den Kliniken an? Gebaut wird vor allem in Traunstein, in Bad Reichenhall wird die Notaufnahme ertüchtigt und die Sanierung in Ruhpolding soll spätestens im kommenden Frühjahr fertig sein. In den Kliniken des Berchtesgadener Landes soll die Digitalisierung, unter anderem von Patientenakten, weiter vorangetrieben werden. 

Satte 421 Millionen Euro wollen die Kliniken in den kommenden 15 Jahren in ihre sechs Standorte investieren. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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