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Telekommunikationsunternehmen in der Region

Ex-Mitarbeiter packt über üble Praktiken aus: „Dann läuft der Vertrag halt auf den Kater der Familie“

Ein Ex-Mitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmen berichtet gegenüber innsalzach24.de von teils haarsträubenden Praktiken bei Haustürgeschäften. (Symbolbild)
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Ein Ex-Mitarbeiter eines großen Telekommunikationsunternehmen berichtet gegenüber innsalzach24.de von teils haarsträubenden Praktiken bei Haustürgeschäften. (Symbolbild)

Er war unter anderem in den Landkreisen Passau, Landshut, Mühldorf und Traunstein tätig und erlebte dabei eine Reihe übler Geschäftspraktiken bei einem großen Telekommunikationsunternehmen mit. Nun berichtet ein Ex-Mitarbeiter gegenüber innsalzach24.de und hofft, so Leute vor diesen Methoden warnen zu können.

Landkreise Mühldorf/Traunstein - “Wenn die Leute schon Bestandskunden sind oder einen Schufa-Eintrag haben, wird halt getrickst. Man fragt ganz beiläufig nach dem Namen des Partners, der Kinder, zur Not eines Haustiers. Dann läuft der Vertrag zur Not halt auf ‘Felix Müller’ und das ist in Wirklichkeit der Kater der Familie“, berichtet Markus Schmidt* gegenüber innsalzach24.de. „Manche Familien haben auf die Art, ohne es zu wissen, acht bis neun Verträge auf sich laufen und zahlen hunderte von Euro im Monat. Und weil man die Papiere ja eingesteckt hat, können sie auch nicht nachweisen, diesen Vertrag abgeschlossen zu haben. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Karteileichen es durch diese Masche gibt.” Ein Vertrag, der auf eine Katze abgeschlossen wird? „Uns ist ein derartiger Fall bekannt“, kommentiert Simone Bueb, Referentin für Verbraucherrecht bei der Verbraucherzentrale Bayern e.V..

Ex-Mitarbeiter packt aus: Üble Praktiken von Telekommunikationsunternehmen auch in Landkreisen Mühldorf und Traunstein

Markus Schmidt* war mehrere Jahre für ein Subunternehmen eines großen Telekommunikationsunternehmens in der Region tätig. „Aber ich konnte das irgendwann nicht mehr aushalten. Nun hoffe ich, dass Leute vor solchen Maschen gewarnt werden können“ Er selbst habe der Branche den Rücken gekehrt. „Ich war überall in der Region unterwegs, unter anderem den Landkreisen Passau, Landshut, Mühldorf und Traunstein“, berichtet er. Auf seine Bitte bleibt er anonym und innsalzach24.de nennt auch seinen Namen nicht. Der Redaktion liegen Nachweise für seine Tätigkeit bei einem großen Unternehmen der Branche vor. Seine Aussagen werden zudem von der Verbraucherzentrale Bayern als plausibel eingeschätzt. „Tatsächlich gibt es seit Beginn der Corona-Pandemie immer mehr Beschwerden von Verbrauchern, die von Mitarbeitern unterschiedlicher Telekommunikationsunternehmen zuhause aufgesucht werden. Diese Geschäftspraktiken sind uns daher bekannt“, so Verbraucherrechts-Referentin Simone Bueb.

„Als Mitarbeiter gerade eines solchen Subunternehmens, wie dem bei ich tätig war arbeitet man auf Provision, das heißt, je mehr Verträge man abschließt desto besser. Das führt leider teilweise zu sehr unmoralischem Verhalten“, so Schmidt weiter. “Die besten Ziele sind Wohnblöcke. Ein- oder Mehrfamilienhäuser kann man vergessen, da sind die Leute meistens zu misstrauisch. Gleichzeitig sind dort die Chancen am höchsten, auf sozial schwache Menschen zu treffen die auch kein ausgeprägtes Bewusstsein für solche Maschen haben.“ Weiterhin entscheidend für die Auswahl sei, ob das Gebäude bereits am Glasfasernetz angeschlossen ist. „Denn ein Glasfaser-Abschluss bringt die meiste Provision. Man fragt die Bewohner dann, ob sie schon einen solchen Anschluss haben. Die meisten wissen das ja dann gar nicht und verneinen. Also verkauft man ihnen das dann.“

Verbraucherzentrale rät dringend zur Vorsicht

„In manchen Fällen sagt man einfach: ‘Ihr Vermieter hat mich beauftragt, das ganze Haus ist schon an unserem Netz und wir müssen jetzt noch ihren Anschluss anpassen.’ Auch wenn das komplett erlogen ist. Oder man schnallt sich einen Werkzeuggürtel um, erweckt den Anschein man wäre ein Servicetechniker und bräuchte dann am Schluss noch eine Unterschrift“, so Schmidt. „Uns wird oft auch geschildert, dass die Mitarbeiter der Telekommunikationsunternehmen erklären, sie müssten in die Wohnung, da eine Störung beim Internetanschluss vorliege. Danach wird den Verbrauchern gerne ein Vertrag für ein „schnelleres Internet“ angeboten und einige unterschreiben diese Verträge vor Ort“, bestätigt auch Simone Bueb von der Verbraucherzentrale.

“Wenn der neue Vertrag abgeschlossen ist, ermahnt man die Leute, sie sollen auf keinen Fall das Paket mit dem neuen Router und so weiter öffnen, bevor man nicht wieder vorbeigeschaut hat. Beim neuen Termin bittet man dann um ein Glas Wasser oder etwas ähnliches, um die Leute aus dem Raum zu bekommen. Während sie dann abgelenkt sind, schnappt man sich die Vertragsunterlagen. Damit haben sie keinerlei Beleg dafür, was sie gerade abgeschlossen haben“, so Schmidt abschließend. “In das Paket packt man möglichst noch etwas mit rein, was die Leute ursprünglich gar nicht bestellt haben. Eine Prepaidkarte, eine TV-Box und so weiter. So holt man das Maximum an Provision raus.” Die Verbraucherzentrale rate immer wieder, niemanden in die Wohnung zu lassen, es sei denn, man habe selbst den Termin vereinbart, mahnt wiederum Bueb. „Auf keinen Fall sollten Unterschriften getätigt werden. Erhalten Verbraucher Informationen zu einem neu abgeschlossenen Vertrag, ist es ratsam zuerst zu prüfen, ob dieser tatsächlich abgeschlossen wurde. Im Zweifel kann dem Vertragsschluss widersprochen werden. Vorsorglich haben Verbraucher die Möglichkeit, innerhalb von 14 Tagen einen Widerruf zu erklären. So können Betroffene verhindern, dass sie an einen ungewollten Vertrag gebunden werden.“

hs

*Name von der Redaktion geändert.

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