Zeuge am Amtsgericht Altötting: „Er hat uns terrorisiert“

Rentner (71) aus Burghausen verschickte Sex-Videos seiner Ex-Freundin (46)

Wegen fehlender Freigabe für Facebook-Freundesliste und Blockierungen in Messenger: Ein 71-Jähriger aus Burghausen verschickte Nacktfotos und Sex-Videos seiner Ex-Freundin an deren Bekannte und Verwandte. Nun wurde der verheiratete Rentner vom Amtsgericht Altötting zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.  

Altötting/Burghausen – Unter anderem wegen Nötigung in Tateinheit mit der Verbreitung pornographischer Inhalte wurde am Montag, 1. März, ein 71-jähriger Rentner aus Burghausen schuldig gesprochen. Wegen einiger Vorstrafen und fehlender Einsicht für seine Taten verhängte das Amtsgericht Altötting hierfür eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ohne Bewährung.

Verhandlung am Amtsgericht Altötting: Burghauser verschickt Nacktbilder und Sex-Video der Exfreundin

Im Herbst 2019 haben sich der Rentner und die 46-jährige Geschädigte über Facebook kennengelernt. Rund einen Monat lang kam es dabei auch zu einem intimen Verhältnis, in dem ein Video entstand, in der sich die Geschädigte selbst befriedigt. Zudem schickte sie ihm Nacktbilder. „Verlieb dich nicht in mich, ich habe nicht viel Zeit“, habe die 46-Jährige zum Angeklagten anfangs gesagt. Sie dachte „ältere Männer wären seriös und er behält alles als Andenken für sich“.

Doch laut der Staatsanwaltschaft kam es in der „anfangs harmonischen Beziehungen zu einem Bruch“. Der 71-Jährige wollte Zugriff auf die Facebook-Freundesliste der Geschädigten, die ihr privates Leben jedoch nicht preisgeben mochte. Daraufhin drohte ihr der Angeklagte, er würde das Video und die Bilder an Freunde, Verwandte und den Arbeitgeber schicken, sollte sie seiner Forderung nicht nachkommen. So ist es auch geschehen. „Er hat uns terrorisiert. Er hat nachts angerufen, geklingelt, geschrieben, Fotos und Videos über Facebook oder auf DVD geschickt“, berichtet der Sohn der Geschädigten.

Geschädigte: „Ich bin krank geworden. Mir war alles so peinlich“

Doch nicht nur der Sohn wurde kontaktiert. Der Rentner schrieb von mehreren Facebook-Profilen, um die Blockierungen zu entgehen, auch Freunde und weitere Verwandte an, um ihnen die pornographischen Inhalte zu schicken, vor denen sich die 46-Jährige dann rechtfertigen musste. „Ich bin krank geworden. Mir war alles so peinlich und hatte sogar Gedanken an einen Selbstmord“, schildert die Geschädigte. Auch bei WhatsApp hat er Nacktfotos von der 46-Jährigen als Profilbild eingestellt, damit sie die Blockierung aufhebt.

Dem Angeklagten, der zu dieser Zeit eine Ehekrise hatte, tat diese Beziehung gut. „Manchmal war sie nett, manchmal aber auch gemein. Ich war wohl nur ihr Sexspielzeug und sie hat mich nie geliebt. Ich habe aber nicht bekommen, was sie versprochen hatte. Deshalb habe ich die Videos verschickt“, so der Rentner über seine Tat. Wie es ihm gehe, danach frage niemand. Er sei ja schließlich „der Sittenstrolch“.

Angeklagter ignoriert Kontaktverbot

Es entstand offenbar auch ein weiteres Video, das beide beim Geschlechtsverkehr zeigt. Laut der Geschädigten müsse dies heimlich gefilmt worden sein. Bei einem späteren Treffen habe der Rentner ihr versprochen, die Videos und Fotos zu löschen. „Auf dem Tisch lag eine Schreckschusspistole, vermutlich um mich einzuschüchtern. Ich hatte da schon bisschen Angst“, berichtet die 46-Jährige während der Verhandlung. Als er doch weiterhin die Videos und Fotos verschickt hat, sei sie zur Polizei. Auch einer fremden Person auf einem Parkplatz hat der Rentner das Foto gezeigt.

Sogar ein Kontaktverbot wurde gegen den Angeklagten verhängt. Doch dieser hielt sich mit mehr als 100 Nachrichten nicht an diese Anordnung. Auch an einen gerichtlichen Vergleich, in dem sich beide Parteien verpflichteten, jeglichen Kontakt aufzunehmen, wurde ein paar Wochen vor der Verhandlung vom Angeklagten ignoriert. Er verschickte einen Brief mit einer DVD – mit Nacktfotos und den besagten Videos - erneut an den Sohn mit dem Betreff „Pornostar aus 84489“.

21 Vorstrafen und keine Reue

Dieser Aspekt zeige der Staatsanwaltschaft, dass beim Angeklagten kein Unrechtsbewusstsein vorhanden sei, auch wenn er sich teilweise geständig gezeigt hätte. Diese Zeit wären jedoch „alptraumartige Verhältnisse“ und eine „erhebliche Belastung“ für die Geschädigte gewesen. Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe, da bei den Anklagepunkten ein situativer Zusammenhang vorherrschen würde. Zudem seien immer zwei Personen beteiligt, auch wenn der Angeklagte die Straftaten ausgeübt hat.

In seiner Urteilsbegründung argumentierte der Richter jedoch, dass er keine Einsicht beim 71-Jährigen erkennen würde. „Er fühlt sich als Opfer. Die vielen Nachrichten während des Kontaktverbotes und der Brief kurz vor der Verhandlungen würden zeigen, dass die Sache für ihn noch nicht abgeschlossen ist“, so der Richter. Der Angeklagte habe von seinem Druckmittel „exzessiv Gebrauch gemacht“ und in das Leben der 46-Jährigen massiv eingegriffen. Auch der Sohn wäre als Geschädigter anzusehen. Auch die 21 Vorstrafen (u.a. Diebstahl, Verkehrsdelikte, Urkundenfälschung) würden zeigen, dass der 71-Jährige kein „unbeschriebenes Blatt“ ist, auch wenn die letzte Tat im Jahr 2008 war.

jz

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