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Mit Fernwärme in die Zukunft

Gemeinde Polling will Potenzial von Erdwärme nutzen: Wie auch Mühldorf davon profitieren könnte

Die Gewächshäuser der Firma Reichenspurner verbrauchen viel Wärmeenergie. Die Nutzung von Geothermie hat viel Einsparungspotenzial.
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Die Gewächshäuser der Firma Reichenspurner verbrauchen viel Wärmeenergie. Die Nutzung von Geothermie hat viel Einsparungspotenzial.

Die Energiepreise galoppieren davon, schon jetzt wird Besitzern von Gas- und Ölheizungen schwindelig bei dem Gedanken, wie sie den nächsten Winter finanzieren sollen. Ein Umdenken muss her, das weiß auch die Gemeinde Polling mit ihren alten Siedlungsbereichen. Man setzt jetzt auf Geothermie.

Polling – Das Potenzial für Geothermie ist vorhanden – das wissen die Pollinger seit der Studie, die die Firma „Erdwärme Inn Bayern“ im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hat. Um die Realisierbarkeit der geplanten Geothermieanlage und des Fernwärmenetzes zu prüfen, hat die Erdwärme Inn schon im vergangenen Jahr eine Machbarkeitsstudie erstellen lassen. Die Firma Consolinno Energy aus Regensburg hat dafür den Wärmebedarf in den Gemeinden der Region untersucht und in verschiedenen Szenarien die Kosten für einen Ausbau des Fernwärmenetzes ermittelt.

Wärme soll auch die Gewächshäuser speisen

„Ausgehend von der Versorgung der beiden Gewächshäuser der Familie Reichenspurner in Polling und Weiding könnten nach Angaben der Erdwärme Inn über Fernwärmeleitungen Haushalte, kommunale Gebäude und Gewerbe in Polling und Weiding und in einer weiteren Ausbaustufe auch in Tüßling, Mühldorf und eventuell Teising von der Wärme aus der Tiefe profitieren“, heißt es auf der Internetseite der Erdwärme Inn.

Netz von 40 Kilometern Länge wäre möglich

In seiner maximalen Ausdehnung hätte das mögliche Fernwärmenetz eine Länge von 40 Kilometern, der Ausbau werde sich aber über mehrere Jahre hinziehen. Rund 25 Millionen Euro würde das gesamte Fernwärmenetz inklusive der Hausanschlüsse nach den Erhebungen von Consolinno kosten. Aufgrund der klimafreundlichen und innovativen Energieerzeugung sei eine staatliche Förderung für Bürger möglich.

Sehr gute Wettbewerbsfähigkeit von Geothermie

Die Ergebnisse von 2021 zeigen eine sehr gute Wettbewerbsfähigkeit der Fernwärme zu anderen Energieträgern. So liegen die jährlichen Kosten für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt (Einfamilienhaus mit 15 kW Anschlussleistung) laut Consolinno bei rund 1900 Euro. Eine Versorgung mit einer Pelletheizung würde 2100 Euro kosten, bei einer Luft-Wärmepumpe würden 2600 Euro anfallen, bei einer Gas-Brennwert-Heizung etwas mehr als 2500 Euro – Letzteres jedoch mit einem zukünftig weiter steigenden CO2-Preis.

Neue Basis für die Heizungen

Basierend auf diese Daten will die Gemeinde Polling, die schon im Mai 2021 ein klares Bekenntnis in Richtung Erdwärme abgegeben hatte, nun den weiteren Schritt gehen und diskutierte deswegen im Rahmen der jüngsten Sitzung die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie, zu der Thomas Gmeindl von der Firma IngKess in Traunreut konkrete Informationen gab.

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Gmeindl machte keinen Hehl daraus: „Die Energiewende ist in vollem Gange.“ Nicht zuletzt deswegen, weil der Ukraine-Krieg die Preise für Öl und Gas zuletzt in die Höhe katapultiert habe, müsse man sich um Alternativen bemühen. Fernwärme in kommunaler Hand, so Gmeindl, sei „eine sichere Basis für eine bezahlbare Heizungswärme für sämtliche Bürger in der Zukunft.“

Die Firma „Consolinno Energy“ aus Regensburg hatte 2021 den Wärmebedarf in den Gemeinden der Region untersucht. Demnach könnten nicht nur die beiden Gewächshäuser der Firma Reichenspurner mit Wärme versorgt werden, sondern unter Umständen auch Bereiche von Tüßling und Mühldorf.Klinger

Es gibt keine Alternativen

Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit beantworte sich von selbst – in Ermangelung an Alternativen bliebe keine andere Wahl als neue Wege zu erschließen. Wenn nun eine Machbarkeitsstudie zur Fernwärmenutzung in Auftrag gegeben werde, würden Neubaugebiete auf Basis der Bauleitplanung in den Fokus gerückt, eventuell auch Bestandsbauten in der Umgebung. Die abschnittweise Erschließung, so Gmeindl weiter, solle sinnvoll erfolgen. Fossile Energieträger, da machte der Ingenieur auch kein Geheimnis draus, würden auch in der Zukunft noch eine Rolle spielen, wenn es um die Abdeckung des Strombedarfs zur Spitzenlast geht.

Machbarkeitsstudie rückt auch Übergangslösungen in den Fokus

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie gelte es auch, Übergangslösungen zu erarbeiten, etwa in Form von Biogas, Hackschnitzeln, Pellets oder synthetischen Energieträgern. Selbst wenn die Machbarkeitsstudie zum Ergebnis kommt, dass die Geothermie in Polling nicht erfolgreich beziehungsweise wirtschaftlich betrieben werden könne, könnten auf Basis von kleinen Quartierkonzepten andere Lösungen individuell erarbeitet werden.

Wenn möglich, dann könnte der stufenweis Ausbau erfolgen

Gmeindl stellte dann die einzelnen Stufen der Machbarkeitsstudie vor. Zunächst werden die Randbedingungen des Projektes geprüft und der Ort in Versorgungsgebiete eingeteilt. Es folgt die Ermittlung des Leistungs- und Wärmebedarfes, Großabnehmer und Privatabnehmer würden hier gleichermaßen berücksichtigt. Danach widmet sich seine Firma der Konzeption und Simulation des stufenweisen Aufbaus eines Nahwärmenetzes und der Konzeption der Wärmeerzeugung.

Anschlussdichte ist ein wichtiger Punkt

Wirtschaftlichkeitsberechnungen, die Betrachtung der Schnittstelle Endverbraucher, eine Sensitivitätsanalyse, welche die Anschlussdichte eruiert, und natürlich auch ökologische Betrachtungen runden die Studie ab. Am Ende würde ein Masterplan für zehn Jahre entstehen, der dann fortgeschrieben wird. Darin berücksichtigt sollten dann auch geplante Maßnahmen in den Folgejahren sein wie Kanalsanierungen, Starkregenreignisse, Straßensanierungen und Erschließungen.

Als Kosten für die Machbarkeitsstudie, die in diesem Fall die Gemeindeteile Polling/Weiding beziehungsweise Flossing beträfen, gab Gmeindl 15 000 beziehungsweise 8000 Euro an. Drei Monate werde es dauern, bis die Machbarkeitsstudie erstellt sei, so Gmeindl.

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Abstimmung in der nächsten Sitzung

„Wir planen eine Zeitenwende“, sagte Kronberger zu den Ausfühurngen Gmeindls in der Sitzung. Von der Sebstverständlichkeit, dass der Heizölfahrer kommt, müsse man sich verabschieden, so Kronberger. Er rechne damit, dass aufgrund der Energiekrise die Bereitschaft in der Bevölkerung groß sei, sich für einen Anschluss an die Geothermie zu entscheiden. „Vorausgesetzt, das Projekt ist tatsächlich realisierbar.“

Was die Preisgestaltung betrifft, sprach sich Kronberger für die Steuerung vor Ort aus, ähnlich wie die Stadtwerke in Mühldorf. „Wir sollten die Mehrheit und damit auch das Heft des Handelns und die Entscheidungsgewalt in der Hand behalten“, fand er.

Konkretes Thema wird am 21. Juli Thema des Gemeinderates sein

Eine Entscheidung zur Machbarkeitsstudie ist noch nicht gefallen, weil noch kein konkretes Angebot vorlag. Wie Bürgermeister Kronberger jedoch auf Anfrage mitteilt, sei mittlerweile ein konkretes Angebot von IngKess eingetroffen. Der Gemeinderat wird schon in seiner nächsten Sitzung am 21. Juli darüber abstimmen, ob er eine Machbarkeitsstudie zulässt. Das Signal in der jüngsten Sitzung zur „Zeitenwende“ war jedenfalls ein durchweg positives.

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