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Trinkwasser schützen

Sorge um Pollinger Tiefenwasser: Hitzige Diskussion im Rat zur geplanten Abfüllung in Weiding

Ein Bild von einer Produktionsschiene im Werk Weiding. Inzwischen hat sich das Produkt-Portfolio von Innfood geändert, man will Mineralwasser abfüllen. Der Pollinger Gemeinderat verfolgt diese Planungen mit Skepsis.
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Ein Bild von einer Produktionsschiene im Werk Weiding. Inzwischen hat sich das Produkt-Portfolio von Innfood geändert, man will Mineralwasser abfüllen. Der Pollinger Gemeinderat verfolgt diese Planungen mit Skepsis.

„Recycelte Materialien“, „energieautark“, „Kreislaufwirtschaft“ oder „CO2-Einsparung“ – es sind starke Begriffe, die die Firma Innfood verwendet, um für die nachhaltige Entwicklung des Standorts in Weiding zu werben. Doch es besteht Skepsis im Gemeinderat.

Polling – In Weiding will das Unternehmen Innfood zukünftig bis zu 600.000 Kubikmeter Wasser pro Jahr in PET-Flaschen abfüllen und regional vermarkten. Die Pläne dazu stellte die Marketing-Chefin des Familienunternehmens, Anna Katharina Jostock in der Sitzung des Pollinger Gemeinderates am Donnerstag vor. Dieser sollte nach einer kontroversen Diskussion über die Änderung des Flächennutzungsplanes und des Bebauungsplanes in Weiding abstimmen, wo die Abfüllanlage entstehen soll.

Konkret handelt es sich um ein knapp 15.000 Quadratmeter großes Areal im Werk Weiding, das ursprünglich für die Erweiterung der Kläranlage gedacht war. Die Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplanes würde die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit alternativ die Abfüllung errichtet werden kann. Aus Sicht von Bürgermeister Lorenz Kronberger (UWG) stehe dieser Änderung nichts im Wege. „Wir können in einem Industriegebiet keinen Industriebetrieb verbieten.“

1,6 Millionen Kubikmeter pro Jahr im gesamten Werk

Auf die Frage nach der Menge des gebrauchten Grundwassers erklärte der Geschäftsführer von Innfood, Christian Sommer, dass die genehmigten Kontingente nicht überschritten würden. Im gesamten Werk dürften gegenwärtig 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr aus den bestehenden Brunnen gefördert werden. Davon würden maximal 600.000 Kubikmeter pro Jahr abgefüllt. „Diese Menge ist gedeckelt“, betonte Sommer. Die freien Kapazitäten hätten sich ergeben, weil durch den Einsatz moderner Maschinen und ökonomische Prozesse die Wasserverluste niedriger seien als früher. Außerdem habe sich das Produktportfolio verändert, wie Marketingleiterin Anna Katharina Jostock ergänzte. Beispielsweise würden keine Fruchtsäfte mehr produziert.

+++ Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Josef Enzinger +++

Nachhaltigkeit und regionale Vermarktung

Beide Innfood-Vetreter betonten die Nachhaltigkeit und die regionale Vermarktung, die auch CO2 einspare. „Es ist doch besser, regionales Wasser zu trinken, als teures Wasser aus den Vogesen herzuschaffen!“

Digitales Monitoring für optimale Kontrolle

Gegen die Sorgen, dass sich der Pegel des Tiefenwassers eklatant absenken könnte, argumentiert Innfood mit dem Versprechen, ein digitales Monitoringsystem zu entwickeln, womit die zuständigen Behörden den Pegelstand permanent überprüfen könnten. Das Familienunternehmen sichert volle Transparenz zu.

Vorher hatten Gemeinderatsmitglieder ihre Bedenken geäußert. Sie sorgten sich in einem gut besuchten Sitzungssaal um ihr Tiefenwasser und um drohende Wasserknappheit. Grünen-Rätin Lena Koch etwa hatte was dagegen, dass Tiefenwasser aus der Eiszeit zum Spottpreis verkauft würde, und das in einer Zeit, in der immer mehr die Rede von Wasserknappheit die Rede sei. „Die Menschen wollen wissen was mit ihrem Wasser passiert und nicht ihr Wasser, abgefüllt in PET-Flaschen verschenken!“ Ihre größte Sorge: Die Nachbildungsrate des Tiefenwassers könne niemand garantieren.

Es werden die Bestandsbrunnen gezapft

Kronberger erklärte darauf, dass ja keine neuen Brunnen gebaut würden. Er verwies auf den Landesentwicklungsplan, in welchem klar definiert sei, dass Tiefenwasser für die Herstellung von Mineralwasser benutzt werden dürfe. Dass die Förderung nachhaltig sei, in diesem Punkt vertraue er auf die Behörden. Die Firma sei im Hinblick auf die Millionen-Investitionen nicht erpicht darauf, sich selbst das Wasser abzugraben.

Wasser wird für die Lebensmittelproduktion verwendet

Willi Skudlik (FW) stellte dennoch die Frage: Was passiert, wenn das Wasser knapp werden sollte? Was wird dann abgedreht? Das Wasser für die Gemeinde oder das industrielle?“ Eine Antwort gab es nicht. Außer, dass die Behörden dann entsprechend frühzeitig reagieren würden.

Alfred Wagner (CSU) jedoch vertraute auf das angekündigte Monitoring, verwies darauf, dass das Wasser für die Lebensmittelproduktion verwendet wird und nicht wie im Nachbarlandkreis allgemein der Industrie zur Verfügung stehe.

Mooshuber spricht von „Ausbeutung von Bodenschätzen“

Stefan Mooshuber (CSU) sprach von einer „Ausbeutung von Bodenschätzen“, wenn man der Abfüllung von Tiefenwasser seinen Segen gebe. „Wenn wir die Nutzungsänderung zulassen, haben wir darauf keinen Zugriff mehr!“ Er verwies auf Erfahrungen beim Genehmigungsprozedere bezüglich der Gewächshäuser im Gemeindegebiet. „Das ist ein schlechtes Geschäft für die Gemeinde, wir sollten die Zustimmung ablehnen“, forderte er seine Ratsmitglieder auf.

50 neue Arbeitslätze interessieren nicht

Dem Argument, dass die Neuausrichtung des Unternehmens ab 2024 circa 50 neue Arbeitsplätze entstehen ließe, hielt Gemeinderat Thomas Jobst (CSU) entgegen: „Wir haben im Landkreis eine Arbeitslosenquote von unter drei Prozent. Es herrscht Vollbeschäftigung.“ Er forderte stattdessen, dass frei gewordene Tiefenwasserkapazitäten der Reserve zugeführt werden sollten.

Es geht um 15.000 Quadratmeter

Zweiter Bürgermeister Andreas Mayerhofer (CSU) jedoch war ebenso wie Barbara Kronberger (UWG) und Stephan Lang (FW) vom Konzept von Innfood überzeugt. Er verwies darauf, dass am Standort Weiding vor 30 Jahren nahezu doppelt so viel Wasser aus den Brunnen abgeschöpft worden sei. Zwischenzeitlich seien Wasserrechte an die Gemeinde zurückgegeben worden. Ihm sei klar, dass Unternehmen Geld verdienen müssten, „dann geht es aber auch den Mitarbeitern gut“ so Mayerhofer. Viele hätten sich vor der Wahl auf die Fahnen geschrieben, Arbeitsplätze zu schaffen und Familien einen Existenzaufbau zu ermöglichen. Nachhaltige Investitionen in den Standort Weiding sieht er dafür als einen Eckpfeiler.

Landratsamt kann Einvernehmen grundsätzlich ersetzen

Am Ende kam es zur Kampfabstimmung über einen Tagesordnungspunkt, bei dem letztlich nicht die Gemeinde Genehmigungsbehörde ist, sondern das Landratsamt das letzte Wort unabhängig von der Stellungnahme der Gemeinde hat. Die Änderung des Flächennutzungs- und des Bebauungsplanes wurde mit 8:6 Stimmen abgesegnet. Ein verärgerter Besucher quittierte dies beim Verlassen des Sitzungssaales kopfschüttelnd und mit der Bemerkung: „Sauhaufen!“