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Helfen liegt ihm im Blut

Seit 50 Jahren bei der Feuerwehr Waldkraiburg aktiv: Warum Peter Höll bei der Stange bleibt, wo andere aufhören

Seit einem halben Jahrhundert im Einsatz: Feuerwehrmann Peter Höll blickt auf 50 Jahre Dienstzeit zurück.
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Seit einem halben Jahrhundert im Einsatz: Feuerwehrmann Peter Höll blickt auf 50 Jahre Dienstzeit zurück.

Der Waldkraiburger Peter Höll ist seit einem halben Jahrhundert Feuerwehrmann. Was ihn prägte, wen er prägte und was ihn an dem Ehrenamt fasziniert.

Waldkraiburg – Wie sieht wohl das Wohnzimmer eines Mannes aus, der seit einem halben Jahrhundert für die Feuerwehr lebt? Ist es voller Wimpel, Urkunden und Fotos? Nicht so bei Peter Höll (64). Er ist seit 50 Jahren bei der Waldkraiburger Freiwilligen Feuerwehr ehrenamtlich im Einsatz und hat in dieser Zeit auch seine ganze Familie mit dem Feuerwehr-Fieber angesteckt. Dennoch: Bei Peter Höll finden sich im Wohnzimmer nur ein paar Urkunden – in der Schrankwand, etwas versteckt hinter anderen Andenken.

„Die Feuerwehr hat halt vor 50 Jahren angefangen“, sagt Höll lapidar. Freunde brachten ihn mit 13 zur Jugendfeuerwehr. Er blieb dabei, auch weil es mit 16 mit dem Jagdschein, seiner zweiten Passion, nicht gleich klappte. „Alle anderen sind nicht mehr da.“

„Nach dem ersten Jugendleistungsabzeichen ist es halt so weiter gegangen.“ Es folgten weitere Leistungsabzeichen, Ausbildungen, Lehrgänge und unzählige Einsätze. Heute ist er Brandmeister und in Waldkraiburg der ältestes Aktive.

Faszination Helfen und Technik

Was fasziniert ihn an der Feuerwehr? „Das Helfen und die Technik.“ Höll ist ein Mann der Tat, der Technik und des Handwerks. Mit 21 Jahren folgte der Führerschein, „weil immer hinten drin sitzen, war nichts.“ Und immer wieder Lehrgänge. „Du musst halt dabei bleiben.“ Gerade die Technik hat sich enorm gewandelt.

Hier habe der heutige Nachwuchs Probleme. „Den Jungs und Mädchen fehlt das handwerkliche Wissen.“ Feuerwehr ist ja nicht nur Löschen, Ölspur kehren, Verkehr regeln und Katzen retten. Ein Feuerwehrler muss auch mal ein Fenster verschalen.

Einmal wollte er mit dem Nachwuchs Nistkästen bauen. „Ich bin fast verzweifelt. Da waren gestandene Jungs, und die fragten, wie muss ich die Säge nehmen. Mit dem Tablet oder Handy kann ich keinen Hammer oder Akkuschrauber bedienen.“

Die ganze Spannbreite: Leben retten und Tote bergen

In 50 Jahren hat Höll einiges erlebt. Doch auf die Frage nach den Höhepunkten überlegt er lange. „Die Toten haben sich eingebrannt. Aber nie so, dass ich nicht mehr schlafen konnte.“ Erst am Ende des Gesprächs erzählt er – auf sanften Druck seiner Frau Elisabeth – wie er einmal einem Arbeiter bei der EMG das Leben gerettet hat. Von selber hätte er das wohl nicht erwähnt.

„Am besten gefallen haben mir die Zeltlager und die Kameradschaft.“ Schnaitsee, Straubing, Ebinger Insel, Oberneukirchen, Slowenien – da gab es noch keine Dixie-Klos und keinen Komfort. „Einmal hat es drei Tage lang geregnet, und wir mussten um die Zelte Gräben ziehen. Aber es war immer wieder schön.“

Ohne Frau und Familie wäre es nicht gegangen

Die Begeisterung für das Helfen ist ein Baustein für seine lange Dienstzeit. Der andere ist seine Ehefrau Elisabeth (61): „Als die Kinder klein waren, war ich fast alleinerziehend. Es sind viele Abende drauf gegangen und nicht nur einer. Aber mei, das war halt so. Ich habe das mitgetragen.“

Später rutschte auch sie, als die beiden Kinder zur Jugendfeuerwehr kamen, in den aktiven Dienst und ist seit 19 Jahren dabei. „Rückblickend hätte ich noch früher anfangen sollen. Einfach die Möglichkeit zu haben, zu helfen und handwerklich nicht ganz unbeleckt dazustehen, mir selber helfen zu können.“

Auch der Sohn und die Tochter sind nach wie vor bei der Feuerwehr aktiv. „Das ist mein besonderer Stolz.“ Der Enkel habe auch schon sein Kinder-Feuerwehrauto. „Das wird auch einer“, freut sich der Opa.

Eine Brandschutztür war der Eisbrecher

Eine Brandschutztür hat – wie könnte es anders sein – Elisabeth und Peter Höll vor 44 Jahren zusammengeführt. Bei einer Kellerparty stand plötzlich die Frage im Raum: „In welche Richtung geht eine Brandschutztür auf?“ Durch die Diskussion lernten sie sich kennen und sind seit 39 Jahren verheiratet. Elisabeth Höll: „Wir sind eine ganz normale Familie.“ Ein Familie, die ihr Motto lebt: „Es muss einer dem anderen helfen.“

Im August geht Peter Höll in Rente. Nächstes Jahr wird er 65. Dann ist auch bei der Feuerwehr Schluss. Fällt der Abschied schwer? „Man geht automatisch zurück. Die spitzen Hörnderl sind ja auch schon stumpf.“ Und langweilig wird es ihm auch so nicht. Neben Familie und Haus hat er noch seinen Hund und die eigene Jagd.

Würde er heute wieder zur Feuerwehr gehen? Die Antwort kommt sofort: „Ja. Auf jeden Fall.“