Vorfälle bei Tittmoning hören nicht auf

"Die Rehe gehen elendig zu Grunde": Jäger sauer wegen wildernder Hunde

+
Foto eines von Hunden gerissenen Rehs im Januar 2019 bei Traunreut. Die Jäger bekommen den kontrollierten Abschuss von Rehen vorgeschrieben. Ziel ist die Verbissschäden in den Wäldern gering zu halten. 

Tittmoning - Immer wieder werden an der Salzach Rehe von Hunden gerissen - auch ein Kuhkalb traf es vor kurzer Zeit. Jagdvorstand Norbert Huber fordert endlich ein härteres Durchgreifen.

Gleich zwei Tote Rehe nahe der Salzach, die Polizei sprach von "massiven Fraßspuren" an den Tieren - Fälle wie dieser vom Sonntag, 19. Januar nehmen in Tittmoning kein Ende und sie bringen Norbert Huber auf die Palme. "Wir haben eine Anleinpflicht, aber wer kontrolliert die schon?", fragt der Jagdvorstand von Tittmoning und Kirchheim im Gespräch mit chiemgau24.de. 


Neugeborenes Kuhkalb "zernackelt" aufgefunden

Huber vermutet, dass die Hundehalter auf die früh hereinbrechende Dunkelheit warten, um die Tiere unerkannt von der Leine zu lassen. Drum seien vor allem in den Wintermonaten immer wieder tote Rehe zu beklagen - aber nicht nur das: "Im November hat in der Nähe vom Sportpark ein Hund sogar ein Kuhkalb getötet, das in der Nacht zur Welt gebracht wurde. In der Früh ist es dann 'zernackelt' aufgefunden worden", so der Jäger. 

"Oft wissen wir ziemlich sicher, wer die Hundehalter sind. Aber wir müssen die auf frischer Tat ertappen", so Norbert Huber. Und auch dann muss erst das Ordnungsamt oder die Polizei anrücken, denn Jäger dürfen die Leute natürlich ansprechen, aber festhalten dürfen sie sie nicht. Er würde sich Wünschen, dass die Behörden auch von sich die Anleinpflicht mehr kontrollieren. "Mitte November hat ein Jäger-Kollege es zumindest mal geschafft, die Halterin von fünf freilaufenden Hunden anzuzeigen", erzählt Huber. Von der Stadt setzte es daraufhin ein Verwarngeld. 


Hundehalter "lachen einen aus"

Funktioniert es, die Halter freilaufender Hunde direkt anzusprechen? "Nein, die lachen einen aus. Als Jäger ist man ja nur der Böse", so Huber. Dabei würden gerissene Rehe oft "elendig zu Grunde gehen". Der Jagdvorstand erzählt von einem Fall, bei dem einem Reh ein Fuß abgebissen wurde und es noch tagelang lebendig herumlag. Er hat den Verdacht, dass Hundehalter sogar aus Burghausen anreisen, weil die Anleinpflicht dort strenger kontrolliert würde als in Tittmoning.  

Tatsächlich weiß Huber auch von einem Fall vor zehn Jahren, bei dem ein Jäger zum letzten Mittel griff: Nördlich von Tittmoning wurde ein wildernder Hund erschossen. "Wir haben das der Hundehalterin auch ganz offen gesagt und sie akzeptierte es", erzählt Huber. Die rechtliche Lage sei aber schwierig. Florian Höllthaler, Jäger aus Nußdorf, erklärte gegenüber chiemgau24.de: Erst wenn ein Hund das Reh bereits gefangen hat, darf geschossen werden. Bei der Jagd noch nicht. Doch muss es soweit kommen?

Die Anleinpflicht in Tittmoning gilt für Hunde mit einer Schulterhöhe von mindestens 50 Zentimetern. Sie sind auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen anzuleinen - unter anderem im gesamten Bereich östlich der B20.

xe

Quelle: chiemgau24.de

Kommentare