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„Siebenfache“ Mutter von Beruf

Christine Ferroggiaro ist Hausmutter im Kinderdorf in Irschenberg

Hausmutter Christine Ferroggiaro mit ihrer Tochter
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Hausmutter Christine Ferroggiaro mit der Ältesten vor ihrem Haus. Während der Jüngste noch in die Krippe geht, hilft die 15-Jährige, die Truppe bei einer gemeinsamen Radtour zusammenzuhalten. Sie erklärt den jüngeren Kindern auch schon einmal die Regeln im Kinderdorf.

Am 9. Mai ist Muttertag. Wie der bei jemanden aussieht, der von Beruf Mutter ist, berichtet Christine Ferroggiaro. Sie ist Hausmutter im Kinderdorf in Irschenberg.

Pressemitteilung im Wortlaut:

Irschenberg - Seit September 2019 arbeitet sie dort und ist eine der Hausleitungen in der oberbayerischen Jugendhilfeeinrichtung. Derzeit leben bei ihr in Haus 6 sieben Mädchen und Jungen im Alter zwischen drei und 15 Jahren, die aufgrund von Schicksalsschlägen oder Notlagen nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können. Neben den betreuten Kindern und Jugendlichen lebt ihr achtjähriger Sohn Elias im Haushalt.

Die in Nürnberg geborene und nun „siebenfache“ Mutter versucht nach eigener Aussage, alles so zu machen, wie es die eigene Mama machen würde – immer für alle da zu sein. Zwei ihrer Kinder haben noch ihre leibliche Mutter. Für sie basteln die Kleinkinder zum Muttertag etwas im Caritas Kindergarten. Zuhause wollen sie gemeinsam noch eine Grußkarte gestalten, die sie ihr mit dem Gebastelten schicken werden. Das ist der Kinderdorfmutter wichtig: „Klar machen wir etwas für sie. Die Mutter gehört immer dazu, sie ist immer präsent“. Im Idealfall sollen die Kinder zu ihr zurückkehren, so bald die Herkunftsfamilie ihnen wieder den stabilen Rahmen bieten kann. Anders verhält es sich bei den vier Kindern, die keine Mutter mehr haben. Da übernimmt Ferroggiaro auch an Muttertag gerne die Rolle der Mutter.

Du bist die, die für mich sorgt und deshalb bekommst du ein Geschenk. Diesen oder einen ähnlichen Satz aus Kindermündern werden viele der Hausmütter an diesem Tag hören. „Oftmals bedenken unsere Mädchen und Jungen an Muttertag ihre eigene Mutter und die „Ersatzmama“ mit einer kleinen Aufmerksamkeit“, weiß die stellvertretende Dorfleiterin Annette Ehnes.

Bevor Christine Ferroggiaro die Stelle als Kinderdorfmutter annahm, hat sie mit ihrem Sohn eine Woche in Irschenberg hospitiert. Elias gefiel die Idee, im Kinderdorf zu leben und die Beiden nahmen zunächst drei Geschwister bei sich auf. Im Laufe der Zeit kamen eine Jugendliche und im Anschluss zwei Brüder dazu. Die Mutter mit immer mehr Familienmitgliedern teilen zu müssen, fiel ihrem Sohn zwischendurch nicht ganz leicht. Durch Gespräche und bewusster, intensiver gemeinsamer Zeit mit ihrem Sohn kann dieser nach Einschätzung seiner Mutter seine Rolle in der Wohngruppe nun gut einordnen. Sie findet, dass die Großfamilie mittlerweile eine Bereicherung für ihn darstellt und seine sozialen Kompetenzen dadurch gestärkt werden.

Die Sozialpädagogin hat nach ihrem Studium unter anderem in mehreren stationären Wohngruppe im In- und Ausland gearbeitet und bereits damals mit dem Gedanken gespielt, den außergewöhnlichen Berufsweg einer Kinderdorfmutter einzuschlagen. Heute gefällt es ihr, wie sagt, 24 Stunden mit einem Kind zusammen zu sein, es ganzheitlich kennenzulernen, es zu erziehen und zu unterstützen. Die 42-jährige genießt es, jemanden ins Bett zu bringen, eine Geschichte vorzulesen, gemeinsam zu beten und den Tag friedlich zu beenden. Nach einem freien Wochenende mit Elias freut sie sich, zurück zu ihrer Familie zu kommen und schwärmt: „Das sind für mich die schönsten Momente. Da ist so viel Freude und Energie drin, wenn sie auf dich zu rennen und sagen: Schön, dass du wieder da bist! Das sind absolute Glücksmomente. Und ich weiß, es passt alles so, wie es ist.“

Die Gemeinschaft im Kinderdorf empfindet sie als sehr bereichernd. Dass dort mehrere Pädagog*innen das Gleiche machen, man sich austauschen kann und jeder etwas anderes einbringt im „Dorf, das die Kinder erzieht“, ist für sie ein Mehrgewinn. Wären nicht die pandemiebedingten massiven Einschränkungen, dann würde man dort in diesem Jahr wohl den Muttertag wie so oft gemeinsam mit einem Gottesdienst feiern. Daher ist auch bei Christine Ferroggiaro der Wunsch nach Normalität groß: „Es ist etwas anderes, ob ein Haus feiert oder ob ein ganzes Dorf feiert.“ Gemeinsam wieder etwas auf die Beine zu stellen, das ist unser Dorfleben. Wir gehören einfach zusammen.“

Wenn das wieder eintritt, dann wird es für sie einen weiteren Glücksmoment im Kinderdorf geben. Ein Glücksmoment, auf den sich viele freuen.

Caritas Kinderdorf Irschenberg

Die 11 Kinderdorffamilien sind seit der Corona-Pandemie in sechs “Sektoren-Gemeinschaften“ eingeteilt, die untereinander keinen Kontakt pflegen sollen. Die Hausmütter, Hauseltern und Hausväter wohnen alleine, mit Ehepartner, mit oder ohne eigene Kinder in einem eigenen Haus im Grünen auf dem großzügigen Kinderdorfgelände. Die Wohngruppen erhalten tägliche Unterstützung durch Erzieher*innen und Haushaltshilfen. Interne Fachdienste, wie der heilpädagogische Bereich, die Freizeit- und Erlebnispädagogik und Psycholog*innen stehen den Häusern unterstützend zur Seite. Das 1972 gegründete Caritas Kinderdorf in Irschenberg beherbergt derzeit rund 80 Kinder und Jugendliche.

Pressemitteilung Caritas Kinderdorf Irschenberg

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