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„Wir haben sogar Anfragen aus München“

Ansturm aufs Brennholz: Wird das begehrte Gut auch im Chiemgau knapp?

Kaminholz ist knapp
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Als Folge der gestiegenen Energiepreise und möglicher Gasknappheit ist Kaminholz kaum noch zu bekommen.

Lieber Holz statt Gas, das ist auch die Devise vieler Menschen in der Region. Nur gibt‘s eben auch kein Brennholz in Hülle und Fülle: So ist die Lage im Chiemgau.

Grassau/Ruhpolding – „Ich weiß nicht, womit sie heizen wollen. Atom wollen sie nicht, Gas wollen sie nicht. Wollen sie wieder mit Holz heizen?“ Ausgerechnet der russische Präsident Wladimir Putin hat diesen Satz 2010 anlässlich des deutschen Atomausstiegs gesagt. Und sollte recht damit behalten.

Angesichts der Gaskrise besinnen sich viele Deutsche auf Holz als Brennstoff. Auch im Chiemgau ist die Nachfrage nach dem Rohstoff enorm.

Keine Neukunden mehr aufnehmen

„Wir nehmen keine Neukunden mehr auf“, sagt Joachim Keßler, Leiter der Bayerischen Staatsforsten am Standort Ruhpolding. Die Nachfrage sei enorm. So hoch, dass man bereits für diese Saison ausverkauft sei. „Gerade unsere Stammkunden würden am liebsten das Doppelte kaufen“, so Keßler auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

„Wir haben sogar Anfragen aus München“, sagt Wolfgang Wimmer, Geschäftsleiter des Biomassehofs Achental. Sogar abholen würden es die Münchner. Aber in Grassau wolle man die lokalen Kunden bedienen. In der Regel haben die Anrufer dafür auch Verständnis, sagt Wimmer. Maximal zwei bis drei Ster Holz bekommen die Kunden: „Wir wollen nicht, dass sich ein Markt unter der Hand entwickelt oder jemand hortet.“

Kein Knatsch mit Österreich

Bei den Holzpellets sei die Nachfrage ebenfalls sehr hoch, und man nehme in Grassau noch Neukunden auf, sagt der Geschäftsleiter. Hier verfüge man über ein stabiles Lieferantennetzwerk. Hackschnitzel kommen meist von lokalen Lieferanten, beispielsweise von den Bayerischen Staatsforsten. Pellets beziehe man unter anderem aus Abtenau bei Salzburg, aus Niederbayern sowie aus dem Zillertal. Um den Gasspeicher, der zwar in Österreich liegt, aber nur Bayern versorgen soll, gab es schon Knatsch auf höchster politischer Ebene.

„Bei den Pellets ist das noch nicht der Fall. Auch weil viele der österreichischen Produzenten Standorte in Deutschland haben und als Global Player kein Interesse an nationalen Bedürfnissen haben“, sagt Wimmer. Zumal man sehr gute Beziehungen zu den Lieferanten pflege.

Immer mehr Öfen

Die Preise steigen beim Holz und bei den Pellets wie bei allen Energierohstoffen. Um 31,6 Prozent haben sich laut Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe des Freistaats Bayern die Preise für ofenfertige Buchenscheite mit 33 cm im ersten Halbjahr erhöht. Bei Fichtenscheiten derselben Länge sind es 22,3 Prozent. Der Preis lag für 33 Zentimeter Hartholz im Juli bei 136,35 Euro pro Ster.

Die Nachfrage werde zudem befeuert, weil viele Menschen von Gas und Öl wegkommen wollen. „Bei uns haben viele Leute in der Gegend einen Kachel- oder Stückgutofen“, sagt Wimmer. Er stelle fest, dass diese nun deutlich stärker genutzt würden. Wimmer weiß aus Gesprächen mit anderen Unternehmen, dass sich viele Menschen auch neue Öfen gekauft haben.

„Wir versuchen, die Preise auf Vorkrisenniveau zu halten“, sagt Wimmer auf die Frage, ob der Biomassehof von der Nachfrage profitiere. Man wolle die Situation nicht ausnutzen und setze auf Fairness, wobei es schon „ziemliche Auffälligkeiten“ am Markt gebe. Die Liefersicherheit sei derzeit das wichtigste Kriterium, so Wimmer.

Im Prinzip gebe es ja genügend Holz auf dem Markt. „Nur haben wir ein Verteilungsproblem über einen gewissen Zeitabschnitt“, sagt er. Das könne sich aber auch ändern, etwa wenn der Winter mild verlaufe oder die fossilen Ressourcen wider Erwarten doch ausreichten.

Extrem schwer zu planen

„Das kann dann auch dazu führen, dass wir im kommenden Jahr eine umgekehrte Situation haben“, meint Wimmer. Schwierig zu planen sei das. Er versuche hier, einen Weg zwischen Lieferanten und, teils unzufriedenen, Kunden zu finden.

Medienberichten zufolge soll es auch schon zu Brennholzdiebstählen in Deutschland gekommen sein. Bei der Polizei Grassau sind jedoch in jüngster Vergangenheit noch keine Brennholzdiebstähle angezeigt worden, wie die OVB-Heimatzeitungen auf Anfrage erfuhren.

Ebenso gibt es Berichte über Betrüger im Internet, die den Hype ums Holz ausnutzen. „Ich sehe den Interneteinkauf ohnehin kritisch, weil er viele Branchen sehr stark verändert“, findet Wimmer. Nicht immer auf eine gute Weise: „Beim Holzhandel muss man sich schon fragen, ob das in Hinblick auf die Klimabilanz so sinnvoll ist, wenn das Holz aus Kasachstan kommt und bei uns verheizt wird.“

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