"Rollläden unten, obwohl heimische Familien Bedarf haben"

Entscheidung gefallen: Ruhpolding verbietet künftig Zweitwohnsitze

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Fotomontage: Justus Pfeifer (links) und Bürgermeister Claus Pichler.
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Ruhpolding - Die Entscheidung ist gefallen, die Verordnung strikt: Nach Berchtesgaden ist Ruhpolding nun die zweite Gemeinde Bayerns mit einem künftigen Verbot von Zweitwohnsitzen.

In Ruhpolding ist es künftig verboten, einen Zweitwohnsitz anzumelden. Mit einer deutlichen Mehrheit von 16:2 Stimmen sprach sich der Gemeinderat am Dienstag für die neue Satzung aus. Bei Verstößen droht eine Strafe von bis zu 50.000 Euro. Die Satzung wird umgehend in Kraft treten, schon bestehende Zweitwohnungen sind davon aber nicht betroffen.

"Druck vom Immobilienmarkt etwas nehmen"

"Wir sind damit sehr zufrieden", so Gemeinderat Justus Pfeifer im Gespräch mit chiemgau24.de. Er sprach sich im Gremium als erster offen für eine solch strikte Regelung aus: "Jetzt können wir den Druck vom Immobilienmarkt etwas nehmen. Es stört uns einfach, dass so viele Rollläden herunten sind, obwohl bei heimischen Familien ein großer Bedarf besteht."

349 Personen mit Zweitwohnsitz gibt es in Ruhpolding aktuell, bei 7100 Einwohnern mit Hauptwohnsitz. Vermietern ist es künftig verboten, als Personen mit "auswärtigem" Hauptwohnsitz zu vermieten, das gleiche gilt für Bauherren beim Verkauf von Häusern. Den Haupt- oder Erstwohnsitz hier zu haben heißt, mindestens die Hälfte des Jahres in Ruhpolding zu verbringen

Verdrängungswettbewerb zu Lasten heimischer Familien

Die Regelung gilt für alle Wohngebiete in Ruhpolding, nur der Außenbereich, wo Landwirte siedeln, ist ausgenommen. Die Verordnung lässt aber Ausnahmen zu. Pfeifer: "Eine Ausnahme wäre zum Beispiel, wenn jemand wo anders seinen Hauptwohnsitz hat und nur als Saisonarbeiter in der Gastronomie in Ruhpolding ist." Kontrolliert werden soll in erster Linie durch die Gemeinde über das Meldewesen.

"Wir wollen möglichst wenig Zweitwohnungen bei uns", bekannte sich auch Bürgermeister Claus Pichler vor kurzem gegenüber der Redaktion. Ruhpolding ist nach Berchtesgaden die zweite Gemeinde in Bayern mit einem kompletten Verbot von künftigen Zweitwohnsitzen. Auch einige Orte am Tegernsee überlegen bereits, auf den Zug aufzuspringen. "Es ist ein Problem, dass gerade in touristisch beliebten oberbayerischen Orten ein Verdrängungswettbewerb zu Lasten der jungen einheimischen Bevölkerung stattfindet", so Wilfried Schober, ein Sprecher des Bayerischen Gemeindetages zur Thematik. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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