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Missbrauch im Beichtstuhl? Streit um Gutachten

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Der Anwalt des Bistums Würzburg, Günter Paul, lächelt am Dienstag vor Prozessbeginn in einem Saal des Landgerichts Würzburg neben der Klägerin Cornelia H.

Würzburg - Eine heute 47-jährige Frau soll als Mädchen im Bistum Würzburg im Beichtstuhl sexuell missbraucht worden sein. Im Prozess gibt es jedoch Verzögerungen, ein Gutachter soll befangen sein.

Der Prozess um einen angeblichen Missbrauch in einem Beichtstuhl zieht sich weiter hin. In dem Zivilverfahren stritten sich die Beteiligten am Dienstag über das Gutachten eines Sachverständigen, das der Klägerin volle Prozess- und Geschäftsfähigkeit bescheinigte. Der Anwalt der Frau warf dem Gutachter Befangenheit vor, weil er Stellungnahmen anderer Ärzte nicht einbezogen habe. Die Frau behauptet, vor etwa 40 Jahren von einem Würzburger Priester im Beichtstuhl sexuell missbraucht worden zu sein und fordert 250 000 Euro Schmerzensgeld. Das Landgericht Würzburg will bis Anfang Juni über den Befangenheitsantrag entscheiden.

Chronologie der Missbrauchsfälle

Chronologie der Missbrauchsfälle

28. Januar 2010 - Bistum Berlin: Am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten werden erste Verdachtsfälle bekannt, es folgen Dutzende weitere. © dpa
1. Februar - Bistum Hamburg: Ehemalige Schüler von Sankt Ansgar in Hamburg geben an, Opfer eines Jesuiten-Paters geworden zu sein. © dpa
1. Februar - Bistum Freiburg: Ein zuvor in Berlin tätiger Lehrer soll auch am Jesuiten-Kolleg St. Blasien Schüler missbraucht haben. © dpa
1. Februar - Bistum Hildesheim: Vorwürfe gegen Pater in Hildesheim und Göttingen werden bekannt, es folgen Fälle in Hannover. Im Bild: Die Basilika in Hannover, in der Regionaldechant Propst Martin Tenge eine Erklärung von Bischof Norbert Trelle zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater verliest. © dpa
5. Februar - Bistum Köln: Es wird erstmals über Missbrauchsfälle am Bonner Aloisius-Kolleg berichtet. Im Bild: Eine Nachtaufnahme des Kölner Doms. © dpa
9. Februar - Bistum Aachen: Ein Sonderbeauftragter der Kirche ermittelt nach Missbrauchs-Anschuldigungen gegen zwei Priester. Im Bild: Der Dom von Aachen © dpa
12. Februar - Bistum Paderborn: Die Kirche bestätigt, dass Geistliche in Werl Kinder missbraucht haben sollen. Im Bild: Die Gau-Kirche der Liborius Pfarrei im Bistum Paderborn © dpa
19. Februar - Bistum Mainz: Am Internat Biesdorf der Missionare von der Heiligen Familie wird Missbrauch durch einen Ordensmann bekannt. Im Bild: Der Mainzer Dom im nächtlichen Nebel © dpa
21. Februar - Bistum Augsburg: Gegen Mitarbeiter des ehemaligen Heims der Salesianer Don Bosco in Augsburg gibt es Missbrauchsvorwürfe. © dpa
21. Februar - Bistum Rottenburg: In Oggelsbeuren soll es in einem Kinderheim der Vinzentinerinnen Missbrauchsfälle gegeben haben. Im Bild: Gebäude der Stiftung Liebenau im Bistum Rottenburg © dpa
21. Februar - Bistum Essen: Frühere Mitarbeiter der Behinderten- Einrichtung Franz-Sales-Haus Essen sollen Zöglinge missbraucht haben. Im Bild: Ein Gottesdienst im Dom in Essen © dpa
22. Februar - Bistum München: Der Leiter der Schule im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal räumt Missbrauchsfälle ein. © dpa
22. Februar - Bistum Würzburg: Nach Missbrauchsvorwürfen wird ein Priester im Würzburger Franziskanerkloster beurlaubt. Im Bild: Der Turm der Neubau-Kirche in Würzburg © dpa
23. Februar - Bistum Speyer: Ein Pater soll am Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar sexuelle Handlungen an Jungen vorgenommen haben. Im Bild: Der Dom zu Speyer © dpa
28. Februar - Bistum Münster: Ein Pater in Münster-Hiltrup gesteht den sexuellen Missbrauch an Internatsschülern. Im Bild: Die Sankt Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup © dpa
3. März - Bistum Limburg: Mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester werden bekannt. Im Bild: Gottesdienst im Georgs-Dom in Limburg © dpa
4. März - Bistum Fulda: Verdachtsfälle betreffen einen Priester und einen kirchlichen Mitarbeiter. Im Bild: Der Dom in Fulda mit Schildern im Vordergrund © dpa
4. März - Bistum Regensburg: Nach Mitteilung des Bistums hatte es auch Fälle bei dem weltberühmten Knabenchor Regensburger Domspatzen gegeben. Im Bild: Ein Konzert der Regensburger Domspatzen in der Sacred Heart Cathedral in Pretoria. © dpa

Die heute 49-Jährige hatte zwischen 1964 und 1974 in einem Kinderheim in Würzburg gelebt. Sie soll dort auch von Franziskanerschwestern verprügelt worden sein. Erst vor einigen Jahren will sich die schlanke Frau mit den kurzen grauen Haaren an die angeblichen Vorfälle erinnert haben. Als Grund nannte sie die Traumatisierung durch den Missbrauch. Das Gutachten, das das Gericht am Dienstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutierte, kommt dagegen zu dem Schluss, dass die Frau die ganze Zeit über voll prozess- und geschäftsfähig war. Somit hätte sie ihre Ansprüche schon früher geltend machen können und müssen. Ein Großteil der möglichen Taten, die etwa 40 Jahre zurückliegen, ist inzwischen verjährt.

Die Diözese Würzburg wies erneut alle Vorwürfe der Frau zurück. Der Rechtsanwalt der Diözese, Günter Paul, betonte, das Bistum habe “auf den allerersten Verdacht hin“ ermittelt. Untersuchungen hätten aber die Schilderungen der Frau nicht bestätigt. Der Täter konnte nie gefunden wurde, der Beichtstuhl auch nicht. Erst als klar gewesen sei, dass an den Vorwürfen nichts dran sei, habe man sich auf die Verjährung berufen, erklärte Paul.

Der Anwalt der mittlerweile in Augsburg lebenden Frau argumentiert aufgrund ihrer Traumatisierung gegen die Verjährungsregelung. Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.

dpa

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