„Risiken von AstraZeneca vernachlässigbar“

Patricia B. aus Waldkraiburg: „Darum ließ ich mich freiwillig mit AstraZeneca gegen Covid impfen“

Patricia Büchner ließ sich mit AstraZeneca impfen.
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Patricia Büchner ließ sich mit AstraZeneca impfen.

Vergangene Woche wurden bei den offenen Impftagen im Landkreis Mühldorf knapp 5.500 Personen mit dem Vakzin von AstraZeneca geimpft. Darunter auch Patricia Büchner aus Waldkraiburg. Die 32-Jährige sprach mit innsalzach24.de über ihre Erfahrung mit dem Arzneimittel und warum sie sich trotz Risiken dazu entschied.

Das Vakzin AstraZeneca hat in Deutschland seinen Ruf wohl weg. Mehrmals wechselnde Altersbegrenzungen und Nebenwirkungen sorgen in der Bevölkerung für Verunsicherung. Mehrfach erlitten Menschen nach der Impfung Hirnvenenthrombosen und verstarben. Gerade junge Frauen seien dabei überdurchschnittlich oft betroffen, hieß es. Kein Wunder vielleicht, dass viele dem Arzneimittel skeptisch gegenüber stehen.

Die EU-Arzneimittelbehörde EMA empfahl das Vakzin nach gründlicher Untersuchung uneingeschränkt einzusetzen, die STIKO (Ständige Impfkommission) empfiehlt jedoch Impfungen mit AstraZeneca nur für Personen ab 60 Jahren.

Um dennoch die Impfkampagne voranzutreiben, veranstaltete der Landkreis Mühldorf offene Impftage, bei denen willige Bürger mit dem Vakzin immunisieren lassen konnten, die ansonsten noch nicht an der Reihe wären. Wegen der hohen Inzidenzzahl des Landkreises hatte er zusätzliche Dosen AstraZeneca bekommen. 5.500 Personen nahmen das Angebot vergangene Woche an - darunter auch Informatikerin Patricia Büchner (32) aus Waldkraiburg.

Dass es das Angebot des Landkreises überhaupt gibt, hat sie durch einen Artikel auf innsalzach24.de erfahren, berichtet sie im Gespräch mit der Redaktion. „Meine Mutter hat den Artikel fleißig in allen Whatsapp-Gruppen herum geschickt, um uns darauf aufmerksam zu machen“, erinnert sie sich.

So lief die Impfung in Waldkraiburg

Sie und ihr Mann seien bereits seit Januar über das bayerische Impfportal angemeldet, haben bisher aber noch keine Neuigkeiten von dieser Seite bekommen. Also seien sie kurzerhand am Freitag nach Waldkraiburg in die Eissporthalle gefahren, eigentlich um zunächst ihren Mann impfen zu lassen, denn Büchner sei in der Altersgruppe, die erst Samstag dran sein sollte.

„Weil ich schon mal da war, haben sie mich gleich auch am Freitag drangenommen“, berichtet sie. Es sei recht viel Betrieb gewesen, sie habe etwa eine Stunde auf die Immunisierung gewartet. Direkt bei der Ankunft habe man ihr eine Nummer zugeteilt und sie einen Anamnesebogen mit erster Risikobewertung ausfüllen lassen. Darin seien mögliche vergangene Covid-Erkrankungen und Ähnliches abgefragt worden.

„Dann hieß es erst mal warten und anschließend wurde dann noch eine Risikobesprechung mit der impfenden Ärztin geführt“, erinnert sich Büchner. Diese habe noch einmal explizit darauf hingewiesen, dass Sinusvenenthrombosen zu den möglichen Nebenwirkungen von AstraZeneca gehören und man sich 14 Tage lang bei starken Kopfschmerzen schnell an einen Arzt wenden soll.

Nach der Impfung mussten Büchner und ihr Mann nochmal 15 Minuten unter Beobachtung warten, um sicher zu gehen, dass die Impfung vertragen wurde, dann durften sie nach Hause.

„Ich möchte wieder ein normales Leben haben“

Nebenwirkungen haben sie schon gespürt, Büchner selbst bekam in der Nacht leichte Temperatur und habe schlecht schlafen können, ihr Mann habe am Folgetag leichte Kopfschmerzen und Kreislaufbeschwerden gehabt. Das sei aber schnell wieder vergangen.

Auf die Frage, warum sie das Angebot des Landkreises trotz des kontroversen Rufs des Arzneimittels angenommen habe, reagiert sie gelassen. „Ich finde, die Risiken sind so vernachlässigbar im Vergleich zu dem, was dir passieren kann, wenn du Covid bekommst. Daher dachte ich mir ‚Scheiß drauf‘.“

Wann sie mit einem anderen Impfstoff versorgt werden hätte können, sei nicht absehbar gewesen, da sie keiner Risikogruppe angehöre. „Ich möchte auch irgendwann wieder ein normales Leben haben, die Impfung sehe ich als Weg dahin. Das war einer der Hauptgründe. Ich möchte irgendwann wieder ohne Schnelltest einkaufen gehen können und solche Dinge.“ Die Antibabypille habe auch ein hohes Thromboserisiko und dennoch nehmen viele sie. „Das ist einfach eine Risikoabwägung. Bei uns daheim ist niemand vorerkrankt oder hat ein Thromboserisiko. Ich denke eher gewinnen wir im Lotto, als dass da was schief geht“, scherzt sie.

„Die Leute sollen sich impfen lassen“

Ein wenig mulmig sei ihr dennoch gewesen bei der Impfung. „Ein bisschen macht man sich natürlich trotzdem Sorgen. Ich habe schon im Hinterkopf, dass ich aufpassen muss, wie es mir die nächsten zwei Wochen geht. Wenn ich sehr starke Kopfschmerzen bekomme, werde ich das vorsichtshalber abklären lassen.“

Einen Termin für die zweite Impfung habe sie auch schon bekommen, freut Büchner sich - genau zwölf Wochen nach der ersten. „Ehrlich: Meiner Meinung nach sollten die Leute sich nicht so anstellen und sich impfen lassen. Zu dem Thema gibt es viele Meinungen, auch unqualifizierte. Die muss man ausfiltern lernen“, betont sie abschließend.

jv

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