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Nächster Meilenstein für Geothermie-Projekt

Wärme aus der Tiefe: Wird in Polling schon bald mit Bohrungen begonnen?

Die Siedlung in der Richard Strauss Straße im Osten Pollings entstand in den 1990er-Jahren. Hier haben manche Häuser noch die erste Ölheizung. Die Geothermie wäre hier für viele Haushalte eine willkommene Alternative.
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Die Siedlung in der Richard Strauss Straße im Osten Pollings entstand in den 1990er-Jahren. Hier haben manche Häuser noch die erste Ölheizung. Die Geothermie wäre hier für viele Haushalte eine willkommene Alternative.

Es wird ernst beim Geothermie-Projekt in Polling: Die Erdwärme Inn GmbH hat beim Bergamt Südbayern die Zulassung des Hauptbetriebsplans beantragt. Auf die Entscheidungen warten auch die Einwohner und Firmen aus Tüßling und Mühldorf.

Polling/Tüßling – Die Erdwärme Inn GmbH hat den Antrag auf Zulassung des Hauptbetriebsplans gestellt. Er beinhaltet zahlreiche Gutachten, die darlegen, wie Mensch und Natur während der Bohrungen bestmöglich geschützt werden. Wenn das zuständige Bergamt Südbayern grünes Licht gibt, können die Bohrungen nördlich von Polling starten. „Geothermie-Projekt in Polling erreicht nächsten Meilenstein“, lässt das Unternehmen nun in einer Pressemitteilung wissen.

Eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung aus Geothermie würde in Polling und seinen Nachbargemeinden die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen mindern, ist die Firma überzeugt.

Gutachten zum Schutz der Umwelt

Der Antrag auf Zulassung des bergrechtlichen Hauptbetriebsplanes bildet die Grundlage, um den Bohrplatz bauen und die beiden geplanten Tiefbohrungen niederbringen zu können, teilt das Unternehmen weiter mit. Das zuständige Bergamt Südbayern, ansässig bei der Bezirksregierung Oberbayern, prüft nun den umfangreichen Antrag mit seinen zahlreichen Anhängen. Wenn das Bergamt grünes Licht gegeben hat, können die Initiatoren der Erdwärme Inn voraussichtlich im kommenden Jahr mit dem Vorhaben beginnen. Aufwendige Gutachten stellen sicher, dass ein optimaler Standort gewählt wurde.

Bestandteil des Antrags sind neben vielzähligen technischen Inhalten Gutachten, die sich mit den Belangen zum Schutz von Mensch und Umwelt beschäftigen. Dazu zählen Schallgutachten zu den Bohrarbeiten, die Abschätzung zum Risiko möglicher Erschütterungen und etwa eine sonderartenrechtliche Prüfung zu Fauna und Flora in Bezug auf den Bau des Bohrplatzes und den Betrieb der Bohranlage.

Landschaftsökologische Betrachtungen, fachgutachterliche Stellungnahme eines Sachverständigen für den Umgang mit wassergefährdenden Stoffen, ein Entwässerungskonzept für den Bohrplatz sowie Bodengutachten inklusive Untersuchungen zum Grundwasservorkommen ergänzen das Paket.

Standort nördlich von Polling ideal

„Die Untersuchungen haben alle gezeigt, dass der Standort im Norden von Polling für die Bohrungen ideal gewählt wurde“, so der Projektleiter Bernhard Gubo von der Firma Geoenergie Bayern Beteiligungen GmbH. Die Zuziehung aller Fachbehörden durch das Bergamt Südbayern werde zeigen, ob man bei der Planung auch wirklich alle Faktoren ausreichend berücksichtigt habe.

Als nächster Schritt in der Projektumsetzung folgen im Herbst dieses Jahres die vertraglichen Vereinbarungen mit den Wärmeabnehmern der geothermischen Energie. „Einerseits sind dies die Betreiber der beiden Gewächshäuser in Tüßling und Weiding, andererseits haben die umliegenden Kommunen bereits Interesse an der Nutzung der Wärme für ihre Bürger sowie Gewerbetreibende signalisiert“, lässt das Unternehmen wissen.

Das Fernwärmenetz werde voraussichtlich die Ortschaften Polling, Tüßling und Mühldorf südlich des Inns umfassen, der genaue Trassenverlauf sei aber noch offen, heißt es seitens der Erdwärme Inn.

Betreibermodelle sind noch nicht geklärt

Betreiber des Wärmenetzes werde nicht die Erdwärme Inn GmbH sein. Dafür seien kommunale, genossenschaftliche oder privatwirtschaftliche Modelle möglich. Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht gefallen und liege in den Händen der Kommunen.

„Wir tun alles, um die Projektumsetzung zu beschleunigen“, versichert Bernhard Gubo. Und er sagt auch: Die aktuelle Gaskrise in Deutschland mache deutlich bewusst, wie notwendig ein schneller Ersatz fossiler Brennstoffe notwendig sei.

Informationen für die Öffentlichkeit

Die Öffentlichkeit soll im Laufe dieses Jahres wieder im Rahmen einer Veranstaltung informiert werden, wie es mit dem Projekt weitergehen kann und was genau geplant ist. Dies beinhaltet auch die Nachfolgenutzungen des Bohrplatzes, der zum größten Teil nach den Bohrarbeiten wieder zurückgebaut wird.

Neben den Bohrungen und der Energiezentrale für das Fernwärmenetz könnte eine sogenannte ORC-Anlage aus der geothermischen Restwärme vor allem in den Sommermonaten klimafreundlichen Strom erzeugen. Als weitere Quelle regionaler, erneuerbarer Energien könnte eine Holzgasanlage zur Gewinnung von Holzgas errichtet werden.

„Alle derzeit angedachten Maßnahmen in Polling zielen darauf ab, die Abhängigkeit von den bestehenden Energielieferungen zu reduzieren beziehungsweise komplett zu ersetzen“, so Gubo.

Factbox: Kriterien für Standorte der Bohrungen

Der Standort ist bereits durch eine schwerlasttaugliche öffentliche Straße erschlossen. Durch eine Hochspannungsleitung sowie ein Klärwerk ist er schon vorgeprägt. Er grenzt zudem an ein Gewerbegebiet, sodass mögliche Wärmeabnehmer direkt vor Ort sind. Die Nähe zur Ortschaft Polling und den beiden Gewächshäusern gilt als vorteilhaft für deren Anbindung an die Fernwärme.

Geplant sind zwei Bohrungen, die gegebenenfalls noch um eine dritte Bohrung ergänzt werden könnten, sollte eine der beiden ersten Bohrungen nicht den gewünschten Erfolg haben. In Polling beginnt die wasserführende Schicht („Malm“ genannt) in einer Tiefe von circa 2300 Metern und hat eine Mächtigkeit zwischen 300 und 400 Metern, die man sich wie einen riesigen Schwamm voller Wasser vorstellen kann. Verbindungen zu Grundwasserschichten bestehen nicht, beteuert das Unternehmen.

Bei den Bohrungen ist es üblich, schräg beziehungsweise mit Ablenkung zu bohren, um den Thermalwasserleiter effektiv erschließen zu können. Dabei sind auch horizontale Strecken technisch kein Problem. Interessant ist es dabei, sogenannte „geologische Störungen“ anzubohren, im Endeffekt zerbrochenes Gestein, was man sich auch als „Wasserautobahn“ vorstellen kann. Im tiefen Untergrund von Polling wurden einige dieser Störungen entdeckt.

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