So erleben unsere Leser die Coronakrise

Bad Aiblinger: "'Du musst in Quarantäne' - Der Satz brannte sich in meinen Kopf sofort ein"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie schränkt zunehmend den Alltag der Menschen ein und bringt das öffentliche Leben allmählich zum Erliegen. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Kati aus Rosenheim

Ich bin eine alleinerziehende Mama von zwei Kindern, 13 und 18 Jahre alt, und arbeite als 30-Stunden-Kraft in einem Discounter. Ich muss jeden Tag aufs Neue erleben, dass viele Menschen sich gar nicht an den Abstand halten und noch viel schlimmer, nicht an die Ausgangsbeschränkung. Immer wieder sehe ich ganze Familien mit kleinen Kindern, die alles anfassen und denken, das Geschäft sei ein Spielplatz. Es kommen auch Familien, bei denen nur die Erwachsenen einen Mundschutz tragen und die Kinder laufen ohne herum. Ich kann das nicht verstehen. 


Es soll doch nur einer aus dem Haushalt einkaufen gehen und man sollte das nun nicht als "Vergnügungsausflug" sehen. "Leute, ihr steckt auch uns Mitarbeiter an. Ihr macht es uns schwer, gesund zu bleiben. Wir arbeiten gerade alle sehr am Limit - auch wenn es für manche nicht so aussieht. Wir geben unser Bestes, um Euch zufriedenzustellen, also bitte nehmt ein wenig Rücksicht auf uns. In der aktuellen Zeit müssen wir doch zusammenhalten. Bitte geht alleine einkaufen und lasst eure Kinder zuhause, falls es irgendwie möglich ist. Auch die ältere Generation ist oft bei uns im Discounter und kauft fröhlich Blumen ein - ist der Garten oder Balkon jetzt wirklich so wichtig? Schützt euch doch und bleibt zuhause!"    

Birgit aus Obertaufkirchen

Still ist es geworden in unserer lauten Welt, in der jeder jagt und hastet nach Geld. 

Plötzlich ist alles anders geworden, uns plagen Kummer und Sorgen.

Jeder fragt, was wird aus dem "Morgen"!? 

Unsicherheit macht sich breit, jeder bangt - vor allem um seine Gesundheit. 

Es ist an der Zeit, inne zu halten, nachdenken drüber, was wirklich wichtig ist im Leben? 

Ist es nicht die Gesundheit und Zufriedenheit?

Ja, eben!

Oliver aus Bad Aibling

"Du musst in Quarantäne". Der Satz brannte sich in meinen Kopf sofort ein - ich hatte Kontakt zu einer infizierten Person. Ich bin der Person nicht böse, denn niemand sucht sich aus, krank zu werden. Diese Person hatte sich vorbildlich an alles gehalten und ist trotzdem erkrankt. Man hat viel Zeit zum Nachdenken, mein Piepser ist aus (Freiwillige Feuerwehr). Warten habe ich beim Heer gelernt als ich mal eine "zu dicke Lippe" bei einem Ausbilder riskierte, hockte ich drei Tage in einem Übungsschützengraben, und der war nicht so komfortabel wie meine Wohnung. 

Was mir richtig fehlt, ist meine Tochter. Ich telefoniere jeden Tag mit ihr und beiße die Zähne zusammen. Auch um meine Großeltern mache ich mir richtig Sorgen. Sie nehmen das erstaunlich gelassen. Wenn das alles gelaufen ist, nehme ich mir meine Tochter und werde zur Eisdiele gehen und ich glaube, dieses Eis schmeckt dann ganz besonders.

Mein Arbeitgeber hatte Verständnis, ich habe Respekt vor dem Virus, und nachts oft Albträume, aber ich habe so viele liebe Menschen um mich, meine bester Kumpel stellt mir den Einkauf vor die Tür, meine Nachbarin redet vom Balkon aus mit mir. Mein Vermieter hat sich auch angeboten, Lebensmittel zu besorgen. Dieses Virus kann uns krank machen, einsperren und zeigt uns Grenzen auf, aber es wird nicht alles zerstören können. Weil so viele Menschen ihr Bestes geben, wird das Virus nicht der Sieger sein. Mein größter Respekt und Dank geht an alle Sanitäter, Rettungsassistenten, Pfleger, Krankenschwestern, Ärzte, und jene stille Helden aus dem Gesundheitswesen. Gott mit euch.

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Peter aus dem Landkreis Rosenheim

Wir sind eine fünfköpfige Familie aus dem südlichen Landkreis Rosenheim. Wir halten uns an die Ausgangsbeschränkung. Aber: Hat sich schon mal wer Gedanken gemacht, was wir so mir nichts, dir nichts hinnehmen? Kontaktverbot, Neuverschuldung, Ausgangsbeschränkung, Reiseverbot und neue Gesetze, die ruckzuck verabschiedet werden. Hat sich schon mal wer Gedanken gemacht, wer uns diese Zeit, die wir unter Verschluss sein müssen, keine Kontakte zu lieben Personen, Freund/in, Verwandten haben, Urlaub usw. zurückgibt, wenn die große Katastrophe ausbleibt?

Wer hat sich in den letzten Jahrzehnten Gedanken um die 25.000 Grippetoten jedes Jahr in Deutschland, jährlich 1,2 Millionen Hepatitis-C-Toten weltweit, Malaria und und und gemacht? Jeder Tote ist einer zu viel, aber so über unsere Grundrechte zu entscheiden, ohne eine zeitliche Eingrenzung, ohne jegliche Kritik von Wirtschaft, Medien und besonders auch nicht von der Bevölkerung, macht mir persönlich schon fast mehr Angst, wie das beschissene Virus. Bleibt gesund!

Anita aus Oberbayern

Ich lese immer wieder von Leuten, die im Homeoffice sind und sich beschweren, weil sie hier auch noch zum Beispiel ihre Kinder betreuen müssen. Was ist denn mit den vielen Berufen, die nicht zu Hause ausgeübt werden können? Mein Mann ist Handwerker und wie fast alle in dieser Sparte noch jeden Tag bei Kunden unterwegs. Hier kann man sich nie sicher sein, ob er sich ansteckt und das Virus mit nach Hause bringt. Ich würde einiges dafür geben, wenn er seine Arbeit von dem sicheren Zuhause ausüben könnte und dafür auch noch seinen Lohn bekommen würde. 

Anonym aus dem Landkreis Mühldorf

Ich bin 53 Jahre alt und gehöre zur Risikogruppe. Ich bin die ständigen Rumheuler in meinem Umfeld einfach so leid. "Scheiß auf die fünf Prozent Risikopatienten, die sowieso nichts mehr bringen für unsere Gesellschaft und auch bei einer Grippe sterben würden", hauen sie mir einfach um die Ohren. Wegen denen werden wir mit Kind und Kegel eingesperrt und haben kein Leben mehr.  Sonst wird überall nach Solidarität gebrüllt. Ich finde das zum kotzen! "Das Virus ist schlimm, aber die Spezies Mensch ist schlimmer." 

Annette aus Bayern

Am Freitag, den 13. März, bin ich von meinem Hausarzt krankgeschrieben worden, bevor er eine Woche in dem Urlaub ging. Ich hatte einen starken Husten und dazu Probleme beim Atmen, Schmerzen im Hals und Brustkorb, Abgeschlagenheit, Schnupfen und sogar Magenprobleme. Trotz Medikamente trat keine Besserung ein, im Gegenteil, die Beschwerden wurden sogar eher schlimmer. Am Montag, 16. März, habe ich dann die erste Praxisvertretung angerufen und wurde darauf verwiesen, einfach Zuhause zu bleiben.

Die zweite Praxis meinte dann, ich sollte mich lieber an das Gesundheitsamt wenden. Dort habe auch erwähnt, dass ich in der Arbeit in den letzten beiden Wochen viel Kontakt mit kranken Menschen hatte, die auch außerhalb des Landkreises kamen. Dazu kommt, dass ich auch privat viel unterwegs war, auch mit Leuten, die bei BMW in München arbeiten. Beim Gesundheitsamt hieß es nur, dass mir kein Test auf Corona zustehe, da ich nicht in einem Risikogebiet war und auch keine positiv getesteten Menschen im Umkreis nachweisen kann. 

Ich war mit fast all diesen Menschen mehr als nur 15 Minuten im engeren Kontakt und viele kenne ich gar nicht. Jetzt bin ich immer noch krank und am Montag, 23. März, habe ich dann wieder in meiner Hausarztpraxis angerufen. Auch der hat mir empfohlen, im Gesundheitsamt nach einem Test zu fragen, denn auch er muss sich an die Vorgaben des Gesundheitsamtes halten. 

Ich habe ihm erzählt, das ich das schon in seinem Urlaub gemacht hatte und mir gesagt wurde, dass mir ein Test nicht zustehe. Er hat mir jetzt stärkere Medikamente verordnet und endlich bekam ich wieder Hilfe, aber ich habe meinen Vertrauen verloren. Ich habe zwei Arztpraxen und das Gesundheitsamt um Rat und Hilfe gebeten, aber wurde im Stich gelassen. In dieser Woche habe ich richtige Ängste ausgestanden, weil es mir nicht gut ging und ich zusammen mit meiner 79-jährigen Mutter und meinen beiden Kindern im Haus lebe. Wie kann denn das überhaupt in der heutigen Zeit möglich sein?

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Donnerstag, 2. April, in einem neuen Artikel veröffentlicht 

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus 225 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 1. April, 11 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Zudem hat Ministerpräsident Markus Söder, die am Freitag, 20. März, beschlossene weitreichende Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Montag, 30. März verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 19. April. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist also nur bei Vorliegen triftiger Gründe erlaubt. Dazu zählen unter anderem der Weg zur Arbeit, notwendige Einkäufe, Arzt- und Apothekenbesuche, Hilfe für andere, Besuche von Lebenspartnern, aber auch Sport und Bewegung an der frischen Luft - dies aber nur alleine oder mit den Personen, mit denen man zusammenlebt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg

Quelle: rosenheim24.de

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