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Aus dem Mühldorfer Amtsgericht

Eigene Schwester bedroht: „Ich bringe dich um und schneide dir das Kind aus dem Bauch!“

Der heftige Familienstreit konnte mangels Zeugenaussagen vor Gericht nicht nachgewiesen werden.
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Der heftige Familienstreit konnte mangels Zeugenaussagen vor Gericht nicht nachgewiesen werden.

Mit der Anklage Bedrohung und Betrug war ein 32-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis vor dem Amtsgericht Mühldorf gelandet. Bei einem Streit 2020 in der Wohnung des Vaters hatte der Angeklagte seiner hochschwangeren Schwester gedroht.

Mühldorf – Nachfragen des Richters zu den persönlichen Verhältnissen des Angeklagten ergaben, dass er sich zu einer stationären Sucht- und Entziehungstherapie angemeldet habe. Diese dauere sechs Monate. Der von einer Bewährungshelferin begleitete Mann gab an: „Ich will jetzt mein Leben auf die Reihe bringen.“

400 Euro überwiesen, aber nie das Handy gesehen

Neben der Drohung gegen die Schwester ( „Ich bringe dich um und schneide dir das Kind aus dem Bauch!“) hatte Staatsanwalt Chris-Dominik Kempel noch vier weitere Anklagepunkte zu verlesen: Im Juli 2020 verkaufte der Beschuldigte über Facebook ein 800 Euro teures Handy. Der Käufer überwies 400 Euro als Anzahlung, das Mobiltelefon sah er nie. Einen Monat später bot der Koch über das Internetauktionshaus eBay ein Rennrad zum Preis von 930 Euro an. Die Kaufsumme kam bei ihm an, das Rennrad beim Erwerber nicht. Ebenfalls im August 2020, ebenfalls über eBay, wurde vom Angeklagten eine 1100 Euro teure Kamera angeboten. Diese fand einen Abnehmer, der dem betrügerischen Koch den Kaufpreis überwies, die Kamera aber nicht erhielt. Durch diese drei Taten war ein Gesamtschaden von 2430 Euro entstanden.

Vierte Tat ist misslungen

Die vierte Tat misslang dem Beschuldigten: Im November 2020 spionierte er die Zugangsdaten für das Online-Konto einer Bekannten aus und überwies sich 725 Euro auf sein Konto. Nur durch die Aufmerksamkeit des Geldinstituts scheiterte dieser Versuch.

Der von Olav Mitter vertretene Angeklagte gestand die vier Betrugstaten umfassend ein. Zur Bedrohung seiner Schwester, die er zusätzlich noch beleidigt und angespuckt haben soll, machte er keine Angaben.

Zu dieser sich innerhalb der Familie zugetragenen Tat wurde der Vater gehört. Dieser machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, und so konnten die Umstände der Bedrohung nicht geklärt werden.

Vater verweigert vor Gericht die Aussage

Für das Gericht kam erschwerend hinzu, dass auch die Schwester als Opfer dieser Tat nicht gehört werden konnte. Sie sitzt derzeit in der Justizvollzugsanstalt Aichach ein. Sie hatte nach Auskunft des Angeklagten aber auch keine Ladung bekommen. So einigten sich Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung auf die Einstellung des Anklagepunktes Bedrohung.

Zeugen zu den Betrügereien hatte Richter Florian Greifenstein nicht geladen, da diese Delikte einwandfrei dokumentiert waren. Zum Abschluss der Beweisaufnahme erfolgte der obligatorische Blick in das Bundeszentralregister. 13 Einträge hatte der Beschuldigte gesammelt, gehäuft handelte es sich um einschlägige Delikte, stets ging es um Betrug. Auch wegen Drogenvergehen war der Angeklagte schon verurteilt worden.

Staatsanwalt bezeichnet Angeklagten als „notorischen Betrüger“

In seinem Schlusswort äußerte sich Staatsanwalt Kempel sehr drastisch: „Ein notorischer Betrüger sitzt vor uns.“ Der Mann mit einer Drogenvergangenheit habe „zig Verfahren in ganz Deutschland“ am Hals. Mehrmals sei er deswegen schon inhaftiert gewesen, sei erst im November 2021 aus der Haft entlassen worden und habe einen Schaden von 2430 Euro angerichtet. Seine Rückfallgeschwindigkeit sei hoch, darüber hinaus habe er auch unter einer offenen Bewährung gestanden. Kempel forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten.

Die Frage „Bewährung oder nicht“ rang dem Anklagevertreter eine harte Entscheidung ab. Letztlich die demnächst anzutretende Therapie bewog ihn dazu, sich doch für Bewährung zu entscheiden – allerdings empfahl er dem Schöffengericht die Höchstdauer von fünf Jahren.

Fünf Jahre Bewährung müssen reichen

Verteidiger Olav Mitter forderte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die Dauer der Bewährung legte er in die Hände des Gerichts. Dieses entschied schließlich auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten mit einer fünfjährigen Bewährungszeit. Auch müsse der Mann den angerichteten Schaden von 2430 Euro rückerstatten.

Das Schöffengericht bewertete die vielen Vorstrafen und die offene Bewährung als sehr negativ. Das Gericht hoffe, dass die demnächst anzutretende Therapie dem Angeklagten hilft, von seinem liederlichen Lebenswandel loszukommen.

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