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Impfdurchbrüche in der Region

Wie viele Menschen infizieren sich trotz Impfung mit Covid-19 und warum?

Impfdurchbruch - ein sperriges Wort, das im Zuge der Pandemie derzeit immer mehr Gehör findet. Es bezeichnet eine symptomatische Infektion bei einem Geimpften. Wir haben uns erkundigt, wie es um die Rate derjenigen steht, die sich trotz vollständiger Impfung mit dem Coronavirus infizieren konnten.

Landkreis - Immer häufiger taucht die Frage auf, wie hoch der Anteil der Geimpften bei den Corona-Neuinfektionen ist, sprich, wann es zum Impfdurchbruch kommt. Wir haben bei den Landratsämtern nachgehakt, wie hoch der Anteil jeweils in der Region ist und ob es Erklärungen gibt, wieso es überhaupt Geimpfte „erwischt“.

Landkreis Altötting:

Im Zeitraum vom 15. Juli bis zum 16. August wurden dem Gesundheitsamt Altötting insgesamt sieben Covid-19-Infektionen bei vollständig geimpften Personen bekannt. Die Mehrzahl zeigte Krankheitssymptome.

„Der hohe Anteil von symptomatisch Erkrankten unter den positiv getesteten, regelgerecht Geimpften sollte jedoch nicht als Beleg einer mangelhaften Schutzwirkung der Impfstoffe verstanden werden“, mahnt Gesundheitsamtsleiter Dr. med. Franz Schuhbeck. Studien aus Großbritannien zu „Vaxzevria“ („Astra Zeneca“) und „Comirnaty“ („BioNTech/Pfizer“) hätten ergeben, dass beide Impfstoffe im Vergleich zu Alpha eine ähnlich hohe Schutzwirkung auch gegen die Virusvariante Delta für schwere Verläufe in Hinblick auf eine erforderliche Krankenhausbehandlung hätten.

„Wir gehen deshalb davon aus, dass es bei der überwiegenden Mehrzahl der vollständig Geimpften auch bei Kontakt mit der Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus aufgrund des Impfschutzes zu keiner Infektion kommt und wenn doch, schwere Krankheitsverläufe in den allermeisten Fällen durch die Impfungen verhindert werden können.“

Komplette Impfung „dringend notwendig“

Weiter erklärt Dr. Schuhbeck: „Studien weisen jedoch darauf hin, dass bei einer unvollständigen Impfserie - sprich, nur einer von zwei erforderlichen Impfdosen - die Wirksamkeit der genannten Impfstoffe gegen die Delta-Variante deutlich geringer war als die Wirksamkeit gegen die Alpha-Variante. Diese lag für „Comirnaty“ und „Vaxzevria“ bei etwa 35 Prozent gegen jegliche Krankheitsschwere. Für die Covid-19-Vakzine „Janssen“ und „Spikevax“ („Moderna“) liegen bisher keine vergleichbaren Daten vor.“

Das Gesundheitsamt Altötting empfiehlt deshalb allen Personen die Impfung gegen Covid-19, die geimpft werden können. Dabei sei insbesondere unter Berücksichtigung der sich ausbreitenden Delta-Variante eine komplette Impfung bei jenen Impfstoffen, die eine zweimalige Impfung erfordern „dringend notwendig“.

Landkreis Mühldorf am Inn:

Julia Parstorfer kann im Namen des Mühldorfer Landratsamts folgende Daten bekanntgeben: Bei den im Zeitraum vom 16. Juli bis 13. August nachgewiesenen 95 neuen positive Fällen handelte es sich bei 75 nachweislich um die Delta-Variante. Von den Neuinfektionen waren 16 Personen bereits vollständig und sechs Personen einfach geimpft. Die übrigen 73 Personen (77 Prozent) waren nicht geimpft.

Ein konkreter Zeitpunkt, wann es zum Impfdurchbruch komme, sei laut Parstorfer nicht vorhersehbar: „Es kann an der Stärke oder Schwäche der eigenen Immunität liegen aber auch daran, wie massiv die Virenlast ist, der man ausgesetzt ist. Die Impfung schützt mit hoher Wahrscheinlichkeit in erster Linie vor einem schweren Krankheitsverlauf. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich auch vollständig Geimpfte mit Covid-19 infizieren, positiv werden und in einigen Fällen weitere Personen anstecken können. Meist sind die Viruslast und die Ausscheidungsdauer bei Geimpften jedoch deutlich geringer.“

Die Viruslast bei einer Infektion mit der Delta-Variante indes sei deutlich höher als bei den bisherigen Varianten. Damit sei sie auch ansteckender. Die Impfung schütze jedoch auch hier „sehr gut vor einem schweren Verlauf“. Wenige Personen seien trotz vollständiger Impfung symptomatisch. In aller Regel hätten sie keinen schweren Verlauf. Dies gelte besonders für höhere Altersgruppen, was auch der Verlauf der dritten Welle im Landkreis belegt habe: Trotz sehr hoher Fallzahlen seien die Inzidenzen in den oberen Altersgruppen massiv zurückgegangen.

Landkreis Berchtesgadener Land:

Heidi Manger von der Pressestelle des Landratsamt Berchtesgadener Land kann für den Zeitraum vom 12. Juli bis 2. August mitteilen, dass sich insgesamt 189 Personen mit dem Coronavirus infiziert haben. Davon waren 154 nicht geimpft, zwölf Personen einfach und 23 doppelt geimpft. Von den 23 Personen hatten vier noch keinen vollständigen Impfschutz. Bei den geimpften Infizierten sei zu beobachten, dass diese Personengruppe keinen schweren Verlauf der Erkrankung durchlaufe.

„Alle bislang zugelassenen Impfstoffe schützen nicht zu 100 Prozent vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus“, heißt es weiter aus dem Landratsamt. Der Schutz vor einer Infektion betrage bei den mRNA-Impfstoffen 92 Prozent bei vollständigem Impfstatus, bei „AstraZeneca“ 67 Prozent und bei „Johnson & Johnson“ 74 Prozent. Diese Zahlen berücksichtigen jedoch noch nicht die Auswirkungen der seit Juli vorherrschenden Delta-Variante.

Die Behörde „Public Health England“ gehe aber in ersten Erhebungen von einer Wirksamkeit der mRNA-Impfstoffe von 88 Prozent gegen die Delta-Variante aus. Das heißt also, die mRNA-Impfstoffe seien nach wie vor „sehr wirksam“, die Durchbruchsquote aber im Zusammenhang mit Delta leicht von acht auf zwölf Prozent gestiegen. Es bestehe daher die Vermutung, dass sich eine erhöhte Durchbruchsquote auf die Delta-Variante zurückführen lässt. Diese Vermutung müsse allerdings in den kommenden Monaten durch die Erhebung weiterer Zahlen verifiziert werden.

Landkreis Traunstein:

Dr. Wolfgang Krämer vom Traunsteiner Gesundheitsamt kann auf Nachfrage der Redaktion mitteilen, dass es in den letzten vier Wochen insgesamt 109 Neuinfektionen im Raum Traunstein gab. Davon wurden vier Prozent als sogenannte Impfdurchbrüche registriert. Die übrigen 96 Prozent an Neu-Infizierten waren nicht oder nicht vollständig geimpft.

Man beobachte, dass vollständig Geimpfte, die sich dennoch infizieren, einen milderen und kürzeren Verlauf durchstehen. Dr. Krämer plädierte im Interview mit chiemgau24.de bereits für das Impfen: „Die Impfung ist die kraftvollste und effektivste Maßnahme, dieses Virus so weit unter Kontrolle zu bekommen, dass die Betroffenheit schrumpft. Wer geimpft ist, besitzt ein Schutzschild gegen das Virus.“ 

Landkreis Rosenheim:

Insgesamt, so weiß Rosenheims Stadtsprecher Christian Schwalm, haben sich im Raum Rosenheim seit 1. Juli insgesamt 236 Personen mit dem Virus infiziert. Davon warn 174 ungeimpft und 18 unvollständig geimpft. Bei fünf Erkrankten lag die zweite Impfung weniger als 15 Tage zurück, bei 39 Personen lag eine Impfung mit einem mRNA-Covid-19-Impfstoff oder eine einmalige Impfung mit dem Impfstoff „Johnson & Johnson“ mindestens 15 Tage zurück. 29 Personen sind symptomatisch erkrankt.

mb

Rubriklistenbild: © Helmut Fricke/dpa/Symbolbild

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