Über Lockerungen, Stimmung in der Traunsteiner Bevölkerung und Impfen

Landrat Walch im Interview: „Die Lust auf Einschränkungen ist einfach aufgebraucht“

Traunsteins Landrat Siegfried Walch (CSU)
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Traunsteins Landrat Siegfried Walch (CSU).

Landkreis Traunstein - Nun gibt es einen Fahrplan für Lockerungen aus dem Corona-Lockdown - sind die Maßnahmen richtig? Wir haben mit Landrat Siegfried Walch auch über Schulschließungen, den Impffortschritt und über die Akzeptanz der Maßnahmen in der Bevölkerung gesprochen.

Herr Walch, wie lautet Ihr Fazit zu den neuen Regelungen und Lockerungen, die am Mittwoch im Bund-Länder-Gipfel beschlossen wurden?
Jeder hat eine Perspektive gefordert und die ist jetzt gegeben. Man weiß, wann was passiert. Ich bin über diese Lösung froh, die das Lockern in den Blick nimmt, aber das Ganze auch vorsichtig macht. Vielleicht ist das der Mittelweg, den man jetzt gebraucht hat. Die Branchen, die länger warten müssen, sagen natürlich, es sollte schneller gehen. Aber sowas muss stufenweise passieren. Alles auf einmal zu öffnen hätte sicher einen sehr negativen Effekt. Und am 8. März gibt es ja schon die ersten Lockerungen. Ich halte das beschlossene Vorgehen insgesamt für richtig.
Aber es wurde an der 100er-Grenze bei der Sieben-Tages-Inzidenz festgehalten, bei der Schulen und Kitas vom einen auf den anderen Tag wieder schließen bzw. in „Distanzunterricht“ gehen müssen.
Gerade weil der Schulbetrieb oberste Priorität hat, sollte man mit den anderen Lockerungen vorsichtig sein. Wir wollen den On-Off-Betrieb unbedingt vermeiden. Schon letzten Freitag haben wir die Selbsttests an die Schulen geliefert. Aber wir können keinem die Sorge nehmen, auch uns kann es wieder passieren, dass wir die 100er-Grenze wieder überschreiten. Mit dieser Unsicherheit muss man momentan leider umgehen, so hart es auch ist.
Die Landräte aus den Kreisen Berchtesgadener Land und Mühldorf haben bereits mit offenen Briefen gegen bestimmte Anti-Corona-Maßnahmen beim Bayerischen Gesundheitsminister Holetschek protestiert. Wie verhält man sich da im Traunsteiner Landratsamt?
Davon halte ich nichts. Ich bin ständig im Kontakt mit dem Gesundheitsminister, dem Ministerpräsidenten und der Staatsregierung. In einer Krisenlage muss man direkt miteinander reden. Der Weg über die Medien ist aus meiner Sicht nicht der richtige. 
Ist in der Bevölkerung mehrheitlich noch ein Rückhalt für die Maßnahmen zu spüren? Am Landratsamt bekommen Sie es ja direkt mit.
Schwer zu beurteilen, das klafft weit auseinander. Manche akzeptieren die Maßnahmen gar nicht, andere fordern sogar ein strengeres Vorgehen - auch das haben wir im Zuge der Öffnungsdebatte jetzt wieder erlebt. Wenn ich nach dem gehe was uns so erreicht, sehe ich, dass die Lust auf Einschränkungen momentan einfach aufgebraucht ist. Auch bei vielen von denen, die das grundsätzlich sinnvoll finden. Ich verstehe die Leute emotional, viele kommen jetzt an ihre Belastungsgrenzen. 
War das rigorose Schließen der Grenze zu Tirol richtig?
So unangenehm es für Grenzgänger auch ist, muss man sehen, dass vor allem die Landkreise an der Grenze, gerade auch zu Tschechien, „rot“ sind. Und alle Landkreise, die weiter weg sind, sind weniger „rot“. Es ist also schon ein Zusammenhang da. Ich bin nicht der Meinung, dass die Grenzschließung per se falsch war. 
Sind Sie mit dem Impffortschritt im Landkreis Traunstein zufrieden?
Grundsätzlich läuft es sehr gut. Ganz aktuell sind es 9700 Personen, die geimpft sind. 5000 davon haben schon die Zweitimpfung. Hätten wir mehr Impfstoff, könnten wir aber viel mehr verimpfen. Das tut uns schon weh, aber jetzt erwarten wir pro Woche schon 3000 Impfdosen. In der ersten Impfwoche Ende 2020 waren es noch 100 Dosen. Und spätestens ab April sollen wir ja richtig mit Stoff versorgt werden, also bin ich zuversichtlich. Auch unser Impfbus kommt hervorragend an.
Wir danken Ihnen für das Gespräch.

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