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Aufschlussreiche Jahreshauptversammlung

Lage im Seniorenheim St. Martin in Waging nach Corona-Welle wieder unter Kontrolle

Vorne von links): Lucia Lohwieser bietet sich als Pflegeclownin an, 2. Vorsitzende Christine Rehrl, Bürgermeister und Beirat Matthias Baderhuber sowie Schriftführer Heinrich Thaler.

(hinten von links): Kassier Reinhold Obermaier, Pflegedienstleiter und Beirat Josef Frank, Heimleiter Hubert Sailer und der 1. Vorsitzende des Fördervereins Seniorenheim St. Martin.
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Vorne von links): Lucia Lohwieser bietet sich als Pflegeclownin an, 2. Vorsitzende Christine Rehrl, Bürgermeister und Beirat Matthias Baderhuber sowie Schriftführer Heinrich Thaler. (hinten von links): Kassier Reinhold Obermaier, Pflegedienstleiter und Beirat Josef Frank, Heimleiter Hubert Sailer und der 1. Vorsitzende des Fördervereins Seniorenheim St. Martin.

Auch angesichts des zuletzt klar rückläufigen Infektionsgeschehens sieht das RKI noch einen beträchtlichen Infektionsdruck und unterstreicht den Nutzen der Corona-Schutzimpfung. „Der Infektionsdruck bleibt mit knapp 600.000 innerhalb der letzten Woche an das RKI übermittelten Covid-19-Fällen weiterhin hoch“, mahnte die Behörde vor einigen Tagen. Die Impfung habe nach wie vor „aufgrund ihrer hohen Schutzwirkung vor einem schweren Verlauf auch bei Erkrankungen durch die Omikron-Variante nicht an Bedeutung verloren“.

Waging - So sahen dies auch Mitglieder des Waginger Fördervereins St. Martin auf ihrer Jahreshauptversammlung. Grund dafür war der jüngste Corona-Ausbruch im Seniorenheim St. Martin, bei dem vor einigen Tagen aufgrund der vielen infizierten Mitarbeitern vom Gesundheitsamt der Katastrophenfall ausgerufen wurde, obwohl die Impfquote in dieser Einrichtung wie überall im Gesundheitswesen sehr hoch ist, deutlich höher jedenfalls als in der Gesamtbevölkerung. „Da die alten Menschen und damit auch die Bewohner von Pflegeheimen die am stärksten gefährdete Gruppe in der Pandemie seien, empfehle die Heimleitung allen Bewohnern und allen Mitarbeitern sich impfen und boostern zu lassen“.

Während zu Beginn der ersten Corona-Welle viele Menschen und darunter besonders viele ältere, pflegebedürftige gestorben seien, sei es beim jetzigen Ausbruch im Seniorenheim zu keinem einzigen Todesfall und nur vereinzelt zur Hospitalisierung gekommen. „Wie man sieht, hilft die Impfung.“ „Die vielen positiv Getesteten haben die Mitarbeiter aber vor große Herausforderungen gestellt“, die letztlich aber gut gemeistert werden konnten“, betonte der Vorsitzende des Fördervereins Seniorenheim St. Martin, Hans Kern.

Lob für die Angestellten

Daher gab es für die vielen verantwortungsbewussten und am Limit arbeitenden Angestellten der Einrichtung ein großes Lob vonseiten des Fördervereins. Der Dank richtete sich auch an die vielen Pflegehelfer, die zur Bewältigung der Krise von außen hinzugezogen worden waren.

Weil so viele Mitarbeiter des Pflegeheims sich mit dem Virus ansteckten, erkrankten und/ oder in Quarantäne mussten, hätten externe Kräfte die Betreuung der Bewohner einer ganzen Etage übernehmen müssen, was nur durch eine Verlegung auf andere Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser möglich gewesen wäre. „Der Leiter des Gesundheitsamtes Traunstein, Dr. Wolfgang Krämer, hat sich aber glücklicherweise erfolgreich an verschiedene Einrichtungen der Region gewandt und zum Einsatz in St. Martin aufgerufen, obwohl der Markt so gut wie leergefegt ist“, informierte Sailer. Insgesamt 13 junge Leute von diversen Berufsfachschulen für Pflegeberufe seien dann umgehend zum Helfen gekommen. „Die Schüler waren sehr, sehr hilfsbereit und zeigten großes Entgegenkommen auch hinsichtlich der Übernahme von Schichtdiensten.“

Zudem erhalte der Pflegedienst aktuell weitere Hilfe von vier Pflegekräften aus Leiharbeitsfirmen. „Demnächst sollen zwei weitere hinzukommen.“ Mit diesem Personal und den wenigen eigenen Mitarbeitern, die nicht krank oder in Quarantäne sind, erhalte man den Betrieb der Einrichtung aktuell aufrecht. Dies funktioniere gut. „Die Heimaufsicht ist jedenfalls bisher mehr als zufrieden.“ So lasse sich auch das Verlegen von Heimbewohnern verhindern. „Ich hoffe, dass sich in den nächsten Tagen wieder alles normalisiert und unser Stammpersonal wieder einsatzfähig ist. Bis dahin gelte ein Aufnahmestopp, von den zurzeit verfügbaren 110 Betten dürfen nur 96 belegt sein.

„Die Sache ist im Griff“

„Jetzt haben wir die Sache nochmals in den Griff gekriegt, sagte Sailer nicht nur mit Blick auf die Lockerungen von Corona-Regeln. „Aber was uns im kommenden Herbst droht, daran wage ich nicht mal zu denken.“ Er meinte damit, dass es einfach viel zu wenig Pflegekräfte gibt und die wenigen, die es gibt, in Corona-Zeiten einer Mehrfachbelastung ausgesetzt sind. „Auch die Bestimmung, dass nach nur fünf Tagen Quarantänezeit die Arbeit wieder aufgenommen kann“, sei wohl ein wenig utopisch.

Trotz allem sind Besuche in der Einrichtung möglich. Sailer bat aber sich an die etwas eingeschränkten Besuchszeiten zu halten, weil es auch unglaublich viel Kraft und Mühe koste, die strengen Hygieneauflagen und Corona-Bestimmungen einzuhalten, zu kontrollieren und zu dokumentieren. Dadurch bleibe weniger Zeit für die Pflege.

Bei seinem Rückblick auf das Jahr 2021 erinnerte Pflegedienstleiter Josef Frank an die durchaus zahlreichen Veranstaltungen und Aktionen für die Heimbewohner, die unter Beachtung der strengen Regelungen verwirklicht wurden. „Vieles davon ist nur durch die finanzielle Unterstützung des Fördervereins möglich.“ Unter anderem fanden ab dem 2. Quartal wieder Gottesdienste in der Hauskapelle statt. Es gab einen Ausflug an den Waginger See, die monatlichen Geburtstagsfeiern, ein Oktoberfest, sommerliche Grillfeste, den Besuch des Lions Clubs, der Pferde zum Streicheln mitbrachte, die beliebte Plätzchen-Bäckerei in der Adventszeit oder auch den Besuch des Nikolaus’.

„Allerdings musste jemand aus dem Haus die Rolle von Nikolaus und Krampus übernehmen.“. Am Heiligen Abend sei jeweils eine Christandacht auf allen drei Stationen gehalten worden. „Natürlich gabs anschließend eine Bescherung“, sagte Frank. Er informierte auch über die Anschaffung von pflegerischen und beschäftigungstherapeutischen Gegenständen und Hilfsmitteln, die den Senioren den Aufenthalt in der Einrichtung erleichtern und angenehmer machen, für die aber keine offiziellen Etatmittel bereitstehen. „Da ist wieder der Förderverein eingesprungen.“

Zwei neue Pflegerollstühle

Der Verein habe zwei Pflegerollstühle im Wert von 6.000 Euro beschafft und zwei Jahres-Abonnements von Tageszeitungen finanziert. Überdies freue sich die Einrichtung über die neue VR-Brille, mit der man älteren Personen in der virtuellen Realität Erlebnisse ermöglichen, die sie auf Grund ihrer physischen oder psychischen Verfassung nicht mehr real erleben können. Beispielsweise durch den Wald oder den Garten zu spazieren. Der Förderverein habe auch Aroma-Öle für Dufttherapien und Sportartikel besorgt, mit denen sich die Betagten fit halten können.

„Wie unschwer zu erkennen, haben wir den Fokus im vergangenen Jahr eher auf materielle Unterstützung gelegt“, verdeutlichte Hans Kern. Neben den bereits genannten Anschaffungen habe der Verein auch noch drei Tablets, einen CD-Player und verschiedene CDs erworben.

Die Höhe der Ausgaben für all diese Dinge liege bei etwa 17.000 Euro. Das Geld, das zu einem großen Teil aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden stamme, diene dazu, dass das Seniorenheim ein Ort bleibt, in dem Menschen zuhause sind und in dem sie einen möglichst abwechslungsreichen Alltag erleben. „Jede Spende leistet dazu einen Beitrag“, sagte Kern und dankte allen ehrenamtlich tätigen Vereinsmitgliedern und Spendern. Einen Dank sprach Kern auch den Mitarbeitern des Seniorenheims und der Heimleitung aus. Ihre Leistung verdiene große Anerkennung. Und wie man in diesen für die Einrichtung höchst schwierigen Zeiten sehe, sei es auch sehr wichtig, dass die Gemeinde immer zu ihrem Heim steht.

„Das Wohl der Bewohner stehe für ihn und den Gemeinderat an erster Stelle“, hob Bürgermeister Matthias Baderhuber hervor. Er bedauere, dass das Corona- Virus nach wie vor das Geschehen im Heim, dessen Träger die Marktgemeinde ist, bestimme. Die angespannte Situation in Waging belege generell das Fehlen von Pflegekräften. Baderhuber mahnte, „das Pflegepersonal ist ausgebrannt und braucht dringend Erholung“.

Große Pläne für die Zukunft

Laut Kern hat sich der Förderverein auch für heuer einiges vorgenommen. Dazu zählt ein dreigruppiger Sommer-Ausflug in den Kurpark von Bad Reichenhall.

Den Alt-Tag lebenswerter machen kann auch ein sogenannter Pflegeclown, wie er heute in der modernen Altenpflege zum Einsatz kommt. In dieser Art der Clownerie ausbilden ließ sich Lucia Lohwieser aus Weibhausen, die aktuell ein Praktikum im Waginger Seniorenheim absolviert, um danach eigenständige Clown- Visiten anbieten können. Die Ausbildung sei notwendig. So erreiche sie alte und pflegebedürftige Menschen mit viel Empathie und Kreativität und gebe Impulse für neues intensives Erleben. So werde das Leben und Arbeiten mit pflegebedürftigen Menschen in vielen Bereichen leichter, sagte Lohwieser und warb im Förderverein, sich von den positiven Effekten überzeugen zu lassen. Die Vorstandschaft will sich überlegen, ob sie den Clown-Einsatz finanziell unterstützt.

Der größte Teil an Spendengeldern gehe bei Trauerfeiern ein, bei denen Angehörige bitten, auf Blumen und Kränze zu verzichten und stattdessen dem Seniorenheim einen Geldbetrag zukommen zu lassen.

„Ein typischer Beweis dafür, dass die Senioren in der Einrichtung bestens versorgt werden, ist die hohe Spendenbereitschaft der Angehörigen, wenn Bewohner des Seniorenheims zu Grabe getragen werden“, sagte Kassier Reinhold Obermaier. Aus seinem Finanzbericht für das Jahr 2021 ging hervor, dass der Förderverein trotz der genannten Anschaffungen finanziell gut dasteht. Ende des letzten Jahres zählte der Verein 404 Mitglieder und damit drei weniger als im Vorjahr. Die Zahl veränderte sich, weil es zwölf Neuzugänge, drei Austritte und zwölf Sterbefälle gab.

In einer Schweigeminute gedachte die Versammlung der zwölf zuletzt verstorbenen Mitglieder. Abschließend machte die als Gemeindereferentin für die Seniorenpastoral im Landkries Traunstein zuständige Waltraud Jetz-Deser auf den ökumenischen Gottesdienst zum internationalen Tag der Pflege aufmerksam. Diesen Gottesdienst feiere man am 12. Mai um 19 Uhr in der Stadtpfarrkirche St. Oswald in Traunstein. Die evangelische und katholische Kirche möchten an diesem Tag den Mitarbeitenden in der Pflege, den pflegenden Angehörigen für ihren wertvollen Dienst danken. Der Gottesdienst richte sich auch an alle, die diesen Dienst am Nächsten unterstützen wollen, sagte die Gemeindereferentin. Zusammen mit der evangelischen Pfarrerin Hannah von Schroeders halte sie am gleichen Tag einen weiteren Wortgottesdienst um 10 Uhr im Garten des Seniorenheims.

Caruso