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Stefan H.s Geldnöte wurden im Prozess publik

Helfen oder abkassieren - worum ging‘s dem „falschen Rosenheimer Impfarzt“ wirklich?

Der „falsche Rosenheimer Impfarzt“, Stefan H., vor dem Landgericht Traunstein.
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Der „falsche Rosenheimer Impfarzt“, Stefan H., vor dem Landgericht Traunstein.

Er impfte reihenweise Menschen im Raum Rosenheim gegen das Coronavirus, obwohl er schwindelte und gar kein Arzt war. Warum tat er das? Aus Nächstenliebe, wie seine Verteidiger sagen? Oder weil der „falsche Impfarzt“ in purer Geldnot war, wie nun im Prozess bekannt wurde - denn der Job war bestens bezahlt.

Rosenheim/Traunstein - Er hatte ein minimales Einkommen, Mietrückstände und Schulden - als Stefan H. dann im Februar und März 2021 als Impfarzt in Rosenheim genommen wurde, könnte es sich für ihn wie ein finanzieller Befreiungsschlag angefühlt haben. Vor allem um die Finanzen des „falschen Impfarztes“ ging es im Prozess am Donnerstag (10. März) vor dem Traunsteiner Landgericht. Dass der Angeklagte reihenweise Menschen in Stadt und Landkreis Rosenheim impfte und nur wegen gefälschter Urkunden als Arzt tätig sein konnte, gab er bereits zu.

Prozess gegen „falschen Impfarzt“: Tat er es aus Geldnot?

Aber was trieb ihn an? Die Verteidiger von Stefan H. gaben an: Der 50-Jährige impfte nicht wegen des Geldes, sondern um für andere da zu sein. „Er hatte das Gefühl, dass er als Impfarzt aufblüht. Ihm ging es dabei gut, er fühlte sich gebraucht. Es löste ein Glücksgefühl in ihm aus.“ Was am Donnerstag vor Gericht bekannt wurde, lässt aber Zweifel daran aufkommen. Wohlgemerkt: Der Stundenlohn für einen Impfarzt beträgt 100 Euro, rund 20.000 Euro wären dem Mann aus dem Landkreis München zugestanden.

Zeugen der Kriminalpolizei sagten aus, dass Stefan H. monatlich gerade mal um die 250 Euro zum Leben hatte. Darüber hinaus plagten ihn Darlehensverpflichtungen und Mietrückstände seiner Praxis für Psychotherapie. Dem Impfzentrum in Karlsfeld im Landkreis Dachau, wo der Angeklagte ebenfalls kurz tätig war, bot er an, „immer“ arbeiten zu können, auch samstags und sonntags. „Meine Schlussfolgerung war, dass das einen finanziellen Hintergrund hat“, so ein Kripo-Beamter vor Gericht.

Stefan H. suchte wohl händeringend Arbeit

Bekannt wurde außerdem, dass Stefan H.s Praxis im Landkreis München schlecht lief und er auch schon bei Edeka an der Kasse oder bei IKEA als Verkäufer arbeitete. Der Angeklagte suchte wohl händeringend Jobs. Bei der Auswertung seines Laptops fanden die Ermittler allerlei Bewerbungsschreiben - als Oberaufseher der Archäologischen Staatssammlung in München, als „Allrounder“ bei einer Stiftung für gelähmte Kinder, als Bereichsleiter beim Roten Kreuz in Starnberg oder als Vermieter beim Wohnungskonzern Akelius. Auch bei zwei weiteren Impfzentren, unter anderem in München, bewarb sich der 50-Jährige.

Angeklagt ist der Mann wegen 1450 Fällen von Körperverletzung, Urkundenfälschung, gewerbsmäßigen Betrugs, Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis sowie Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Bei mindestens 306 Personen habe er die Spritze selbst gesetzt, sowohl im Impfzentrum, als auch in Heimen. Bei 1144 Personen habe er nur Leitung und Aufsicht inne gehabt. Mehrere seiner Assistenten wurden bereits skeptisch angesichts seiner Wissenslücken. Ein Arzt, der sich von Stefan H. impfen ließ, brachte den Stein dann ins Rollen. Der Prozess wird am 17. März fortgesetzt.

xe

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