Inhaber von Trostberger Bäckerei mit emotionalem Appell

"Bitte vergesst uns nicht" - Wie selbstständige Lebensmittelhändler mit der Krise zurechtkommen

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Frank Lehrbach wendete sich in einem emotionalen Facebook-Post an seine Kunden und Mitbürger.

Trostberg/Landkreise - Die Coronavirus-Krise trifft die Unternehmen in der Region hart. Auch private Lebensmittelgeschäfte kämpfen ums Überleben.

Frank Lehrbachs Brothaus aus Trostberg steht für echte Tradition. Seit 1875 ist das Unternehmen im Chiemgau ansäßig und seit jeher in Familienhand. Beständig über die Jahrhunderte gewachsen umfasst die Firma im Moment sechs Filialen. 


Doch nun geht es für die Chiemgauer Bäckerei ums Überleben. In einem Video, dass auf Facebook veröffentlicht wurde, richtet sich Geschäftsführer und Inhaber Frank Lehrbach direkt an seine Kundschaft und seine Mitbürger: "Wir beschäftigen im Moment 150 Leute, und haben mit einem Umsatzrückgang von 50 Prozent zu kämpfen", berichtet Lehrbach in dem emotionalen Appell. 


So wie ihm geht es vielen traditionsreichen Lebensmittelgeschäften in der Region. 

Auch die Metzgerei Lohberger aus Rosenheim, seit 1961 eine Institution für Fleischwaren, muss aufgrund der angespannten Situation Abstriche machen. "Wir haben alle unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt", berichtet Lukas Lohberger. Man habe auf einen Zwei-Schicht-Betrieb umgestellt. "Wir müssen jetzt von Tag zu Tag schauen, die Zahlen sind aktuell nicht gut, aber noch im Rahmen". 

Für die nächsten vier Wochen sei man noch gut aufgestellt, danach könne es schwierig werden. "Wir müssen abwarten, welche Unterstützung von der Regierung kommt."

Allgemein sieht Lohberger jedoch einen Trend im Einkaufsverhalten seiner Kunden, die Leute würden bewusster einkaufen.

Obst- und Gemüsehandel schlägt sich wacker

Weit weniger schlimm sieht die Lage beim Rosenheimer Gemüsehändler "Agrar 80/20" aus: "Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir tatsächlich Zuwächse verzeichnen können", so Inhaber Benjamin Woelk. "Ich habe den Eindruck, dass die Leute noch mehr darauf achten, regional einzukaufen." Positiv sieht Woelk ebenfalls den Beschluss der Regierung, dass Wochenmärkte, wie beispielsweise in Bad Aibling, weiter stattfinden dürfen. "Die Leute wollen an der frischen Luft einkaufen." Der Gärtnermeister vermutet, dass der Obst- und Gemüsehandel auch wegen den Ausgangsbeschränkungen ein Stück weit profitieren könnte: "Die Leute sind jetzt zuhause und kochen."

Doch zurück zu Frank Lehrbachers Brothaus. Auch Lehrbacher hat in seinem Geschäft, wie so viele mittelständische Unternehmer, Kurzarbeit eingeführt, man habe zwei Teams gebildet, die sich abwechseln. 

Die Situation ist für ihn sichtbar nicht einfach, wie in dem Video zu erkennen ist, er ist sichtlich ergriffen von der aktuellen Lage. In dem Facebook-Post zum Video schreibt er: "Danke meinem Team, das in diesen echt schwierigen Tagen sein Bestes gibt! Trotz Kurzarbeit, Einschränkungen, Kinder daheim und dem Risiko, dem man sich aussetzt. Ihr seid’s der Hammer!"

Die größte Befürchtung ist für Lehrbacher, dass er Angestellte entlassen muss und dass sich die Ausgangsbeschränkung noch länger hinzieht.

Der Unternehmer versucht für seine Kunden den Einkaufskomfort hochzuhalten: "Weiterhin wollen wir die Kunden mit einem Lächeln empfang trotz der schwierigen Zeit für uns alle. Die Kunden sind sehr sensibel was die Handhabung mit Bargeld angeht und das Verkaufspersonal gibt acht das nie zu viele Kunden im Verkauf sind. Auch auf dem Mindestabstand geben Kunden sowie Verkaufspersonal acht."

Kritische Infrastruktur - Was ist das?

Die Lebensmittelbranche zählt wie die Gesundheitsbranche zu den sogenannten "kritischen Infrastruktur". Laut Defintion des Bundesamtes für Bevölkerunsschutz und Katastrophenhilfe bedeutet das "Kritische Infrastrukturen (KRITIS) sind Organisationen oder Einrichtungen mit wichtiger Bedeutung für das staatliche Gemeinwesen, bei deren Ausfall oder Beeinträchtigung nachhaltig wirkende Versorgungsengpässe, erhebliche Störungen der öffentlichen Sicherheit oder andere dramatische Folgen eintreten würden."

Stille Helden

Wie in allen Bereichen der kritischen Infrastruktur gibt es im Moment stille Helden. Diejenigen, die täglich am Supermarkt an der Kasse sitzen, diejenigen, die in den Bäckereien und Metzgereien oder als Landwirte arbeiten, um die Versorgungskette weiter aufrechtzuerhalten. Sie sind neben dem Krankenhauspersonal die, auf die es in dieser Krise am Meisten ankommt.

Neben den großen Discountern zählen zur "kritischen Infrastruktur" auch Einzelhändler, wie Bäcker, Metzger oder Gemüsehändler. Viele sind nun in wirtschaftliche Schieflage geraten, genau wie so viele andere mittelständische Unternehmen in verschiedenen Branchen. Das Virus macht vor keiner Halt, die finanziellen Einbußen sind immens. Der Freistaat Bayern hat ein milliardenschweres Hilfspaket auf den Weg gebracht, um den angeschlagenen Unternehmen unter die Arme zu greifen.

Solidarität ist gefragt

In diesen Zeiten ist es wichtig, Solidarität zu zeigen. Deshalb bittet Lehrbacher: "Bitte vergesst uns nicht! Kauft bei regionalen Handwerksbetrieben, ich will zum Ausdruck bringen das wirklich jeder Einkauf bei regionalen Betrieben für das Überleben wichtig ist. Egal ob für Metzger, Gemüsehändler, Brauereien oder kleinen Dorfläden."

Noch nie war die Unterstützung regionaler Betriebe wichtiger.

fgr

Quelle: chiemgau24.de

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