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Reaktionen aus Praxen und der Pflege

Debatte um Impfpflicht: Droht eine Versorgungslücke im Achental?

In der Pflege fürchten viele Institutionen einen enormen Mangel an Fachkräften, sollte die Impfpflicht umgesetzt werden.
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In der Pflege fürchten viele Institutionen einen enormen Mangel an Fachkräften, sollte die Impfpflicht umgesetzt werden.

Kaum etwas polarisiert so stark wie die Impfpflicht. Auch im Achental. Das sagen Arztpraxen und Pflegeheime zur Diskussion.

Achental – Dass Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Alleingänge mag, ist kein Geheimnis. Das hat er in zwei Jahren Corona-Pandemie schon öfter bewiesen. In der Debatte um die Impfpflicht für Mitarbeiter im Gesundheitssektor hat er wieder eine Kehrtwende hingelegt. Eigentlich sollte sie am 16. März in Kraft treten, so wie von Bundestag und Bundesrat beschlossen. Söder will mit der Pflege-Impfpflicht „großzügigst“ vorgehen, „was de facto zunächst einmal auf ein Aussetzen des Vollzugs hinausläuft“, sagte er am 7. Februar in München.

Für wie lange, ist nicht bekannt. Grund dafür sei unter anderem, dass es viele offene Fragen zur Durchsetzung der Pflicht gibt. In einem BR-Interview ein paar Tage nach Söders Aussage bekannte sich Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zur Teil-Impfpflicht und sagte, dass sich die Einführung nur um ein paar Wochen verspäten würde.

Rund die Hälfte ungeimpft

Einer, der mit Spannung auf die Debatte blickt, ist Zahnarzt Dr. Florian Detsch aus Schleching. Dass er gegen eine einrichtungsbezogene Impfpflicht ist, sagt er gleich. Und dass Söder sie erst einmal ausgesetzt hat, findet er gut. Er sorgt sich um seine Praxis. Rund die Hälfte seiner 18 Mitarbeiter, darunter auch Büropersonal und Reinigungskräfte, sei ungeimpft. „Einige von denen haben mir klar gesagt, dass sie aufhören, wenn die Impfpflicht kommt“, sagt er. „Da wird mir Angst und bange.“ Personal sei schwierig zu finden. Und mit einigen seiner Mitarbeiter arbeite er teilweise schon seit 20 Jahren zusammen, viele Abläufe sind eingespielt. Außerdem findet er, dass man es „am Ende jedem selbst überlassen sollte, ob man sich impfen lässt oder nicht.“

Dr. Sabine Gräfin von Silva-Tarouca vom Hausarztzentrum Übersee hat in ihrer Praxis nach eigenen Angaben keine Probleme mit ungeimpftem Personal. Alle 14 Mitarbeiter hätten das Vakzin bereits mehrfach erhalten. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht will sie pauschal nicht kommentieren. „Das ist eine politische Entscheidung“, sagt sie. Ob es viele Menschen im Pflegebereich gibt, die sich nicht impfen lassen wollen, könne sie nicht einschätzen. Doch wenn ja, könne das in Verbindung mit der Impfpflicht zu einem Versorgungsproblem führen. Sie betont, dass im Gesundheitswesen jeder geimpft sein sollte. „In dem, was wir tun, sind wir Vorbilder für andere. Jeder sollte daran denken, welche Verantwortung wir tragen.“

Rar sind Arbeitskräfte nicht nur im Gesundheitswesen, sondern gerade auch bei der Betreuung von alten Menschen. Erst im März hatte das Anthojo Seniorenzentrum in Grassau eröffnet. Marina Egart ist dort Einrichtungsleiterin und befürchtet keinen Notstand, sollte eine Impfpflicht tatsächlich umgesetzt werden.

„Ein Großteil unserer Mitarbeiter ist geimpft, nur in ganz wenigen Ausnahmefällen ist das nicht so“, sagt Egart. Insgesamt arbeiten 100 Menschen im Seniorenzentrum. Sich zu positionieren, fällt Egart nicht leicht.

„Ein ganz schwieriges Thema“

„Ich find das ein ganz schwieriges Thema“, sagt die Leiterin. Dennoch aber will sie keinem ungeimpften Mitarbeiter kündigen, sollte es so weit kommen: „Das liegt in Hand der Regierung. Den Schuh ziehen wir uns nicht an.“ Derzeit sei ihr Kenntnisstand, dass Ungeimpfte vom Gesundheitsamt ein Beschäftigungsverbot bekommen. „Aber ganz genau wissen wir es nicht“, sagt Egart. Schon jetzt müsse sie Listen einreichen über den Impfstatus, jedoch ohne Namensangabe.

Wie heikel die Impfpflicht in der Branche gesehen wird, zeigt sich auch daran, dass viele Betriebe keine Stellung beziehen möchten. „Sie werden Verständnis haben, wenn wir uns an der Diskussion in diesem äußerst wichtigen, aber sensiblen Thema nicht nach außen beteiligen, sondern diese intern halten wollen“, heißt es aus dem Marienstift in Marquartstein. Auch einige andere Pflegeheime im Achental wollten sich auf Anfrage nicht äußern.

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