Ein Nest bei Traunreut wehrt sich gegen Neubebauung

Jodeln, Gülle, Goaßlschnalzen: Ob "Zuagroaste" das hinnehmen?

+
Im ersten Schritt geht es um zwei oder drei neue Häuser in Zweckham bei Traunreut, doch weitere könnten folgen - vielen Bewohnern passt das nicht. 
  • schließen

Traunreut - Ein Bilderbuch-Weiler, ein gutes Dutzend Anwesen, Landwirtschaft - sollte hier neuer Baugrund ausgewiesen werden? Viele Zweckhamer üben sich jetzt in Widerstand.

Konkret geht es nur um zwei oder drei Baugrundstücke, die ein Landwirt aus Zweckham, südöstlich von Traunreut, auf seiner Fläche ausweisen will. Doch die Stadtverwaltung wird mit teils emotionalen Einsprüchen der anderen Zweckhamer schier überhäuft

"Ärger ist vorprogrammiert"

"Keine Fremden in das idyllische Dorf", schreibt da zum Beispiel eine Bewohnerin und legt nach: "Gockel krähen, Enten schnattern, Hunde bellen, Goaßlschnalzen, Jodeln... Ob das sogenannte Zuagroaste akzeptieren?" Außerdem könnten sich die Neuen an den Gerüchen im Dorf stören, das Futtersilo riecht im Sommer und natürlich wird Jauche ausgefahren: "Ärger ist vorprogrammiert", vermutet sie.

Ein anderer Hauseigentümer aus Zweckham fürchtet gar, dass ein neuer "Kuhglockenstreit" wie kürzlich in Holzkirchen heraufbeschworen werden könnte. Doch die Bedenken sind vielschichtiger: Durch Ausweisung eines "landwirtschaftlichen Mischgebiets" könnten die Bauern durch strengere Auflagen in ihrer Existenz bedroht werden. Vom Flächenfraß und einer Zersiedelung der Landschaft ist die Rede, denn langfristig könnten weitere Wohnhäuser folgen.

Auch die Behörden haben Bedenken

Nicht nur die Zweckhamer selbst, auch andere Behörden melden ihre Kritik an: Das Wasserwirtschaftsamt zum Beispiel fordert, dass schädliche Auswirkungen auf das Grundwasser ausgeschlossen werden. Dazu kommt, dass Zweckham nicht an die zentrale Kläranlage angeschlossen ist. Aus diesen Gründen wurde eine Flächenausweisung noch vom ehemaligen Bürgermeister immer abgelehnt. 

Knappe Mehrheit für neue Bebauung

Die Einsprüche der Zweckhamer und der Behörden schienen auch gewirkt zu haben: Vier Räte stimmten noch im Hauptausschuss gegen den "Erlass einer Entwicklungssatzung" für den kleinen Ort - und das obwohl erst in den vorigen Monaten schon zwei andere geplante Baugebiete gestorben sind (Erweiterung des Abdeckerfelds und Frühling). Am Donnerstag im Stadtrat gab es mit 17:12 Stimmen schließlich eine knappe Mehrheit für die Entwicklungssatzung. Das Verfahren ist aber noch nicht abgeschlossen, die Stadt will nun die nächsten Schritte gehen.

Jungen Leuten sollte eine Chance zum Bauen gegeben werden, man solle sie nicht "vertreiben", argumentieren die Fürsprecher aus Zweckham - und so sah es eben auch der Stadtrat. Auch in Zweckham bleibt eben nicht alles, wie es ist oder vermeintlich immer schon war. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser