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Warum dem Neumarkter Franz Joseph Gruber das Gedenken an die Opfer der Schlacht von 1809 wichtig ist

Franz Joseph Gruber mit einem alten Säbel aus der Rott (Schlachtfeldfund) vor dem Modell einer zeitgenössischen Kanone und Eisenkreuzen als Ersatzreserve für beschädigte 9er-Kreuze.
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Franz Joseph Gruber mit einem alten Säbel aus der Rott (Schlachtfeldfund) vor dem Modell einer zeitgenössischen Kanone und Eisenkreuzen als Ersatzreserve für beschädigte 9er-Kreuze.

Franz Josef Gruber ist ehrenamtlicher Heimatforscher. Seit seiner Pensionierung als Kriminalbeamter kümmert er sich intensiv um die Schlacht bei Neumarkt im April 1809. In ihr standen französisch-bayerische Truppen österreichischen truppen gegenüber.

Neumarkt-St. Veit – Gruber forscht in Archiven, sucht am Ort nach Spuren, sammelt diese, dokumentiert sie und veröffentlicht sein Wissen in Berichten und reich bebilderten Büchern. In seinen Regalen und Schränken stehen viele Meter von Fachliteratur. Die OVB-Heimatzeitungen fragten ihn anlässlich des Jahrestages am 24. April nach seinen Motiven, Arbeitsweisen und Ergebnissen

Kanonen- und Mühlenkugeln vor altem Lexikon: Die dritte Kugel von rechts stammt vom Schlachtfeld.Jaensch

Wann haben Sie Ihr Interesse an der Geschichte erkannt?

Mein Interesse an Geschichte begann ab der 5. Klasse am Gymnasium mit dem Schulfach Geschichte. Das setzte sich mit dem Lateinunterricht fort. Nach der Ausbildung bei der Polizei wurde ich nach Burghausen versetzt, und diese Stadt lebt ja voll in der Geschichte mit Burg und Altstadt.

Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Schlacht von Neumarkt...

Auf die Schlacht von Neumarkt wurde ich sicher über die Gottesdienste der Feldmesse an der Georgistraße aufmerksam. Da meistens vorher in der Zeitung Artikel zum Georgitag standen, sind Freunde und ich rund um Neumarkt auf der Suche nach Neuner-Kreuzen gewesen. Wirklich selbst zu forschen begann ich im Jahr 2003, als ich zum Vorsitzenden der Krieger- und Soldatenkameradschaft Neumarkt-St. Veit gewählt wurde. Mir war sofort klar, weil sich im Jahr 2009 der Tag der Schlacht zum 200. Male jährte, blieben also sechs Jahre, um sich auf größere Feierlichkeiten vorzubereiten.

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Das wurde ja ein gewaltiges Erinnerungsfest. Wie sahen Ihre Bestrebungen dazu aus?

Erste schriftliche Unterlagen erhielt ich von Franz Luferseder, der für die zurückliegenden Georgitage schon viel in Österreich und Bayern gesammelt hatte. Ich versuchte dann beim bayerischen Kriegsarchiv in München und in Ingolstadt an zusätzliches Material und Berichte zu kommen. Da die napoleonischen Kriege schon gut schriftlich dokumentiert wurden, habe ich gezielt die Regimentsgeschichten der bei Neumarkt eingesetzten bayerischen Regimenter gesucht und auch angekauft. Dazu natürlich alles, worin das Gefecht dargestellt wurde, wie alte Zeitungen, Tagesberichte der Österreicher und der Verbündeten Bayern und Franzosen zu dem Feldzug und die Tage im April 1809. Da sind auch Bücher dabei in englischer und französischer Sprache, viel als Kopie.

Die Neunerkreuze lagen Ihnen ja besonders am Herzen.

Da für 2009 eine Festschrift erforderlich war, habe ich alle Quellen ausgewertet und alle Örtlichkeiten der Neuner-Kreuze und deren Zahl zu bestimmen. Bei der roten Festschrift von 2009 waren es 45 lokalisierte und gesicherte 9er-Kreuze. Mit der Ausstellung zur Schlacht kamen noch weitere dazu und jetzt sind es 51 Stück. Wenn ich Führungen über das Schlachtfeld durchführte, wurde ich natürlich oft gefragt, ob es noch Fundstücke gibt.

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In der Vitrine Orden, Koppelschlösser, Bilder: Militärische Dinge in einer Sammlungsvitrine.

Und das war ja augenscheinlich der Fall. Was wurde denn alles gefunden im Laufe der Jahre?

Ich weiß, dass schon wiederholt Kanonenkugeln beim Ackern ausgegraben wurden. Eine Vollkugel vom Schlachtfeld und zwei Säbel wurden mir geschenkt und die habe ich noch. Am Schlachtfeld gab es schon die Suche mit Metallsuchgeräten. Die Funde, Musketenkugeln und eine halbe österreichische Kanonenkugel wurden damals dem Stadtarchiv in Neumarkt übergeben. Meine eigenen Versuche brachten außer ein paar Metallknöpfen und Gewehrkugeln nicht viel.

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Mit dieser Erinnerungsfeier endete Ihre Forschungsarbeit an der Schlacht noch lange nicht, oder?

Ab 2015 habe ich gezielt alle Neuner-Kreuze restauriert. Das heißt, teilweise neue Sockel gesetzt oder geradegestellt. Die Metalltafeln an den Eisenkreuzen wurden ergänzt oder ausgetauscht. Das Freischneiden von Ästen muss praktisch jedes Jahr erfolgen. Als alle Kreuze fertig waren, machte ich Fotos und beschaffte Luftaufnahmen aus dem Internet und GPS. Dann wurden in mehreren Aktenordnern für jedes Kreuz eine eigene Dokumentation mit Fotos, Luftbild, Landkarte und Text zu der Örtlichkeit gefertigt. Ziel war, diese Ordner an das Stadtarchiv zu übergeben, damit die 9er-Kreuze auch nach mir gesichert sein sollten. Meine Dokumentation wurde von der Stadt Neumarkt-St. Veit als großes Buch herausgebracht.

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Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?

An den Volkstrauertagen und am Georgitag warnen wir von der KSK jedes Jahr vor Kriegen. Durch meine Dokumentationen und die Pflege der Erinnerungsstätten dieser sinnlosen Schlacht möchte ich diese Mahnung ganzjährig ausdrücken. Und wenn ich auf meiner Suche im Feld und in Archiven der Städte Neues entdecke oder Antworten auf meine Fragen finde, so ist das stets eine große Befriedigung.

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