Post bezieht Stellung zu Vorfall in Miesbach

Kinder nicht erlaubt? Alleinerziehender Vater wird mit Tochter (4) aus Postfiliale verwiesen

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Ein alleinerziehender Vater wurde zusammen mit seiner vierjähriger Tochter einer Postfiliale in Miesbach verwiesen. Grund dafür war, dass Kinder in der Filiale, in Zeiten von Corona, nicht mehr erlaubt sind. 

Miesbach - Ein alleinerziehender Vater wollte zusammen mit seiner vierjährigen Tochter ein Paket in einer Postfiliale abgeben. Doch das Duo wurde sofort aus dem Laden verwiesen, weil der Zutritt für Kinder offenbar nicht mehr erlaubt ist. Doch was sagt die Deutsche Post dazu?

Die Coronakrise hat Deutschland und auch Bayern fest im Griff. Um die Infektionsketten zu unterbrechen und Neuinfektionen zu vermeiden mussten am 21. März viele Geschäfte wie Baumärkte, Boutiquen und Friseursalons vorübergehend schließen. Von diesen Maßnahmen blieben systemrelevante Betriebe wie Supermärkte, Tankstellen und auch Postfilialen verschont, da sie der täglichen Grundversorgung dienen. 


In einer Postfiliale in Miesbach machte unser Leser Joachim ein für ihn unverständliches Erlebnis, welches ihn "fassungslos, wütend und anschließend nachdenklich und nachhaltig verärgert zurück ließ". 

Zettel an Postfiliale in Miesbach: "Lassen sie Kinder ausnahmsweise draußen"

Da die Postfilialen derzeit hoch frequentiert sind, bilden sich dort oft lange Schlangen - so auch vor der Filiale am Marktwinkl in Miesbach. "Wenn ein Kunde rauskommt, geht der andere hinein. Mit dem Mindestabstand ist das in diesem Moment etwas schwierig, da die Tür immer zu ist (auch bei schönstem Wetter) und von Hand geöffnet werden muss, da es keinen automatischen Türöffner gibt", so Joachim gegenüber rosenheim24.de. 


Mitte April wollte der alleinerziehende Vater zusammen mit seiner knapp fünfjähriger Tochter ein großes Paket aufgeben. An der Eingangstür entdeckt er mehrere Zettel, die auf die momentane Corona-Situation Bezug nehmen: "Liebe Mütter und Väter bitte nehmen Sie Rücksicht auf die anderen Kunden und lassen die Kinder ausnahmsweise draußen, bis alles wieder normal läuft. Vielen Dank". Die Zettel weisen auch daraufhin, bitte einzeln einzutreten und den Mindestabstand einzuhalten.

Angestellte schickt Vater und Tochter (4) aus Filiale

Trotz der Hinweiszettel betrat er mit seiner Tochter die Einrichtung. Die Reaktion einer Frau hinter dem Tresen ließ nicht lange auf sich warten. Sie winkte ab und erklärte ihm, dass Kinder draußen bleiben müssten. "Ich entgegnete ihr, dass ich eine Vierjährige nicht alleine draußen auf der Straße lasse. Da das Schaufenster und die Tür fast blickdicht verrammelt sind und der Sichtkontakt nach draußen nicht möglich ist", schildert Joachim gegenüber rosenheim24.de die Situation.

"Schließlich lasse ich meine Tochter auch nicht alleine in der Wohnung." Doch die Angestellte wollte nicht diskutieren, verweigerte die Annahme des Paketes und schickte Joachim aus der Filiale

"Ich habe noch ein paar Mal versucht, nach dem Sinn ihrer Maßnahme zu fragen", so der alleinerziehende Vater. Doch die Frau sagte lediglich zu ihm: "Wenn mit mir was ist, dann ist bald halb Miesbach in Quarantäne. Das ist mein Geschäft, und jetzt raus!"  

Für Joachim bleibt dieses Verhalten unverständlich. "Offenbar sind Kinder für die Angestellte die größten Virenüberträger. Ich persönlich glaube das nicht, da Kinder in Zeiten geschlossener Kindergärten und Kontaktverboten, eher weniger Kontakt zu anderen Menschen haben als Erwachsende, die weiterhin zum Einkaufen oder in die Arbeit gehen." 

Wenig später versuchte er sein Glück in der Poststelle im Manhardtwinkel in Miesbach. Hier konnte er sein Paket dann ohne Probleme aufgeben - mit offener Tür, Kind und ausreichend Abstand. 

Kinder nicht mehr in Filialen erlaubt? Post bezieht Stellung

Doch sind Kinder in Zeiten der Coronakrise nicht mehr in den Filialen der Deutschen Post erlaubt? Unser Leser kontaktierte den Kundenservice der Deutschen Post und erhielt folgende Antwort: "Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass wir aufgrund der Coronakrise unser bestmögliches versuchen, die Infektionsgefahr zu schmälern. Hierzu haben wir beschlossen, dass Kinder nicht mehr unsere Filiale betreten dürfen, damit wir hierfür vorsorgen können. (...) Dies haben wir auch über ein Schild in unserer Filiale markiert um dies vorzubeugen. Wir bitten unsere Mitarbeiterin für ihr grobes Verhalten zu entschuldigen, da sich unsere Kollegin nur an unsere Vorsichtsmaßnahmen gehalten hat."

Auf offizielle Anfrage erklärt Dieter Nawrath, Pressesprecher der Deutsche Post DHL Group, gegenüber rosenheim24.de: "Die Sicherheit unserer Mitarbeiter, Partner und Kunden steht für uns an erster Stelle. Aus diesem Grund treffen wir auch in unseren Partner-Filialen geeignete Schutzmaßnahmen und geben Hinweise, wie die vom Robert-Koch-Institut empfohlenen Sicherheitsvorkehrungen in unseren Partner-Filialen wirksam umgesetzt werden können. (...) Derzeit statten wir unsere Partner-Filialen (...) mit Schutzwänden für den Tresen- und Thekenbereich aus. (...) Damit bleibt der Zugang zu Post- und Paketdienstleistungen in einem Umfang erhalten, der weit über den für Krisenfälle vorgesehenen hinausgeht. Unsere Partner haben weder unfreundlich oder kinderfeindlich gehandelt."

Auf die erneute Frage, ob Kinder nun die Filialen der Deutschen Post gar nicht mehr betreten dürfen oder ob jeder Betreiber das selbst entscheiden darf, erhält unsere Redaktion nur die Antwort, dass "im geschilderten Fall individuell korrekt gehandelt" worden sei

Erfreulicher Besuch in Brannenburger Postfiliale

Wenige Tage nachdem Joachim und seine Tochter der Postfiliale in Miesbach verwiesen wurden, ging er in eine Filiale in Brannenburg. 

Auch dort dürfen Kunden nur einzeln eintreten. Die Tür ist aber weit geöffnet und das Schaufenster transparent. Die Frage, ob für Kinder der Zutritt verboten sei, verneinte die Angestellte. "Kinder leben ja eh im gleichen Haushalt und man kann sie ja nicht alleine draußen stehen lassen", so die Mitarbeiterin. Laut unserem Leser wusste die Frau nichts von einer angeblichen Anweisung, dass Kinder nicht in Postfilialen dürften. 

jg

Quelle: rosenheim24.de

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