Tag der Floristik

Blumenhändler lassen Kopf nicht hängen: Waldkraiburger Floristen sprechen über ihre Situation

Noch ein paar Tage muss sich Lydia Paul gedulden, bis sie ihre „Stielwerk 8“ wieder öffnen kann. Sie ärgert sich, dass Floristen während des Lockdowns geschlossen waren, während Supermärkten Blumen verkaufen durften.
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Noch ein paar Tage muss sich Lydia Paul gedulden, bis sie ihre „Stielwerk 8“ wieder öffnen kann. Sie ärgert sich, dass Floristen während des Lockdowns geschlossen waren, während Supermärkten Blumen verkaufen durften.

Der Frühling steht vor der Tür und die Sehnsucht nach Blumen ist groß. Hinter den Floristen liegt keine leichte Zeit: Denn während deren Geschäfte aufgrund des Corona-Lockdowns schließen mussten, hatten Supermärkte Blumen in ihrem Sortiment.

Waldkraiburg – Sie sind eine Farbenpracht für die Augen, ein herrlicher Duft für die Nase und sie verschönern die Umgebung: Blumen. Diese zu einem schönen Strauß zu arrangieren, dazu haben die Floristen das richtige Händchen.

Doch in den vergangenen Wochen hatten sie es nicht leicht: Während ihre Läden nur „Click und Collect“ anbieten durften, konnten Supermärkte Blumen wie gehabt verkaufen.

Wochenlang konnte Andrea Deißenböck von „FloristikGeißberger“ nur Click und Collect anbieten. Dass ab Montag wieder geöffnet werden darf, freut sie und ihre Tochter Magdalena. Meier

Seit 1967 gibt es die Berufsbezeichnung in Deutschland, seit dem 28. Februar 1995 wird dem Handwerk mit dem „Tag der Floristik“ gedacht. Dass Blumen und Pflanzen positive Auswirkungen auf das menschliche Gehirn haben, bestätigen sogar Studien. Blumen erhöhen das Glücksgefühl.

Aber gerade während der Corona-Pandemie ist dieses stark getrübt. Eigens arrangierte Blumensträuße gibt es seit Wochen nur über „Click und Collect“, während Supermärkte Blumen in ihrem Sortiment weiterhin führen durften. Das sorgt bei Floristen für Frust.

Für die Floristen bleibt nur „Click und Collect“

„2012 gründete ich mein Floristikgeschäft ´Stielwerk 8`. Schon als Kind wusste ich, dass ich später einmal das Handwerk der Blumenkunst erlernen wollte“, sagt Lydia Paul aus Waldkraiburg. Aktuell sehen sich die Leute nach Frühling und damit auch nach den ersten Blumen wie Tulpen, Anemonen, Fresien oder Ranunkeln. „Dass Discounter und Supermärkte alles verkaufen, können wohl die wenigsten verstehen.“

Für ihren Blumenladen bleibt hingegen nur „Click und Collect“. Das habe zwar soweit funktioniert, wobei natürlich alle Fachgeschäfte schauen müssten, wie sie durch diese schwere Zeit kommen würden. „Beim ersten Lockdown bekam ich noch staatliche Unterstützung, aber beim Zweiten bekam ich gar nichts. Ich musste selbst schauen, wie ich zurechtkam.“

Sie kritisiert, dass es seitens der Politik immer nur leere Versprechungen gebe, aber gehalten würde nichts davon. „Ich würde mir wünschen, dass das Handwerk und der Fachhandel geschätzt und geschützt werden. Dass die Menschen die Geschäfte im Ort unterstützen und klar, dass auch die kleinen Läden bestehen bleiben.“ Dass die Blumenläden ab 1. März wieder öffnen dürfen, hebt ihre Stimmung. So wie es auch die Blumen tun. „Vor allem in schweren Zeiten wissen die Menschen das noch mehr zu schätzen“, sagt die Floristin.

Anlässe Blumen zu verschenken gibt es viele. „Floristik bedeutet nicht nur, Sträuße und Gebinde zu arrangieren, sondern auch für jeden Anlass, egal ob Feiern, Beerdigungen, Events oder Festtage, die perfekte florale Gestaltung zu kreieren. Jedes Arrangement ist ein Unikat. Qualität, Ästhetik und Kreativität zeichnen unser Handwerk aus“, erklärt Paul.

Bäuerliche Akzente in den Arrangements, das ist eines der Markenzeichen von Floristik Geisberger. Mit Materialien aus der Natur wie Holz, Stroh, Maiskolben oder Baumrinden zu arbeiten, war die Idee von Monika Geisberger. Vor genau 30 Jahren hat sie in Weidenbach mit einem Bastel- und Floristenmarkt begonnen, seit dem plötzlichen Tod ihrer Mutter führt Andrea Deißenböck das Geschäft. Heute liegt der Schwerpunkt des Geschäfts auf Frischblumen und Pflanzen.

Endlich wieder Kundenkontakt

Doch ganz können die Blumen ihren Ärger nicht vertreiben. „Wir finden das nicht in Ordnung, dass während des Lockdowns bei Discountern und Supermärkten Blumen und Pflanzen verkauft werden dürfen. Man kann die Ware dort auch nicht mit dem vergleichen, was Fachgeschäfte anbieten.“

Deshalb habe sie Lösungen finden müssen, um aus den Umständen das Beste zu machen. Mittels „Click und Collect“ konnten sich ihre Kunden Blumen ins Haus holen, doch ab Montag kann Andrea Deißenböck endlich wieder die Ladentür weit öffnen. „Es ist schön, dass wir wieder aufmachen dürfen und endlich wieder Kundenkontakt haben.“

Das freut nicht nur die Floristen, ist Lydia Paul überzeugt: „Die Leute sehnen sich nach Blumen. Meine Kunden wieder zu sehen, ist für uns alle ein schönes Gefühl. Wenn man sieht, dass in den Supermärkten und Discounter Menschen alles kaufen können, warum sollte das dann nicht auch im kleinen Laden funktionieren, wo sich wenige Kunden aufhalten und man streng auf die Vorschriften achtet?“

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