Das sagen unsere Leser zur Allgemeinverfügung im BGL

Veronika aus Berchtesgaden: „Hätte den Touristen mehr Zeit zur Abreise gegeben“

2500 Gäste mussten bis Dienstagnachmittag den Landkreis Berchtesgadener Land verlassen. Auch unsere Leserin Veronika Heel aus Berchtesgaden äußert ihre Meinung dazu.
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2500 Gäste mussten bis Dienstagnachmittag den Landkreis Berchtesgadener Land verlassen. Auch unsere Leserin Veronika Heel aus Berchtesgaden äußert ihre Meinung dazu.

Berchtesgadener Land - Wegen der enorm hohen Corona-Zahlen im Berchtesgadener Land wurde am Dienstag eine Allgemeinverfügung erlassen. Doch was haltet ihr davon? Zahlreiche Leser haben uns ihre Meinungen zum regionalen „Lockdown“ geschildert: 

Die Zahl der Covid-19-Neuinfektionen in Bayern steigt weiter stark an. Auch in unserer Region gehen die Zahlen nach oben. So hat der Landkreis Berchtesgadener Land laut RKI eine 7-Tages-Inzidenz von 238,8 (Stand: 23. Oktober) - das ist der höchste Wert für Bayern. Markus Söder ergänzte die bestehende Corona-Ampel am Mittwoch, 21. Oktober, sogar um die Farbe dunkelrot - hier gibt es alle Regelungen und Details zur Corona-Ampel.


Wegen dieser Zahlen traten am Dienstag, 20. Oktober, um 14 Uhr umfangreiche Corona-Maßnahmen in Kraft. In der erlassenen Allgemeinverfügung werden eine allgemeine Ausgangsbeschränkung, ein Veranstaltungsverbot, Betriebsuntersagungen, Besuchsverbote, Schulen und KiTas, Maskenpflicht, Bußgelder und so weiter behandelt. Wir haben Euch gefragt, was Ihr von den aktuellen Maßnahmen haltet. Haltet Ihr den „Lockdown“ im Berchtesgadener Land für überzogen oder ist es die einzig richtige Maßnahme?

Das sind Eure Meinungen zum regionalen „Lockdown“ im Berchtesgadener Land:


Anm. der Red.: Der Inhalt der Leserbriefe gibt ausschließlich die Meinung der Einsender wieder und spiegelt nicht die Ansicht(en) der Redaktion wieder.

Peter Kronawitter aus Freilassing:

Ein Lockdown ist bei übermäßigen Zahlen im Moment leider die einzige Möglichkeit, die Risikopatienten zu schützen. Aber solche Aktionen müssen mit Maß und Ziel gesetzt werden und für alle logisch nachvollziehbar sein. Das ist im aktuellen Zustand nicht der Fall. Aktivitäten im Freien sind nicht gestattet, aber in Kirchen und bei Gottesdiensten macht das Virus anscheinend Ausnahmen. Entweder man fährt diese Maßnahmen für alle oder man lässt es bleiben. Solche schwerwiegenden Maßnahmen müssen logisch, sinnvoll und nachvollziehbar sein. Dabei darf es dann für einzelne Gruppen auch keine Ausnahmeregelungen geben. Allgemein finde ich es rücksichtslos, dass hier einige wenige dieses Desaster heraufbeschworen haben und das jetzt kleingeredet wird. Fakt ist, dass sie von dem Ursprung nicht konformer Feiern und Veranstaltungen resultieren. Vermutlich haben hier die ein oder anderen das richtige Parteibuch. Leider muss die Allgemeinheit jetzt die Folgen davon tragen - wegen der Unvernunft einiger wenigen. Zukünftig sollte hier schneller und dafür ortsmäßig im kleineren Rahmen agiert werden. Es ist für alle einfacher und wirtschaftlich leichter zu verkraften, wenn Cluster oder einzelne Orte gezielt runtergefahren werden und nicht der ganze Kreis, wo die Zahlen doch sehr unterschiedlich sind. Hoffentlich kommen die Egoisten jetzt auch zur Einsicht, damit solche Maßnahmen unnötig werden. 

Marcus Büllesfeld aus Bad Reichenhall:

Mein Vater ist im Pflegeheim im beschützenden Bereich, da er schwer an Demenz erkrankt ist. Meine Mutter und ich sind seit März sehr, sehr eingeschränkt, was die Besuchszeiten angeht. Seit Dienstag dürfen wir meinen Vater überhaupt nicht mehr besuchen. Das ist sehr hart für uns. Aber natürlich akzeptieren wir diese Entscheidung schweren Herzens (uns bleibt ja auch nichts anderes über).   Das Schlimme ist ja, dass wir jetzt auf genau diese Gruppe von Leuten angewiesen sind, denen wir das jetzt zu “verdanken“ haben. Auf diesem Wege möchte ich mich bei allen Mitarbeitern des Alten- und Pflegeheims Insula in Bischofswiesen ganz herzlich bedanken, dass bis jetzt alles so gut geklappt hat. Vielen Dank! Zum Schluss möchte ich noch unsere Bundeskanzlerin zitieren: „Wir schaffen das!“

Veronika Heel aus Berchtesgaden:

Unsere Leserin Veronika Heel aus Berchtesgaden äußert ihre Meinung zum regionalen „Lockdown“ im Berchtesgadener Land.

Die aktuellen Maßnahmen sind meiner Meinung nach größtenteils gerechtfertigt, wobei ich den Touristen etwas mehr Zeit für eine Abreise gegeben hätte. Im Frühsommer wurde bereits vor einer zweiten Welle im Herbst gewarnt. Der Gedanke einer zweiten Phase der Einschränkung ist also nicht neu und traf mich nicht überraschend. Meine Befürchtung war sogar, dass es schon im September soweit sein könnte.

Viele Betreiber haben super Konzepte entwickelt und durchgesetzt, aber alle Menschen müssen ja auch außerhalb von Gastronomie und den Geschäften etwas Selbstdisziplin und Verständnis aufbringen. In den letzten Wochen war davon meiner Meinung nach bei einigen nicht mehr ganz so viel zu spüren - und so ist es nun, wie es ist! Ich bin kein Freund von Gejammer. Sind wir froh, dass es nicht mitten in der Saison schon soweit war, und machen jetzt das Beste draus!

Monika Bauer aus Obing:

Natürlich müssen Maßnahmen getroffen werden, um die Infektionszahlen wieder auf ein annehmbares Niveau zu senken. Doch solche Maßnahmen der Exekutive müssen in einem Rechtsstaat immer dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz (Prüfung: Ist die Maßnahme 1. geeignet, 2. erforderlich und 3. angemessen) entsprechen.

Nun frage ich mich beispielsweise, was die Sperrung der Wanderparkplätze hier bewirken kann. Hier scheitert die Maßnahme meines Erachtens bereits an der ersten „Hürde“, denn die Maßnahme ist nicht geeignet, eine Ansteckung mit Corona zu verhindern. Auch sind unsere Rettungsketten derzeit keinesfalls überlastet, womit auch dieses Argument nicht greifen kann. Mit dem Rennrad darf man auf viel befahrenen Straßen fahren (hier sind Unfälle doch auch möglich?). In den Bergen zu wandern, wird mir aber untersagt. Derzeit bestehen viele Regelungen, die von den Bürgern nicht mehr verstanden werden, worunter leider die Akzeptanz gegenüber allen Coronaregeln leidet.

Heinrich Wendl aus Bischofswiesen:

Dass Gaststätten, Hotels, Ferienwohnungen und Zimmervermietungen zusperren müssen, finde ich eine nicht durchdachte und absolut überzogene Maßnahme. Diese Betriebe haben mit der Verbreitung von Corona am wenigsten zu tun. Viel in die Hygienemaßnahmen investiert und jetzt zu Unrecht ausgebremst. Damit wollen die Behörden auch sicher stellen, dass die Leute in ihren vier Wänden bleiben. Jetzt wird halt wieder das gefördert, was eigentlich verhindert werden soll: Privatfeiern Zuhause! Viele „junge“ Leute werden sich an die Maßnahmen mit Sicherheit nicht oder zu wenig halten!

Ich wäre in meinen Flegeljahren wahrscheinlich auch nicht anders gewesen. Und auf ein Testergebnis bis zu 48 Stunden warten zu müssen geht überhaupt nicht. 48 Minuten wären OK. Ob das alles hilft, werden wir in absehbarer Zeit sehen. Ich glaube es nicht. Darum den Kopf nicht hängen lassen, wenn das Wasser bis zum Hals steht und bleib gesund!

Die nächsten Leserbriefe werden am kommenden Wochenende in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Regionaler „Lockdown“ im Berchtesgadener Land: Schickt uns Euere Leserbriefe

Die steigenden Corona-Zahlen im Berchtesgadener Land führten dazu, dass eine Allgemeinverfügung erlassen wurde. Doch was haltet Ihr von den aktuellen Maßnahmen? Haltet Ihr den „Lockdown“ im Berchtesgadener Land für überzogen oder ist es die einzig richtige Maßnahme? Erwartet Ihr weitere Lockdowns in der Region und findet Ihr die Corona-Politik der Regierung noch nachvollziehbar? Wir sind auf Eure Meinungen gespannt. Schickt uns Eueren Leserbrief zum Thema per Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: „Lockdown im Berchtesgadener Land“ im Betreff).

Bitte sendet uns neben Euren Zeilen auch unbedingt Euren Namen und Euren Wohnort; auch ein Foto von Euch könnt Ihr gerne mitschicken. Wir veröffentlichen Eure Leserbriefe samt kompletten Namen und Wohnort anschließend in einem Artikel.

Anm. der Red.: Die Redaktion behält sich vor, Zuschriften entsprechend zu kürzen oder die Veröffentlichung gegebenenfalls ohne Angabe von Gründen zu verweigern.

Massive Beschränkungen im Berchtesgadener Land

Landrat Bernhard Kern (CSU) und Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) sehen durch die neue Allgemeinverfügung eine Chance, der Corona-Pandemie die Stirn zu bieten, Infektionsketten zu unterbrechen und bald wieder einen geregelten Ablauf im Landkreis möglich zu machen. Die Allgemeinverfügung gilt vorerst bis Montag, 2. November um 24 Uhr.

Auch zahlreiche Veranstaltungen mussten nun im Berchtesgadener Land abgesagt werden. Eine Liste mit allen abgesagten Events und geschlossenen Einrichtungen findet Ihr hier.

jg

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