Teisinger beobachtet seit über 20 Jahren Gewitter

Sturmjäger aus Leidenschaft: "Das höchste der Gefühle"

David Bachofner (r.) begibt sich als Sturmjäger auch mal in gefährliches Terrain. 
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David Bachofner (r.) begibt sich als Sturmjäger auch mal in gefährliches Terrain. 

Teising – Gefährlich und wichtig: David Bachofner (29) aus Teising hat ein ganz besonderes Hobby. In seiner Freizeit ist er auf der Jagd nach Gewittern.

„Ein Sturmjäger beobachtet gewisse Wetterphänomene. In der Regel schauen wir uns Wetterkarten an und schätzen anhand dieser Daten ab, ob ein Gewitter entstehen kann. Wie stark wird das Gewitter? Wo könnten diese dann mit großer Sicherheit auftreten?“, erklärt David Bachofner sein Hobby gegenüber innsalzach24.de.


Diese Unwetterparameter finden die Sturmjäger auf sogenannte Profikarten, die es auf fast jeder Wetterdienstseite gibt. Etwa drei Tage vorher, könne man sagen, ob es zu einer Unwetterlage kommt und wie stark diese sein wird.

Passen die Voraussetzungen für einen „perfekten Sturmtag“, wird versucht herauszufinden, woher der Sturm kommt. „Meistens haben wir eine Süd-West-Lage. Sprich die meisten Gewitter kommen aus Frankreich über Baden-Württemberg nach Bayern“, so der 29-Jährige, der hauptberuflich als Bauleiter tätig ist.


Sturmjäger dokumentieren Gewitter mit Fotoaufnahmen. Dabei entstehen beeindruckende Bilder. 

Gewitter, Superzelle und Tornados

Anschließend wird nach einer geeigneten Position gesucht. „Meistens brechen wir bis mittags auf, um uns zu positionieren. Wenn es losgeht, dann entscheiden wir spontan, ob wir auf bessere Zellen warten oder diese abfangen“, beschreibt Bachofner den Ablauf.

Doch nicht nur auf Gewitter sind die Sturmjäger aus. „Wir können unterscheiden zwischen einem Gewitter und einer Superzelle. Eine Superzelle hat ein Eigenleben, ist monströs, hat einen riesigen Aufwind und enthält Hagelkörner“, so der Sturmjäger. Superzellen könnten auch Tornados bilden.

„Natürlich ist bei einer Tornadobildung die Superzelle für einen Sturmjäger das höchste der Gefühle“, erklärt der Teisinger seine Begeisterung. Tornados seien keine Seltenheit, aber man könne nur schwer vorhersehen, welche Superzelle einen produziert. „Die Voraussetzungen können optimal sein für einen Tornado, das heißt aber nicht, dass auch einer entsteht“, erklärt Bachofner. Die Sturmjäger seien vor Ort und könnten einen Tornado bestätigen. Das sei die Hauptaufgabe.

Sturmjäger: "Wir haben eine wichtige Rolle"

Darauf stütze sich der komplette Wetteraufbau in Deutschland oder beispielsweise in den USA. „Wir haben also eine wichtige Rolle, um Warnungen herauszugeben, wenn schwere Gewitter oder gar Tornados auftreten. Dabei sprechen wir von einer maximalen Vorwarnzeit von zehn Minuten für die nächste Ortschaft“, so Bachofner.

Erfahrung und meteorologische Grundkenntnisse sind Grundvoraussetzung für dieses besondere Hobby. Wie zieht das Gewitter? Wie lege ich eine Meldung ab? Wen rufe ich da an? Wie kann er die Gefahr einschätzen? All diese Aspekte muss ein Sturmjäger gut handhaben.

„Sturmjäger machen das ehrenamtlich. Auf die kann man sich verlassen. Es gibt Verrückte, die fahren da raus und schauen sich das an“, berichtet der 29-Jährige. Es gibt viele davon, die sich auch permanent austauschen. Ziel sei es, dass die Bevölkerung möglichst wenig Schaden erleidet. Pro Jahr kommen bei Bachofner mehrere tausende Kilometer bei der Sturmjagd zusammen – alles ohne Bezahlung.

Sturmjäger habe eine große Faszination an Gewittern.

Blitze sind die größte Gefahr

„Es muss eine Leidenschaft dabei sein. Ich interessiere mich seit dem fünften Lebensjahr für das Wetter, auch für Tornados und Gewitter. Anfangs habe ich Stürme mit dem Fahrrad gejagt, ehe ich meinen Führerschein hatte“, so Bachofner humorvoll über seine Anfänge.

„Die Hauptgefahr ist der Blitzschlag. Da gehen wir ein hohes Risiko ein. Es können Bogenblitze entstehen, d.h. das Gewitter ist 20 Kilometer entfernt und trotzdem kann neben mir ein Blitz einschlagen“, so der 29-Jährige über mögliche Gefahren. Brenzlig wurde es für ihn ein Mal, als ein Blitz nur 20 Meter entfernt von ihm eingeschlagen hat. Hagel in einer Zelle können auch ziemlich groß werden und das Auto ordentlich demolieren. Tornados dagegen seien nicht so gefährlich, da die Sturmjäger wissen, wie sie entstehen und wie sie weiterziehen.

Die Gewittersaison geht offiziell ab 1. Mai los. Dann hofft Bachofner auf eine gute Saison. Denn die letzten Jahre gab für ihn leider nicht so viele Gewitter, um seiner großen Leidenschaft nachzugehen.

jz

Quelle: innsalzach24.de

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