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Zahlreiche private Initiativen in der Achental-Gemeinde

Schlechinger Familienhotel nimmt 20 Ukraine-Flüchtlinge auf

Füchtlinge aus der Ukraine beim Mittagessen im Hotel Dahoam in Schleching-Ettenhausen.
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Füchtlinge aus der Ukraine beim Mittagessen im Hotel Dahoam in Schleching-Ettenhausen.

Die Hilfsbereitschaft in Schleching für die geflüchteten Menschen aus der Ukraine ist wie überall groß. Darunter ist auch die Familie Ries vom Alpenhotel Dahoam in Ettenhausen. Sie hat spontan zwanzig Flüchtlinge privat im Hotel aufgenommen.

Schleching – Die Tochter Lara wurde von einer privaten Organisation angesprochen, die Hilfsgüter an die polnische Grenze gefahren und von dort Flüchtlinge nach Deutschland mitgenommen haben. Das sind Menschen, die ausgebombt wurden und lediglich mit einer kleinen Reisetasche hier ankamen, berichtet Jutta Ries. Schlechinger spendeten Spielsachen für die Kinder und brachten Kleidungsstücke.

Vor Erschöpfung auf Asphalt geschlafen

Die schrecklichen Erlebnisse sind den Menschen ins Gesicht geschrieben, einige haben für sechs Tage im Keller gesessen und waren dann noch vier Tage unterwegs, haben vor Erschöpfung auf dem kalten Asphalt auf Bahnhöfen geschlafen, bis sie hier gelandet sind, erzählten sie den OVB-Heimatzeitungen. Eine Mutter steht mit ihrer sechsjährigen Tochter am Fenster und weint, sie musste ihren Mann und den Sohn im Teenageralter in der Ukraine zurücklassen, wie die meisten der Frauen.

Die Sprachbarriere ist das größte Problem berichtet Jutta Ries. Die Registrierung und die Formalitäten beim Landratsamt in Traunstein dauerten sieben Stunden inklusive Corona-Test und medizinischer Untersuchungen. Bei Familie Ries arbeitet eine Russin, die bei der Übersetzung große Hilfe leistet. Da der Hotelbetrieb ab April ausgebucht sei, kümmere sich der Landkreis um eine längerfristige Bleibe für die die zwanzig Flüchtlinge, berichtet Ries.

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Wolfgang Zintel aus Schleching bot dem Landratsamt nach Rücksprache mit seiner Vermieterin im Haus ein abgeschlossenes Apartment mit 28 Quadratmetern an. Denn Privatsphäre, so sagt, er sei wichtig. Nach einem Rückruf vom Landratsamt hat er eine 49-jährige Mutter mit ihrer 14-jährigen Tochter in Traunstein abgeholt. Seine Familie stellte die Erstausstattung, Essen und Hygieneartikel und was sonst noch benötigt wurde, zur Verfügung. Verständigt haben sich die zwei Familien über eine Übersetzungs-App mit dem Handy.

Mitarbeiter im Landratsamt „tun was sie können“

Auch die nötigen Formalitäten organisierte Wolfgang Zintel. Er lobt die Mitarbeiter im Landratsamt für ihre Freundlichkeit: „Sie tun, was sie können.“ Die Formulare besorgte er schon vorher und füllte sie zuhause mit der Ukrainischen Familie und einer Übersetzerin aus. Da die Frau aus der Ukraine arbeiten möchte, ist mit Hilfe von Zintel ein Probearbeiten in der Küche eines Schlechinger Gasthauses vereinbart worden.

Sinnvoll fände er auch die Gründung eines Helferkreises, um zum Beispiel Sprachunterricht und Treffen der Flüchtlinge untereinander zu organisieren. Dort könne ein hilfreicher Austausch stattfinden und vielleicht auch gegenseitiger seelischer Zuspruch.

Jutta Ries indes fände es nach eigener Aussage für sinnvoll, wenn Flüchtlinge in Städten aufgenommen würden, in denen es ein ÖPNV-Angebot gibt. Von staatlicher Seite könnten die Flüchtlinge in ganz Deutschland Busse und Bahnen kostenlos benutzen, sie müssen nur zum Schaffner gehen und ihren Flüchtlingsausweis zeigen. Sie sähe es als sinnvoll, wenn die Busfahrpläne an den Tafeln auch in russischer und ukrainischer Schrift angeschlagen würden. In Schleching sei die Taktung des ÖPNV leider sehr gering.

Betreuungsplätze im Waldorfkindergarten

Anthony Whitworth aus Schleching bot für Flüchtlinge eine Unterkunft über eine Plattform der Waldorfschulen an. Da aber zwei Familien anreisten, für die der Platz bei ihm zu klein gewesen wäre, brachte er sie bei Freunden in Ettenhausen unter. Für die beiden Kinder ist schon ein Platz in der Waldorfschule reserviert.

Die Gemeinde konnte noch eine Wohnung im Senioren-Wohnprojekt melden, die nun auch von der Ukrainerin Nina bezogen ist. Die Hoffnung von Ries, Zintel und Whitworth ruhen darauf, dass weiterer leer stehender Wohnraum zur Verfügung gestellt wird für geflohene Menschen aus der Ukraine, wie sie sagen. Als eine Möglichkeit sähen sie leer stehenden Zweitwohnungen an: „Bei der großen Not der Ukrainer und ihrer traumatisierten Bevölkerung wäre das sicher eine Überlegung wert.“

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