Nationalparkverwaltung prüft rechtliche Schritte

Wildbiologin fordert mehr Transparenz: "Nationalpark fehlt die Kontrolle!"

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Ein röhrender Hirsch im Nationalpark Berchtesgaden
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Schönau am Königssee - Nach der Diskussion um die toten Rotwild-Kälber im Nationalpark Berchtesgaden fordert die Wildbiologin Dr. Christine Miller erneut mehr Transparenz. Unterdessen prüft der Nationalpark rechtliche Schritte gegen die Wildbiologin.

Erst kürzlich sorgte eine Behauptung des Vereines „Wildes Bayern e.V.“ für Aufsehen, in dem Dr. Miller dem Nationalpark Berchtesgaden vorwirft, Hirschkühe erlegt zu haben. Daraus resultierte das Verhungern einiger Kälber. Diese Anschuldigungen wies der Nationalpark vehement zurück und sprach von einem natürlichen Prozess.

Dr. Miller gibt sich jedoch mit der ersten Stellungnahme nicht zufrieden.Vielmehr fordert Sie nun mehr Transparenz und Kontrolle im Nationalpark.

Die Daten auf dem Portal www.wildtierportal.bayern.de, auf die der Nationalpark verweist, seien alt. Dort sind tatsächlich aktuell nur die Abschusszahlen aus dem Jahr 2017 einzusehen. “Die angebliche Transparenz gibt es ebenso wenig wie die angebliche Gesprächsbereitschaft“, so die Biologin weiter. Wenn Sie Auskunft zu Daten ersuche, würde der Nationalpark nur abblocken.

Dr. Miller: "Den Berufsjägern unterstelle ich nichts Schlechtes"

Auf den Vorwurf des Nationalparks, der Verein „Wildes Bayern e.V.“ würde die Jäger des Nationalparks in ein schlechtes Bild rücken, entgegnet Dr. Miller entschlossen: „Den Berufsjägern unterstelle ich nichts Schlechtes. Aber die jagdliche Verantwortung haben ja überwiegend die etwas einseitig motivierten Förster, die eingestellt werden."

Jede freiwerdende Förster- oder Berufsjägerstelle werde laut der Wildbiologin von einem Mitglied des Ökologischen Jagdverband (ÖJV) besetzt. Dieser Verband sei bekannt dafür, den Wald wichtiger als das Tier zu sehen. „Die Tätigkeit der sogenannten Öko-Jäger entzieht sich jeder Kontrolle, weil der Nationalpark als seine eigene Untere Jagdbehörde (UJB) fungiert", so Dr. Miller.

Auf der Seite des Landkreises Berchtesgadener Land wird genau diese Konstellation bestätigt: "Für das Gebiet des Nationalparks Berchtesgaden nimmt die Nationalparkverwaltung die Aufgaben der unteren Jagdbehörde selbst wahr."Somit kontrolliert sich der Nationalpark tatsächlich selbst, dass die sich aus den jagdrechtlichen Bestimmungen ergebenden Ge- und Verbote eingehalten werden.

Nationalpark wehrt sich mit weiterer Stellungnahme

Auf Nachfrage von BGLand24.de entgegnet Carolin Scheiter, Leiterin Stabstelle für Kommunikation im Nationalpark Berchtesgaden, auf den Vorwurf der gezielten Besetzung der Berufsjägerstellen: "Die Zugehörigkeit zu unterschiedlichen Jagd- und/oder Berufsverbänden spielt bei der Stellenvergabe der Nationalparkverwaltung keine Rolle und wird auch nicht von den Bewerbern abgefragt".

Derweil hat der Nationalpark eine weitere Stellungnahme zu den Geschehnissen auf seiner Webseite veröffentlicht. In dieser hebt die Nationalparkverwaltung noch einmal hervor, dass es im Nationalpark Berchtesgaden nachweislich keinen Abschuss führender Rotwild-Alttiere gegeben habe.

"Die Nationalparkverwaltung arbeitet offen und transparent"

Ebenso teilt der Nationalpark in einem Schreiben in Bezug auf Transparenz mit: "Die Nationalparkverwaltung arbeitet offen und transparent mit einer Vielzahl an Stakeholdern zusammen". Dazu hätten Sie dem Verein „Wildes Bayern e.V.“ in der Vergangenheit detaillierte Daten nach dem Umweltinformationsgesetz zur Verfügung gestellt.

Die komplette Stellungnahme können Sie hier nachlesen. Der Streit geht somit in die nächste Runde. Es bleiben viele offene Fragen, denen wir weiter nachgehen werden.

Schreiben auch Sie uns ihre Meinung. Leserbriefe bitte per E-Mail an jens.zimmermann@ovb24.de.

jz

Quelle: BGland24.de

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