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Revisionsprozess um tödlichen Unfall auf Miesbacher Straße

Angehöriger: „Was mit uns Familien passiert, kann man sich nicht vorstellen“

Auch über vier Jahre nach dem fürchterlichen Unfall auf der Miesbacher Straße, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, kann immer noch kein juristischer Schlussstrich unter den Fall gezogen werden. Am Donnerstag wird der Prozess erneut neu aufgerollt.
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Auch über vier Jahre nach dem fürchterlichen Unfall auf der Miesbacher Straße, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, kann immer noch kein juristischer Schlussstrich unter den Fall gezogen werden. Am Donnerstag wird der Prozess erneut neu aufgerollt.

Auch über vier Jahre nach dem fürchterlichen Unfall auf der Miesbacher Straße, bei dem zwei junge Frauen vom Samerberg starben, kann immer noch kein juristischer Schlussstrich unter den Fall gezogen werden. Am Donnerstag wird der Prozess erneut neu aufgerollt.

Update, 14.11 Uhr - Angehörige sagen aus

Nun wird die erste Zeugin im Revisionsprozess am Traunsteiner Landgericht geladen. Magdalena D. verlor bei dem Frontalunfall ihre 15-jährige Schwester. Auch sie saß mit im Auto. Sie waren gerade auf dem Heimweg vom Abendessen in Kolbermoor, zurück in Richtung Samerberg. „Wir hatten einen schönen Abend. Ich kann mich noch erinnern, wie wir ins Auto eingestiegen sind. Nach dem Ausparken war meine Erinnerung komplett weg. Dann bin ich im Krankenhaus aufgewacht.“

Als sie erzählt, wie sie sich beim Besuch ihrer Mutter im Krankenhaus nach ihrer Schwester erkundigte, kämpft sie mit den Tränen. Richterin Will will wissen, wie es ihr heute geht – denn auch Magdalena D. wurde schwer verletzt: „Mein Gesicht hat sich verändert. Ich schaue ganz anders aus“, berichtet die junge Frau. Sie verlor im Zuge des Unfalls ihren Geruchssinn, auch der Geschmackssinn ist stark eingeschränkt. Laut den Ärzten werde sich das auch nicht mehr verbessern.

Außerdem habe sie noch immer Knieprobleme, könne weder Joggen, noch Berggehen, noch Skifahren. Eine Vollzeitstelle sei ebenfalls nicht mehr möglich, sie arbeite nur noch 15 Stunden in der Woche bei einer Firma am Empfang. Denn Magdalena D. leidet auch heute noch unter Erschöpfungszuständen und Konzentrationsschwächen. Nicht zu vergessen natürlich die psychischen Belastungen: „Ich habe meine Schwester verloren. Damit werde ich jeden Tag konfrontiert.“

Gleich nach ihr tritt Ralf R., Vater der verstorbenen 21-Jährigen, in den Zeugenstand. „Was mit uns Familien passiert, kann man sich nicht vorstellen.“ Er betont, wie viele illegale Autorennen es noch immer gebe. „Es ist extrem, wie viele Menschen dabei sterben. Das muss berücksichtigt werden“, sagt er sichtlich aufgebracht aus.

Der Prozess am Traunsteiner Landgericht wird für heute unterbrochen und am Dienstag, 1. Juni, ab 9.30 Uhr fortgesetzt. Dann soll als Zeuge auch der überholende Golf-Fahrer aus Ulm erneut aussagen. 

Update, 11.24 Uhr - Engste Angehörige werden aussagen

Und wieder steht der BMW-Fahrer aus Riedering vor Gericht, wieder sind die Geschädigten und Angehörigen vom Samerberg Nebenkläger. Der Prozess gegen den inzwischen 28-Jährigen muss am Traunsteiner Landgericht erneut aufgerollt werden. Alle Gerichtsbeteiligten sind wieder versammelt, auch einige Zuschauer haben sich eingefunden.

Und einer der Anwälte des Angeklagten, Dr. Florian Eder, stellt gleich zu Beginn klar: „Mein Mandant wird sich heute weder zur Sache, noch zu seiner Person äußern.“ Trotzdem werden heute Zeugen geladen: die Schwester der verstorbenen 15-jährigen Ramona D. und der Vater der 21-jährigen verstorbenen Melanie R.

Im erneuten Prozess am Landgericht Traunstein geht es nun nur noch gegen den BMW-Fahrer aus Riedering. Der Vorwurf kurz zusammengefasst: Der heute 28-Jährige war am 20. November 2016 mit weiteren Bekannten in insgesamt drei Autos auf der Miesbacher Straße in Rosenheim unterwegs.

Als der VW-Fahrer aus Ulm an einer unübersichtlichen Stelle überholen wollte, hätten die beiden anderen Männer aus dem Kreis Rosenheim keine Lücke zum Einscheren gelassen – dann kam Gegenverkehr, ein Frontal-Crash war die Folge. Zwei junge Frauen vom Samerberg im entgegenkommenden Auto verstarben. Der Riederinger ist nun wieder wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Tötung angeklagt.

Richterin Heike Will geht zum Prozessbeginn kurz auf die Vorgeschichte der Verhandlung ein. Bereits im März 2019 fiel ein Urteil am Amtsgericht Rosenheim, gegen das Berufung eingelegt wurde. Das Urteil im Berufungsprozess vom 12. November 2019 am Landgericht wurde dann jedoch vom Bayerischen Obersten Landesgericht kassiert. Zu zwei Jahren und drei Monaten Haft sowie Führerscheinentzug wäre der Riederinger damals verurteilt worden.

Der Grund, warum das jüngste Urteil am Landgericht vom Bayerischen Obersten Landesgericht aufgehoben wurde: ein Formfehler. Denn als während des Prozesses gegen den anderen Angeklagten aus Kolbermoor verhandelt wurde, fragte der Anwalt des Riederingers den Richter, ob sie kurz den Gerichtssaal verlassen könnten. Der Richter genehmigte dies mit einer Handbewegung, doch es hätte dazu eigentlich einen formellen Beschluss gebraucht. Dies war in den Augen des Bayerischen Obersten Landesgerichts ein „absoluter Revisionsgrund“.

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Erstmeldung

Traunstein/Rosenheim - Knapp vier Jahre ist es her, als bei einem Verkehrsunfall auf der Rosenheimer Südumgehung zwei Frauen ums Leben kamen. Es folgten zwei Prozesse am Amtsgericht Rosenheim und der Berufungsprozess am Landgericht Traunstein. Das Verfahren wird ab dem 27.05.2021 vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Traunstein unter dem Vorsitz von Vorsitzender Richterin am Landgericht Will erneut neu aufgerollt. An insgesamt sieben Verhandlungstagen sind bislang 40 Zeugen und ein Sachverständiger geladen.

Bislang wurden folgende Sitzungstage festgesetzt:

Donnerstag, 27.05.2021,
Dienstag, 01.06.2021,
Mittwoch, 02.06.2021,
Dienstag, 08.06.2021,
Mittwoch, 09.06.2021,
Donnerstag, 10.06.2021,
Dienstag, 15.06.2021.

Beginn ist jeweils 9.30 Uhr.

Das Strafverfahren richtete sich ursprünglich nicht nur gegen den jetzigen Angeklagten, sondern auch gegen den Fahrer des überholenden Autos sowie den Fahrer des vorausfahrenden BMW. Die beiden letzteren sind inzwischen u.a. wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung rechtskräftig zu Freiheitsstrafen von 1 Jahr 8 Monaten mit Bewährung bzw. 2 Jahren 5 Monaten verurteilt worden.

Urteil vom Bayerischen Obersten Landesgericht aufgehoben

Der Unfalltod der zwei jungen Frauen vom Samerberg im November 2016 erschütterte die Menschen in der Region Rosenheim. Das Bayerische Oberste Landesgericht in München hat im Sommer 2020 das Urteil gegen einen der beiden Verurteilten, den BMW-Fahrer aus Riedering, der zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt worden war, wegen eines Formfehlers aufgehoben und zur erneuten Verhandlung an das Landgericht Traunstein zurückverwiesen.

Während des Prozesses am Landgericht wurde gegen den Angeklagten aus Kolbermoor auch wegen eines illegalen Autorennens verhandelt. In dieser Zeit verließ der andere Angeklagte aus Riedering mit seinem Anwalt den Gerichtssaal. Das hatte der vorsitzende Richter auf Frage des Anwalts mit einer Handbewegung genehmigt. Dazu hätte es eines formellen Beschlusses bedurft, so die Auffassung der Richter am Bayerischen Obersten Landesgericht . Das sei aber nicht geschehen. Dieser Formfehler stelle einen sogenannten „absoluten Revisionsgrund“ dar, weswegen das Urteil aufzuheben sei. Rechtsanwalt Harald Baron von Koskull aus Rosenheim, der Verteidiger des Angeklagten, dessen Urteil bestätigt wurde, bezeichnet die Entscheidung im Gespräch mit dem BR als „menschliche Katastrophe für die Angehörigen“.

Im Berufungsprozess um den tödlichen Unfall auf der Miesbacher Straße am Landgericht Traunstein wurden zwei BMW-Fahrer zu Haftstrafen verurteilt. Das Urteil gegen einen der Beiden wurde vom Obersten Landesgericht in München wegen eines Formfehlers aufgehoben.

Angeklagter bereits zwei Mal verurteilt

Bei dem Unfall am 20. November 2016 starben die damals 15-jährige Ramona D. und die 21-jährige Melanie R., beide vom Samerberg. Ramonas Schwester Lena überlebte den Crash mit schwersten Verletzungen. Der schlimme Unfall bewegt die Region bis heute. Damals war ein Ulmer mit seinem Golf frontal in den Wagen der Samerbergerinnen gefahren. Zwei BMWs mit den Fahrern aus Kolbermoor und Riedering hatten ihn, so lautete seine Version des Unfallgeschehens, bei seinem fatalen Überholversuch nicht mehr einscheren lassen. In erster Instanz vor dem Amtsgericht Rosenheim war er zu zwei Jahren auf Bewährung, die beiden BMW-Fahrer wegen fahrlässiger Tötung zu Haftstrafen ohne Bewährung verurteilt worden.

Die BMW-Fahrer gingen daraufhin in Berufung, die jedoch im November vergangenen Jahres vom Landgericht Traunstein abgeschmettert wurde. Gegen den Mann aus Kolbermoor fiel das Urteil in zweiter Instanz sogar härter aus. Die Anwälte legten daraufhin Revision beim Bayerischen Obersten Landesgericht ein, dass das Urteil gegen den Riederinger aufhob. Jetzt geht der Fall im Mai zurück ans Landgericht Traunstein.

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