Reichenhaller Einzelhändler fordern bei Protestatkion Öffnungsperspektiven

„Lage bei allen, welche im Lockdown verharren müssen, nimmt katastrophale Züge an“

Mit der Unterstützung von Lokalpolitikern protestierten am Freitagvormittag Reichenhaller Einzelhändler vor dem Modehaus Juhasz. Sie fordern Öffnungsperspektiven angesichts der Erlaubnis zur Öffnung für Bau- und Gartenmärkte sowie Friseure ab Montag, 1. März.
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Mit der Unterstützung von Lokalpolitikern protestierten am Freitagvormittag Reichenhaller Einzelhändler vor dem Modehaus Juhasz. Sie fordern Öffnungsperspektiven angesichts der Erlaubnis zur Öffnung für Bau- und Gartenmärkte sowie Friseure ab Montag, 1. März.

Bau- und Gartenmärkte sowie Friseure dürfen ab Montag wieder öffnen. Angesichts dessen forderten bei einer Protestaktion auch Reichenhaller Einzelhändler Öffnungsperspektiven.

Bad Reichenhall - „Wir alle fordern unisono die sehr zeitnahe Öffnung des Handels, sowie der Gastronomie und Hotellerie. Dies natürlich mit den bereits bewährten bestehenden die Hygiene- und Schutzkonzepten sowie gegebenenfalls Anpassungen an die aktuelle Situation, wie Schnelltests. Die Lage bei allen Unternehmen welche nach wie vor im Lockdown verharren müssen, nimmt katastrophale Züge an“, berichtet Michael Rupin, 1. Vorsitzender des Reichenhaller Unternehmerforums e.V. (RUFO) gegenüber BGLand24.de. „Auf der anderen Seite ist es rational nicht mehr erklärbar warum beispielsweise Friseure, Baumärkte, und große Einkaufszentren geöffnet haben dürfen und der normale regional vertretene Einzelhandel nicht?“

Reichenhaller Unternehmerforum fordert Perspektiven für regionalen Einzelhandel

Das RUFO veranstaltete am Freitagvormittag eine Protestaktion vor dem Modehaus Juhasz. „Dabei war unser Landrat, Herr Bernhard Kern, unser Oberbürgermeister, Herr Dr. Christoph Lung, die Geschäftsführerin des Berchtesgadener Land Wirtschaftsservice (BGLW), Frau Dr. Anja Friedrich-Hussong, der Inhaber und Initiator des heutigen Protests, Herr Oliver Juhasz und dessen Geschäftsführer, Herr Ulrich Wassermann, so wie ich in meiner Eigenschaft als Vorstand des Reichenhaller Unternehmerforum anwesend“, berichtet Rupin weiter. „Weiterhin waren zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Modehaus Juhasz anwesend, welche seit Monaten in der Kurzarbeit verharren.“ Bereits Anfang Februar hatte sich Juhasz an den Protestaktion „wir machen auf_merksam“ beteiligt (Plus-Artikel).

Mit der Unterstützung von Lokalpolitikern protestierten am Freitagvormittag Reichenhaller Einzelhändler vor dem Modehaus Juhasz. Sie fordern Öffnungsperspektiven angesichts der Erlaubnis zur Öffnung für Bau- und Gartenmärkte sowie Friseure ab Montag, 1. März.

Zusätzlich sendete das RUFO einen offenen Brief an die aus Reichenhall stammende Bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, sowie Landrat Bernhard Kern und Reichenhalls Bürgermeister Dr. Lung.

Der offene Brief der Unternehmer im Wortlaut:

„Obwohl Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, RKI und Verbände Erkenntnisse gesammelt haben, dass die Infektionen bei Mitarbeitern des stationären Handels stark unterdurchschnittlich sind, wurde dieser geschlossen. Die Mitarbeiter im Handel haben weniger Infektionen als der Durchschnittsbürger - 0,6% aller Beschäftigten im Einzelhandel haben sich seit Ausbruch der Pandemie infiziert, im Gegensatz zum Durchschnittsbürger. Demgegenüber infizierten sich 0,8% der Allgemeinbevölkerung (Quelle Studie „Corona Risiko im Einzelhandel“ BGHW & BAuA). Das gilt übrigens auch für den weiterhin geöffneten Hochfrequenzhandel, bei dem die meisten Kontakte stattfinden. Da wir im Fachhandel sehr strenge Hygienekonzepte haben und die Begegnungen geschützt und nur relativ kurz stattfinden, muss man das Einkaufen im stationären Fachhandel als sehr sicher einstufen. 

Deshalb fordern wir: Der stationäre Fachhandel muss unter Einhaltung der bewährten Hygienekonzepte spätestens zum 07.März wieder öffnen – unabhängig der Inzidenz!

Bei einer Tätigkeit ohne nennenswertes Infektionsrisiko ist eine Inzidenzzahl (egal wie hoch) irrelevant. Wir sind überzeugt, dass Menschen Sozialkontakte brauchen. Mit den aktuellen Erkenntnissen kann man sagen: beim Einkaufen hat man diese im maximal geschützten Umfeld. Geöffnete Läden können dazu beitragen, gefährlichere, ungeschützte Treffen von Menschen zu reduzieren. Die Öffnung des stationären Fachhandels wäre ein aktiver Beitrag die weitere Verbreitung des Virus zu reduzieren.

Fatal ist es unserer Ansicht nach auch, den Handel in anderen Landkreisen bei Erreichen politisch definierter Inzidenzwerte zu öffnen, während der Handel in anderen Landkreisen bei Überschreiten eben dieser Werte geschlossen bleiben muss. Wir sehen eine große Gefahr des Shoppingtourismus. Dies widerspricht in höchstem Maß dem Ziel das Infektionsgeschehens weiter einzudämmen - diese Entscheidung bewirkt gar das Gegenteil!

Wichtig ist für uns zu ergänzen, dass ähnlich dem System des „Pick & Collect“ eine reine Öffnung mit Terminvergabe keine adäquate Lösung für unser Öffnungsszenario sein kann. Dies erschwert uns allen den Weg zurück in die „Normalität“ und stellt einen ungeheuren Mehraufwand für die Händler dar. Diesen Mehraufwand zu stemmen wird mehr Kosten als tatsächlichen Ertrag bringen!

Eine sofortige Öffnung ist auch für den Erhalt der Vielfalt des Einzelhandels im Soziotop Innenstadt wichtig – nicht nur in Bad Reichenhall, in jeder Gemeinde! Eine Öffnung erst nach Ostern wäre eine Katastrophe da auch wir mit verderblicher Ware handeln

B!itte setzen Sie sich dafür ein, den Handel branchen- und Landkreisübergreifend spätestens zum 7.3.2021 zu öffnen.“

Pressemitteilung RUFO e.V.

Vor kurzem erst hatte es ein Treffen von RUFO-Vertretern mit Landrat Kern und Reichenhalls Oberbürgermeister Christoph Lung gegeben. Dabei ging es um ausbleibende Fördermittel für Unternehmer. „Hierbei konnten wir einen interessierten Landrat beobachten, der die Sorgen der Unternehmer sehr ernst nimmt und ebenfalls selber mit vielen Unternehmen diesbezüglich in Kontakt ist“, so das RUFO im Anschluss. „Herr Kern organisierte ein weiteres kurzfristiges Treffen unter Einbeziehung der BGLW um Lösungen zu finden, dass Hilfen schneller ausbezahlt werden, bzw. welche Möglichkeiten es gerade für Kleinbetriebe gibt, eventuell staatliche Hilfen zu erlangen.“

hs/Pressemitteilung RUFO e.V.

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