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Don Camillo und Peppone in Laufen

Stiftsdekan „störte“ Ramsauers „Predigt“ - Maulkorb für CSU-kritischen Pfarrer

Stadtpfarrer Simon Eibl
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Schon 2015 legte sich Eibl bei der Eröffnung der Polizeiinspektion mit der CSU an, für ihn seien auch Wirtschaftsflüchtlinge Asylberechtigt solange es die Politik nicht schaffe die Fluchtursachen zu bekämpfen.

Es erinnert ein wenig an eine Szene aus dem Spielfilm „Don Camillo und Peppone“ (1952), in der Bürgermeister Peppone sich beim Bischof über den sich ständig in die Politik einmischenden Don Camillo beschwert. In Laufen ist mit Don Camillo Stiftsdekan Simon Eibl gemeint, beschwert hat sich nun allerdings nicht ein Bürgermeister sondern ein Mitglied der Kirchengemeinde.

Laufen - Eibl soll eine Rede des CSU-Bundestagsabgeordneten im Rahmen einer Wahlveranstaltung gestört haben, indem er Fragen an den Abgeordneten stellen wollte während dieser noch seine Wahlkampfrede hielt. Die CSU-Mitglieder empfanden das als Störung und meinten, sie würden die Predigten des Pfarrers ja auch nicht mit Fragen unterbrechen. Die Folge der Beschwerde ist ein Maulkorb für den kritischen Pfarrer.

Die Südostbayerische Rundschau berichtete Mitte August über eine „irritierte CSU“, nachdem Stiftsdekan Simon Eibl die Wahlkampfrede von Peter Ramsauer mit Fragen unterbrechen wollte. Doch  Ramsauer ließ sich nicht unterbrechen, Eibl verließ daraufhin ohne Antworten auf seine Fragen die Veranstaltung. In der „Du kommst aus Laufen, wenn…“-Gruppe auf Facebook stellten sich die meisten Kommentare hinter Eibl und fragten, was er denn hätte wissen wollen.

Eibl antwortete, „ich wollte mit Ramsauer eine Diskussion über wichtige Zukunftsfragen wie Klimawandel, Migration, Artenvielfalt führen. Leider dauerte die „Predigt“ des Abgeordneten zu lange und ich versuchte mit Zwischenrufen eine Diskussion einzuleiten. War leider nicht möglich, da die Anwesenden die Predigt hören wollten“, so der enttäuschte Pfarrer. Er sei aber keinesfalls des Platzes verwiesen worden, vielmehr habe er einen anderen Termin gehabt und hätte so das Ende der Veranstaltung nicht abwarten können. 

Simon Eibl: „Schweigen ist angesagt“

BGLand24.de versuchte nun als Vermittler aufzutreten und wollte die Fragen von Simon Eibl an die CSU und den Bundestagsabgeordneten weiterleiten, „gerne würde ich ein paar Fragen an die CSU stellen, gerne auch per Mail oder sonst ein Medium“, sagte Eibl eine Interviewanfrage noch Anfang September zu. Soweit der Plan. Doch dann machte der Stiftsdekan plötzlich einen Rückzieher, „Schweigen ist angesagt“, so seine Mail-Überschrift, irgendjemand habe sich beim Bischof beschwert, nun habe er einen Anruf von „oben“ erhalten, „ich muss jetzt bis zur Wahl schweigen“. 

Meinungsfreiheit nicht für Priester?

Die Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats München bestätigt den Erhalt einer Beschwerde „aus der Kirchengemeinde“, darin sei „auf als aktiv parteipolitisch bewertbare Äußerungen des Pfarrers hingewiesen worden“, so der Sprecher. Simon Eibl sei daraufhin „lediglich auf das geltende Kirchenrecht hingewiesen worden. Eine freie Meinungsäußerung, vor allem mit Blick auf ein generelles Anhalten politischer Akteure zu einem gerechten Handeln, ist selbstverständlich möglich“.

Das Kirchenrecht sehe grundsätzlich eine „Zurückhaltung von Priestern in parteipolitischen und politischen Themen vor, da Priester überparteilich und für alle Menschen wirken sollen“. Kleriker, das heißt Bischöfe, Priester und Diakone, hätten „die Bewahrung von Frieden und Eintracht, die auf Gerechtigkeit beruhen, unter den Menschen so weit als möglich immer zu fördern“. In einer Erklärung der Deutschen Bischofskonferenz von 1972 werde zudem ausgeführt, dass es abzulehnen sei, „dass sich ein Priester öffentlich innerhalb einer Partei, für eine Partei sowie für die Wahl einer Partei einsetzt“. Das ist Simon Eibl aber auch nicht vorzuwerfen, da er ja nicht für eine Partei eintritt sondern sich einer Partei gegenüber kritisch verhält und meint, „das ‚C‘ bei CSU steht nicht mehr für ‚Christlich‘“. 

Der Pressesprecher des Ordinariats verweist hingegen auch auf ein „Direktorium für Dienst und Leben der Priester“, in dem festgelegt ist, wie die Gefahr einer Spaltung der kirchlichen Gemeinschaft vermieden werden kann: „Der Priester müsse darauf verzichten, sich in Formen aktiver Politik zu betätigen, vor allem wenn dies fast unvermeidlich auf nur einer Seite geschieht. 

hud

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