Gemeindeoberhaupt im Interview

Gibt es einen Ausflügler-Ansturm? - Das sagt Ruhpoldings Bürgermeister

Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU).
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Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU).

Ruhpolding ist ein beliebter Wintersportort. chiemgau24.de hat bei Bürgermeister Justus Pfeifer nachgefragt, ob seine Gemeinde derzeit einen Ansturm von Ausflüglern erlebt und wie er die aktuelle Lage einschätzt.

Ruhpolding/Südostoberbayern - Kürzlich sorgten Zustände am Schliersee und dem Spitzingsee für Schlagzeilen. Diese erlebten vor kurzem einen enormen Ansturm von Ausflüglern. Auf Nachfrage von chiemgau24.de berichtete Michael Holzner, stellvertretender Regionalleiter der Bergwacht Chiemgau, das Einsatzgeschehen halte sich noch in Grenzen für die Retter der Wacht.


Die Gemeinden der Region berichteten unterdessen gegenüber rosenheim24.de verschiedene Eindrücke der aktuellen Lage. „Die Berge sind offenbar für manche Leute mittlerweile eine riesengroße Fun-Arena! Leider!“, klagte der Bürgermeister von Aschau im Chiemgau, Simon Frank (Zukunft für Aschau). Auch von der Winklmoosalm wurde ein erheblicher Ausflügler-Ansturm berichtet, welcher bereits zur vorübergehenden Schließung des dortigen Parkplatzes führte. „Es sind für die momentan angespannte Infektionslage zu viele Tagestouristen!“, betonte auch  der Landrat des Berchtesgadener Landes Bernhard Kern (CSU).

Im Landkreis Traunstein gab es dagegen bislang, außer in Reit im Winkl, scheinbar wenig Probleme. Nun äußert sich auch Bürgermeister Justus Pfeifer (CSU) gegenüber chiemgau24.de zur aktuellen Lage.


chiemgau24.de: Sehen Sie die aktuelle Gestaltung der 15 Kilometer-Regel als anstehendes Problem, vor allem hinsichtlich der Akzeptanz für die Maßnahmen in der Bevölkerung?

Zunächst möchte ich betonen, wie wichtig und sinnvoll die beschlossenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie sind und wir als Gemeinde dies auch begrüßen. Natürlich ist es schwer vorauszusagen, wie sich die Situation im Landkreis Traunstein in den nächsten Tagen entwickeln wird, also ob die 15km-Regel auch bei uns kommen wird. Aufgrund der aktuellen Entwicklung des Inzidenzwertes sehe ich derzeit keine Gefahr, dass es so weit kommen wird. Brandherde mit akut hohen Ausbruchsfällen sind bisher in Ruhpolding noch nicht aufgetreten.

Sollte es tatsächlich zu einer 15 Km-Regel kommen, wird es sicherlich vereinzelt zu Unverständnis kommen. Aber ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Bürger auch diese harte Maßnahme wenigstens für eine befristete kurze Zeit relativ verständnisvoll akzeptieren wird. Im 15km-Radius von Ruhpolding, es zählt ja der Ortsrand und nicht die eigene Haustüre, ist immer noch genug zu unternehmen oder Besorgungen in Traunstein zu erledigen. Da kommt uns der Standortfaktor in einer wundervollen Gegend zu Gute – wir brauchen streng genommen gar nicht weit fahren, um zu den schönsten Flecken in der Natur zu gelangen.

Wie stellt sich allgemein aus Ihrer Sicht die Situation hinsichtlich auswärtiger Ausflügler dar: Ist sie genauso wie immer oder kommen ungewöhnlich viele Leute?

Natürlich waren die Ausflugziele in der Ferienzeit und an den Wochenenden höher frequentiert. Aber seit Ferienende und unter der Woche ist es zunehmend wieder ruhiger geworden. Und was viele vielleicht nicht bedenken: gäbe es den Lockdown und somit die Übernachtungsverbote nicht, würde in Ruhpolding gerade Hochkonjunktur herrschen und neben den Tagesausflüglern würden sich auch die Urlauber an den vielen schönen Plätzen tummeln. Vor diesem Hintergrund empfinde ich somit die Situation bezüglich Ansturm der Tagesausflügler nicht dramatischer als sonst. Das Sperren von vollen Wanderparkplätzen sehe ich kritisch, weil die meisten Autofahrer dann ihr Auto anderweitig abstellen würden und gegebenenfalls sogar noch Rettungswege blockieren könnten. Das löst eben keine Probleme, sondern schafft eher noch neue.

Wie ging es der Gemeinde bisher mit der Situation?

Alle bisherigen Maßnahmen zur Corona-Bekämpfung wurden ohne Probleme von den Bürgern umgesetzt und akzeptiert. Wie es sich entwickeln wird, wenn die Lage sich doch noch zuspitzen wird, bleibt abzuwarten. Ich denke, da geht es uns nicht anders wie allen anderen Gemeinden.

 Gibt es bereits Überlegungen, einem Ansturm während der 15 Km-Regelung in irgendeiner Form entgegen zu wirken?

Konkrete Überlegungen gibt es noch nicht, da wir bereits ohne die 15km-Regeln die Situation beherrschen konnten. Nichtsdestotrotz behalten wir das Geschehen aber natürlich tagesgenau im Blick und werden notfalls schnell handeln.

Ähnlich äußert sich auch das Landratsamt Traunstein auf Nachfrage von chiemgau24.de. „Wir haben die Lage ständig im Blick und werden bei einer Verschärfung der Situation beziehungsweise dem Inkraft-Treten der 15-Kilometer-Regel dann entsprechend reagieren“, erklärt Pressesprecher Michael Reithmeier.

hs

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