Versuchter Mord in Rosenheimer Bordell? Prozess in Traunstein

Angeklagter: „Ich bereue nichts, was ich getan habe.“

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Rosenheim/Traunstein - Am Freitag, 22. März kam es gegen 23.30 Uhr in einem Rosenheimer Bordell zu einem Messerangriff, bei dem ein Mann verletzt wurde. Der 56-jährige Tatverdächtige muss sich nun vor Gericht verantworten.

Update, 15.55 Uhr: Abbruch der Verhandlung

Die Verhandlung wurde unterbrochen. Der Prozess wird am 24. September fortgesetzt.

Update, 15.45 Uhr: Prostituierte sagt aus

„Ich bereue nichts, was ich getan habe. Von solchen Hurensöhnen lasse ich mir nichts gefallen“, soll der Angeklagte zu einem Polizeibeamten unmittelbar nach der Tat gesagt haben. 

Die Prostituierte, die der Angeklagte kurz vor der Tat besucht hat, sagt aus: „Er hat an meiner Türe geläutet und ich hab ihn hereingebeten.“ Sie habe mit ihm dann für 50 Euro bestimmte Praktiken vereinbart. Der Angeklagte habe der Frau dann aber darüber hinaus auch ins Gesicht und an den Hals gefasst, was sie nicht wollte. Sie habe ihm dann mitgeteilt, er solle das unterlassen. „Ich mag es nicht, wenn mein Gesicht angefasst wird. Er hat dann angefangen zu schreien und gesagt er hat dafür gezahlt. Dann sind weitere Mädchen gekommen, um mir zu helfen. Dann hat er gesagt 'ich bringe alle um' und ist gegangen.“ Sie habe den Eindruck gehabt, dass er leicht angetrunken gewesen sei. „Er schien zu Beginn nicht, dass er Probleme machen würde.“

Update, 14.01 Uhr: Vermieter konnte sich in Sicherheit bringen

„Die Frauen wechseln wöchentlich oder alle zwei Wochen und arbeiten selbstständig“, sagt der Vermieter der Zimmer in dem Bordell. Den Angeklagten habe er zuvor noch nie gesehen. Am Tatabend sei er mit dem Geschädigten im Büro gesessen und habe Tumult in der Wohnung der Frauen wahrgenommen, woraufhin er mit dem Geschädigten nach dem Rechten gesehen habe. 

Im Zimmer des Mädchens habe er dann den Angeklagten vorgefunden und diesen des Bordells verwiesen. Etwa 20 Minuten später, die beiden saßen wieder im Büro, habe er über die Überwachungskamera gesehen, wie der Angeklagte zusammen mit seinem Sohn wieder vor der Türe stand und diese aufgetreten habe. Es sei dann zum Kampf zwischen dem Geschädigten und dem Angeklagten gekommen. Er selbst habe sich in Sicherheit bringen können.

Update, 12.07 Uhr: Angeklagte soll 1,7 Promille gehabt haben

Laut einer Polizeibeamtin soll der Angeklagte zur Tatzeit 1,7 Promille gehabt haben. Auch die Überwachungskameras haben aufgezeichnet, dass der Angeklagte in Begleitung seines Sohnes, der ihn zurückhalten wollte, mit einem 20 Zentimeter langen Messer zurück zum Bordell gekommen sei. Das bestätigt auch der Geschädigte. 

Er selbst sei vor und zum Tatzeitpunkt im Bordell gewesen um den „Chef“, den er schon lange kenne, zu besuchen. Dann habe es Probleme mit dem Angeklagten gegeben, weil er das Mädchen, das er besuchte, an Hals und Nacken angefasst habe, was nicht vereinbart gewesen sei. Daraufhin habe der Bordellpächter den Angeklagten aufgefordert zu gehen. 

Kurz nachdem der Angeklagte das Freudenhaus verlassen hat, sei das Mädchen zum Geschädigten und dem Bordellbetreiber gekommen habe aufgeregt mitgeteilt: „Er hat gesagt er kommt wieder und bringt alle um.“

Update, 10.32 Uhr: Verlesung der Anklageschrift

Der Staatsanwalt verliest die Anklageschrift, der Angeklagte folgt ruhig und gefasst. Laut Staatsanwaltschaft soll das Motiv des Angeklagten besonders verachtenswert und auf niedrigster Stufe stehend sein. Er soll von der von ihm besuchten Prostituierten Zusatzleistungen gefordert haben, die diese nicht erfüllt habe, da diese nicht vereinbart gewesen seien. Daraufhin habe der Zeuge S. den Angeklagten des Bordells verwiesen. Das habe sich der Angeklagte nicht gefallen lassen und fühlte sich um sein Geld betrogen. Er sei dann mit zwei Messern, die er zuhause holte, zurückgekommen und habe auf den Geschädigten R. eingestochen. Der erlitt dadurch nicht unerhebliche Schnittverletzungen. 

Rechtsanwalt Dr. Markus Frank wird für seinen Mandanten eine Erklärung abgeben, der Angeklagte selbst will sich zur Sache vor Gericht nicht äußern. Alkohol spiele eine große Rolle im Leben des Angeklagten. Er konsumiere ihn nach eigenen Aussagen täglich. Vorwiegend Bier und Raki. Es können auch schon mal eine Flasche Schnaps oder sechs bis acht Bier am Tag sein. Seit 20 Jahren lebt er schon in Deutschland. Laut Rechtsanwalt Frank habe sein Mandant keine Erinnerung mehr an die Tat. Er könne sich die Vorwürfe nur in Zusammenhang mit seinem starken Alkoholkonsum erklären.

Vorbericht

Am späten Freitagabend gegen 23 Uhr soll ein 56-jähriger Türke ein Bordell in Rosenheim besucht haben. Der Mann soll mit den erbrachten Leistungen nicht zufrieden gewesen sein, das Bordell aufgebracht verlassen und angekündigt haben, zurückzukommen und die Anwesenden umzubringen, wie die Polizei damals mitteilte

Gegen 23.30 Uhr soll der der 56-jährige türkische Staatsangehörige dann wieder zum zuvor besuchten Bordell zurückgekehrt sein und einen 46-jährigen Bekannten des Bordellbetreibers mit einem Messer angegriffen und verletzt haben. Der Mann erlitt durch den Angriff mehrere Stich- und Schnittverletzungen, die ärztlich versorgt werden mussten. 

Die Ermittlungsrichterin erließ gegen den 56-Jährigen Haftbefehl. Er befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.

Prozess beginnt am 10. September

Die Staatsanwaltschaft Traunstein erhob Anklage wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung. Das Landgericht hat für den Prozess zwei verhandlungstage angesetzt: 10. September ab 9 Uhr, Fortsetzung am 24. September 9 Uhr.

Quelle: chiemgau24.de

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