Uwe Dreier ist bei "Dein Sternenkind" tätig

Das erste und letzte Bild: Mettenheimer fotografiert tote Babys

"Jeder hat sicher schon mal einen Menschen verloren, aber die hätten alle eine Zeit lang gelebt - Sternenkinder hatten diese Chance dagegen nicht", so Fotograf Uwe Dreier (r.). 
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"Jeder hat sicher schon mal einen Menschen verloren, aber die hätten alle eine Zeit lang gelebt - Sternenkinder hatten diese Chance dagegen nicht", so Fotograf Uwe Dreier (r.). 

Mettenheim – Uwe Dreier (54) aus Mettenheim ist seit über zweieinhalb Jahren bei „Dein Sternenkind“. Dabei fotografiert er tote Babys.

Wie kann man nur so etwas machen? Diese Frage hört Uwe Dreier (54) aus Mettenheim nicht selten, wenn er auf sein Ehrenamt angesprochen wird. Seit Mitte 2017 ist der leidenschaftliche Fotograf nun bei „Dein Sternenkind“ aktiv und lichtet kostenlos Neugeborene ab, die vor, während oder nach der Geburt verstorben sind.


Eher zufällig ist er online auf die Organisation gestoßen, die 2013 von Kai Gebel gegründet worden war. Aus Neugierde hat sich Dreier mehr mit diesem Thema beschäftigt, obwohl es zunächst schon ein komisches Gefühl bei ihm ausgelöst hatte. „Ich habe mir Reaktionen von Betroffenen durchgelesen und gemerkt, wie wertvoll und hilfreich diese Fotos für trauernde Eltern sein können. Ich dachte sofort, ich kann etwas Nützliches mit etwas Sinnvollem verbinden“, so der 54-Jährige gegenüber innsalzach24.de.

Zu 27 Einsätzen wurde der Mettenheimer in den vergangenen zweieinhalb Jahren gerufen. An seiner Motivation hat sich jedoch nichts verändert: „Es gibt einem zu denken, über welche Sachen man sich manchmal aufregt. Solch ein Schicksalsschlag kann die Perspektive auf die eigenen angeblichen Probleme ändern. Das ist etwas, was mich an dem Thema hält“, so Dreier, der hauptberuflich in der IT-Branche tätig ist und im Nebengewerbe als Fotograf.


Dreier: "Kein Job, um sich zu profilieren"

Für seine Arbeit bekommt der leidenschaftliche Fotograf kein Geld. Die gesamte Organisation finanziert sich nur durch Spenden, mit denen die eigene Infrastruktur oder Infomaterial bezahlt werden. Es sei zudem kein Job für Leute, die sich profilieren wollen. Der Lohn sind Danksagungen und das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben: „Es ist schön zu wissen, dass man den Eltern geholfen hat. Manche berichten davon, wie gut es ihnen tut, die Fotos zu haben“, so Dreier.

„Man darf es allerdings nicht zu nah an sich herankommen lassen. Mitfühlen ja, mitleiden nein“, lautet die Devise beim Mettenheimer. Schließlich seien es schwere Schicksalsschläge. Jeder habe sicher schon mal einen Menschen verloren, aber die hätten alle eine Zeit lang gelebt - Sternenkinder hatten diese Chance dagegen nicht.

Dreier habe lang überlegt, ob er dies überhaupt machen kann. Dabei gehe es nicht um die technischen Fertigkeiten, die oft mit schwierigen Lichtverhältnissen einhergehen. Vielmehr spielte die unbekannte Situation eine große Rolle. „Was macht es mit einem als Menschen? Doch der Wille war da und so habe ich mich zu einer Bewerbung entschlossen.“

Eine greifbare Erinnerung sollen Fotos der toten Kinder sein. 

Wertvolle Stütze im Trauerprozess

„Dein Sternenkind“ empfiehlt den Eltern explizit das kostenlose Angebot wahr zu nehmen: „Die Bilder müsst ihr euch nicht sofort ansehen, aber sie werden da sein, wenn ihr bereit seid sie anzuschauen. Sie werden euch in eurem Trauerprozess eine wertvolle Stütze sein. Diese Portraits werden für immer eine greifbare Erinnerung an euer geliebtes Kind sein.“ Eine Fotografenanforderung kann ganz leicht auf der Homepage der Organisation gestellt werden.

In ganz Deutschland und Österreich sind derzeit über 600 Fotografen für „Dein Sternenkind“ im Einsatz. Seit 2016 konnte jede Anfrage bedient werden. Dreier selbst ist für den südostbayerischen Raum zuständig und somit in Altötting, Mühldorf, Passau, Traunstein, Rosenheim und München tätig.

Alles ehrenamtlich und neben dem Beruf

Jede Anfrage landet erst bei Koordinatoren und dann bei den zuständigen Fotografen in einem bestimmten Umkreis, die sich dann selbst koordinieren. Denn alle machen das ehrenamtlich und haben auch noch einen Beruf. „Wenn das Kind schon geboren ist, muss es natürlich schnell gehen“, berichtet der 54-Jährige. Absprachen hierzu werden in einem internen Forum zwischen den Fotografen getroffen.

Wir machen nichts Schlechtes, wir bieten den Eltern Hilfe“, erklärt Dreier, der selbst nicht müde wird über seine Arbeit zu sprechen. Er wolle das Thema verbreiten, es aus der dunklen Ecke herausholen. Daher störe ihn die Frage nicht, wie man denn so etwas machen könne. „Es ist das einzige, was den Eltern bleibt. Das muss man irgendwie möglich machen, egal wie“, so der Fotograf.

jz

Quelle: innsalzach24.de

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