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Corona-Vorbeugung in der Schule

Tendenz geht zur Lüftungsanlage: Neumarkter Stadtrat will Kosten der teuren Lösung prüfen

Stationäre Lüftungsanlagen: Der Stadtrat hat eine Entwurfsplanung mit Kostenschätzung für Grundschule, städtischen Kindergarten und Hort beschlossen. Die Mittelschule bleibt außen vor.
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Stationäre Lüftungsanlagen: Der Stadtrat hat eine Entwurfsplanung mit Kostenschätzung für Grundschule, städtischen Kindergarten und Hort beschlossen. Die Mittelschule bleibt außen vor.

Corona-Prävention in der Schule? Der Stadtrat hat die Anschaffung von mobilen Luftfiltern abgelehnt. Ludwig Spirkl (SPD) empört sich deswegen, weil er weitere Verzögerungen befürchtet und die Kinder einem großen Ansteckungsrisiko ausgesetzt seien

Neumarkt-St. Veit – Einfache Luftfilter oder gleich High-End-Lüftungsanlagen? Darüber debattierte der Neumarkter Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung. Mobile Luftreinigungsgeräte hat das Gremium verworfen, man bevorzugt stattdessen für die Kindertageseinrichtungen und die Grundschule eine Entwurfsplanung für corona-gerechte raumlufttechnische Anlagen (RLT). Die Förderung dafür ist verlockend: 80 Prozent Zuschuss verspricht der Bund.

55 mobile Luftfilteranlagen wären nötig

Ausführlich hatte das Gremium zunächst die Anschaffung von mobilen Luftfilteranlagen diskutiert und ein Rechenexempel statuiert. Jeweils 20 Geräte wären für die Grund- und für die Mittelschule nötig. 15 solcher Geräte wären für die städtischen Kindertageseinrichtungen vorstellbar. Bei Kosten von bis zu 4500 Euro pro Gerät summierten sich die Ausgaben für die 55 Geräte auf rund 250 000 Euro. Maximal rund 97 000 Euro würden insgesamt an Zuschüssen – bei bis zu 50 Prozent Förderung und einem Förderhöchstbetrag von 1750 Euro pro Raum – zurück ins Stadtsäckel fließen.

Auch Finanzausschuss zeigt sich skeptisch

Der Finanzausschuss hatte in der vergangenen Woche Skepsis gegenüber den Filtergeräten geäußert, die vorrangig virushaltige Partikel reduzieren sollen. Die Abwendung von Infektionen in Klassenraum sei wissenschaftlich nicht belegt, es gebe mit den Geräten keine Garantie für Präsenzunterricht, und es müsse trotzdem gelüftet werden, lauteten die Argumente, die Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG) erneut in den Raum warf. „Die Umlufterei ist nicht zielführend“, meinte er.

Spirkl will Viruslast in den Räumen reduzieren

Damit wollte sich SPD-Stadtrat Ludwig Spirkl nicht zufriedengeben. „Es geht doch um die Reduzierung der Viruslast in der Luft. Wenn wir diese reduzieren, können wir die Ansteckungsgefahr minimieren – selbst wenn sich ein Superspreader im Raum befinden würde.“

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Josef Enzinger.

Spirkl: Kinder schützen, für die es kein Impfangebot gibt

Die Corona-Gefahr sei lange nicht gebannt, zumal derzeit nicht einmal 50 Prozent im Landkreis Mühldorf geimpft seien und es für Kinder unter zwölf Jahren kein Impfangebot gebe. Er habe bereits im vergangenen Jahr um entsprechende Maßnahmen gebeten, um Ansteckungen in Schulen und Kindertagesstätten zu unterbinden, „aber jetzt läuft uns die Zeit davon“. Spirkl gab zu Bedenken, dass die mobilen Filter auch Grippeviren filtern würden, ebenso Pollen, was Allergikern zugutekäme. Kohlendioxid-Messgeräte seien schön und gut: „Aber sie sagen nichts über die Viruslast in der Luft aus.“

Gruber befürchtet Lieferprobleme

Peter Gruber (CSU) gab zu, dass das Thema hochkomplex sei. Er habe sich über Medienberichte ein Bild gemacht und sei daher skeptisch ob der Sinnhaftigkeit der Geräte – so wie einige andere Kommunen auch, die sich gegen eine Anschaffung ausgesprochen hatten. Er befürchtete eventuelle Lieferprobleme und auch die hohen Wartungskosten, – die Verwaltung spricht von 35 000 Euro jährlich – würden abschrecken.

Kulhanek will lieber die nachhaltige Lösung

Michael Kulhanek (CSU) betonte, dass man sich nicht generell gegen Luftreinigungsanlagen verschließe: „Aber wir sollen das Geld sinnvoll einsetzen und nachhaltig investieren.“ Dies sei in diesem Fall schwierig, wenn die Wirksamkeit angezweifelt werde.

Auch interessant: Vorerst keine Luftfilter für Mühldorfer Schulen – Das sagen Elternvertreter und Schulleiter

Mobile Lösung mit 14:2 abgelehnt

Mit den Gegenstimmen von Thomas Döring (Grüne) und Ludwig Spirkl (SPD) wurde die Beschaffung von Luftreinigungsgeräten für die Kindertageseinrichtungen abgelehnt (14:2).

Einstimmig für stationäre Anlagen

Und wie sieht es mit Lüftungsanlagen aus? Darüber diskutierte der Stadtrat gleich im Anschluss, nachdem der Bund im Juni 2021 das Förderprogramm für stationäre raumlufttechnische Anlagen in Einrichtungen für Kinder unter zwölf Jahren ausgeweitet hat.

Bis zu 80 Prozent Zuschuss winken

Mit bis zu 80 Prozent werden damit Investitionen bezuschusst, die maximale Förderung pro Standort liegt bei einer Summe von 500 000 Euro. In Neumarkt kämen solche geförderten Anlagen nur für die Kindertageseinrichtungen in Frage, für die Grundschule und Teile der Mittelschule – dort wo Kinder bis zwölf Jahre unterrichtet werden.

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Lüftung im neuen Kindergarten ist nicht corona-konform

Das Problem: Im neuen Kindergarten der „Rottalzwerge“ an der Landshuter Straße ist eine Lüftungsanlage berücksichtigt, der Luftaustausch sei aber nicht coronakonform, eine Nachrüstung nicht möglich.

Deshalb schlug die Verwaltung lediglich eine Entwurfsplanung inklusive Kostenermittlung für die städtische Kindertageseinrichtung an der Wintermeierstraße, im Kinderhort und in der Grundschule vor. Außerdem sollen für diese Einrichtungen die Unterlagen für einen Förderantrag vorbereitet werden. Das hat der Stadtrat dann auch einstimmig befürwortet.

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VG Oberbergkirchen hat investiert – ganz ohne Zuschüsse

Ihrer Zeit voraus ist hier die Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen, wo man sich schon im vergangenen Jahr dazu entschieden hat, insgesamt neun Räume in den vier Schulgebäuden in den Mitgliedsgemeinden mit stationären Lüftungsanlagen auszustatten. „Und das alles, noch bevor es Zuschüsse gegeben hat“, erklärt Geschäftsstellenleiter Georg Obermaier. Nachdem es nun bis zu 80 Prozent gibt, wollen die Gemeinden in den Kindertageseinrichtungen und im Hort nachrüsten. Obermaier spricht von Kosten zwischen 12 000 und 15 000 Euro pro Anlage, davon verblieben aber nur 20 Prozent der Kosten bei den Gemeinden. Pro Anlage also zwischen 3000 und 4000 Euro.

Billiges Heizen und willkommenes Kühlen

Und damit wären sie ähnlich teuer wie mobile Lösungen, so Obermaier. Er selbst hält stationäre Lüftungsanlagen für nachhaltiger: „Die werden auch in zehn Jahren noch in den Räumen stehen, weil sie nicht durch die Wärmerückgewinnung nicht nur Energie sparen, sondern auch in besonders heißen Sommern nachts die Räume abkühlen können.“

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