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Leitender Alpinpolizist in Berchtesgaden zu Lawinenunglück

Tödliches Hocheis: „Der Wind ist der Baumeister der Lawinen“

Tödliches Lawinenunglück Hochseiskar Ramsau bei Berchtesgaden Skitourengeher Hinterglemmer Notarzthubschrauber „Martin 6“
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Der Hinterglemmer Notarzthubschrauber „Martin 6“ auf der Lawine am Hocheiskar.

Im Hocheiskar reißt eine Lawine einen 39-Jährigen in den Tod. Doch wie kam es zu dem Unglück bei mäßiger Lawinenwarnstufe? Jörg Fegg, Leiter der alpinen Einsatzgruppe Polizei Berchtesgaden, hat den Fall untersucht und erklärt im Gespräch mit BGLand24.de warum das Hocheis immer wieder Ort tragischer Lawinenunglücke ist.

Ramsau bei Berchtesgaden - Ein tragischer Unfall kostet am Dienstagnachmittag (25. Januar) einem 39-jährigen Skitourengeher das Leben. 100 Höhenmeter unterhalb der Hocheisspitze löst sich im Kar ein rund 150 Meter breites und 200 Meter langes Schneebrett und reißt den Mann aus dem Großraum München mit in die Tiefe. Sein Begleiter muss mit ansehen, wie der Mann rund 400 Höhenmeter durch felsdurchsetztes Steilgelände bis ins Hintereiskar hinabgespült wird. Der 54-Jährige alarmiert sofort die Rettungskräfte und versucht selbst noch, dem Verschütteten zu helfen - doch er hat in dem schwierigen Gelände keine Chance.

Tödlicher Lawinenuanfall in den Berchtesgadener Alpen

Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen
Tödlicher Lawinenunfall in den Berchtesgadener Alpen © Bergwacht Ramsau

Einsatzkräfte der umliegenden Bergwachten, Lawinenhunde, Sanitäter, Polizeibergführer und Hubschrauber begeben sich in den Einsatz, um den Mann zu retten. Doch für den Wintersportler kommt jede Hilfe zu spät. Der Notarzt kann nur noch den Tod des Mannes feststellen. Der Kriseninterventionsdienst steht dem Begleiter des Verstorbenen zur Seite - mehr können auch die Einsatzkräfte nicht tun.

Tödliches Lawinenunglück am Hocheis: „Da haben wir um die Jahreszeit immer Probleme“

Doch wie kam es zu dem Unglück bei einer Lawinenwarnstufe zwei? Der Anstieg auf die Hocheisspitze (2523 m), einem Gipfel des Hochkaltermassivs in den Berchtesgadener Alpen, ist auch im Sommer eine anspruchsvolle und lange Tour für erfahrende Alpinisten. Im Winter gilt sie als schwere und sehr steile Skitour, die vor allem im Spätwinter bzw. Frühjahr begangen wird, wenn sich der Altschnee gesenkt und verfestigt hat. Die Tour verlangt absolut sichere Lawinenverhältnisse. Es kam dort bereits mehrfach zu schweren Lawinenunglücken.

Das bestätigt auch Jörg Fegg, Leiter der alpinen Einsatzgruppe der Polizei Berchtesgaden, gegenüber BGLand24.de. Die derzeitigen Verhältnisse lassen dort eine Skitour nicht zu, so der Polizist. „Das ist ja ein reines Nordkar. Da haben wir um die Jahreszeit immer Probleme. Es ist fast noch zu schattig. Wir hatten dort bereits 2002 ein riesen Unglück mit zwei Toten und inzwischen über die Jahre immer mal wieder Lawinenunfälle mit Gott sei dank keinen Toten, aber Verletzten.“

Zu wenig Schnee und Windverfrachtungen

Im Moment müsse sich der Schnee erst setzen, „da müssen auch Lawinen abgehen“. Mit der Schneemenge baut sich dann auch eine stabilere Schneedecke auf, aber „die hat man um diese Zeit nicht“. Durch die schneearme Zeit mit wenig Niederschlag in diesem Winter hat sich eine Schwachschicht entwickelt. Im Hocheiskar hat sich so eine sehr variable Schneedecke gebildet, die der Wind zusätzlich noch verfrachtet.

Wie es aussieht, hat der Verunfallte den Schneebrettabgang selbst ausgelöst, so Fegg. Bei der Größe des Abgangs - mit rund 150 bis 200 Metern -, „kommen Schneemassen zusammen und dann geht es über felsiges Gelände 400 bis 500 Höhenmeter nach unten.“

„Auch bei Lawinenwarnstufe zwei kann eine Lawine abgehen“

„Es ist halt leider einfach so: Es kann auch bei einer Lawinenwarnstufe zwei eine Lawine abgehen,“ so Fegg. Man muss sich „ganz klar bewusst sein“: Der Lawinenlagebericht ist in fünf Stufen eingeteilt, doch die Lawinenwarnstufe fünf „ist im Endeffekt ein Katastrophenalarm“. Das erklärt Fegg auch in seinen Vorträgen. Und bei nur noch vier übrigen Stufen ist die „zwei“ dann auf einmal kurz vor der Mitte und wesentlich gefährlicher. Das Hocheis ist dabei besonders. „Dieses Nordkar ist eine Sonderlage bei uns in Bayern und im Berchtesgadener Raum.“ Doch der Lawinenlagebericht kann nicht jeden einzelnen Hang einzeln behandeln.

„Es wäre gut, wenn sich die Leute daran halten, was Frühjahrstouren sind. Gerade steile Kare sind im Winter bzw. schneearmen Wintern gefährlicher als wenn es extrem viel Schnee gibt. Dann entlädt sich das relativ schnell und man hat schneller eine stabilere Schneedecke als in einem schneearmen Winter“, so Fegg.

Lawinenkommission: „Schneearme Winter immer gefährlicher“

Die derzeitigen Bedingungen in den Bergen sind alles andere als gut. Das erklärt Thomas Dendl von der Lawinenkommission Saalachtal im Gespräch mit BGLand24.de. „Wenig Schnee bedeutet immer eine gefährliche Situation bei Neuschnee, weil unter anderem die Schneemasse dafür ausschlaggebend ist, wie schnell die Setzungsprozesse in der Schneedecke und die Verfestigung einhergehen. Deswegen sind schneearme Winter immer gefährlicher zu bewerten als welche mit viel Schnee.“

Dazu kommt viel Wind bei wenig Grundlage im Gebirge. „Wir haben auf 1600 m einen knappen Meter Schnee mit vielen verschiedenen Schichten. Dann hatten wir bis 2400 m Höhe Graupel. Dieser wirkt wie ein Kugellager zwischen den Schichten, wird schlecht abgebaut und ist lange in der Schneedecke vorhanden.“

Ausgangslage in den Berchtesgadener Alpen

Generell heißt es in den Berchtesgadener Alpen: „Wenig Schnee, arg windverfrachtet, Graupel bis in die Höhenlagen von 2400 Metern und jetzt Neuschnee am Wochenende - da wird sich die Lawinengefahr auch wieder zuspitzen“, so Dendl. Dazu würden die Temperaturunterschiede und der Wind kommen. „Der Wind ist der Baumeister der Lawinen.“ Auch deswegen sei es diesen Winter sehr schwierig.

Für die zahlreichen Wintersportler kann Dendl derzeit nur empfehlen, „wer bisher auf Skitouren auf Pisten unterwegs war, sollte auch weiterhin die Pisten aufsuchen und erst dann ins Gelände gehen, wenn er einen guten Lawinenkurs gemacht hat, sich mit der Verschüttetensuchtechnik auskennt und auch die Erfahrung hat“. Alternativ empfiehlt Dendl geführte Touren mit Bergführer.

ce

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