So erleben unsere Leser die Coronakrise

Mundschutz bei Asthma, ein geplatzter Karibiktraum und die Frage: "Sind wir nicht alle gleich viel wert?"

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Zahlreiche Leser haben der OVB24-Redaktion ihre persönlichen Geschichten in der Coronakrise erzählt.

Landkreis - Es ist eine Ausnahmesituation, wie sie bisher fast noch niemand erlebt hat. Doch wie geht Ihr mit der aktuellen Coronakrise um? Zahlreiche Leser/-innen haben der Redaktion ihre persönlichen Erlebnisse geschildert.

Die Corona-Pandemie hat auch Bayern fest im Griff. Doch wie erlebt Ihr die Coronakrise? Wir haben Euch gefragt und gebeten, uns Eure positiven oder negativen Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen zu erzählen. Zahlreiche Leser/-innen haben sich auf unseren Aufruf gemeldet:


Wir haben Eure Geschichten gesammelt

Christine aus Oberaudorf

Eigentlich möchte ich mich über die zur allgemeinen Irritation führenden Regeln und Verhaltensmaßnahmen nicht mehr aufregen. Aber eines muss ich noch in Erfahrung bringen: Ist das Autofahren außerhalb des eigenen Landkreises, für Ausflugs- und Lustfahrten, wieder erlaubt? Ich frage mich, was Auto- und Motorradnummern aus SR, EBE, AIB, EU, CHA, HEF, HF, FB, K, OAL, N, A, MB usw. hier suchen? Letztere finden über das Sudelfeld hierher. 


75 % kommen sowieso aus München, besonders am Freitag ist wieder Anreisetag in den Ferienwohnungen. Dann wird gegrillt und gesellig beisammen gesessen. Die wenigsten haben einen triftigen Grund dazu, hier zu sein. Polizeikontrollen finden überhaupt nicht statt. Die Jugend scheint überhaupt nicht zu wissen, was im Lande gerade los ist. Aber sie sind ja nicht gefährdet! Auch bin ich froh, dass die Maskenpflicht endlich da ist. Alle, besonders die Älteren, müssen jetzt ihre ignorante Dummheit zurückstellen. Meine Vorhersage für die Lage nach der Coronazeit ist nicht positiv. Die Menschen, die sich ignorant und selbstgefällig über alle Anstandsregeln hinweg setzen, werden danach eine wunderbare Vermehrung finden.

Nützliche Links zu Corona:

Ellen aus Waging am See

Ich weiß, dass wir momentan alle Probleme und Angst um unsere Existenzen haben - Gastronome, Freizeitveranstalter, Künstler, Kleinbetriebe und alle anderen, an die man sonst nicht denkt - aber ich möchte gerne über unsere Branche etwas loswerden. Ich bin 42 Jahre alt und besitze ein kleines Kosmetikstudio, das ich alleine betreibe, und ich muss mir zu den Kontaktbeschränkungen und den ganzen Regeln rundum mal ein bisschen Luft machen! 

Ich vertrete mit meiner Meinung wohl einige, die sich die Frage stellen: Warum sind wir mit unseren Existenzen, nicht alle gleich viel wert? Ich betreibe seit 2008 ein kleines Studio, das ich seither mit viel, viel Liebe, Mühe und viel Verzicht aufgebaut und am Leben erhalten habe, bis jetzt! In den Augen der Politik, sind wir derzeit scheinbar nicht wichtig, da es aber um unsere Existenz geht, sind wir für uns selbst doch wohl auch wichtig! Jeder Einzelne ist doch wichtig in seinem Tun!

Wie ich vor einigen Tagen leider auf der Seite der Handwerkskammer lesen musste, dürfen Friseure und andere Handwerker ab dem 4. Mai ihre Arbeit, unter Einhaltung der Hygieneauflagen, wieder aufnehmen. Für uns, in meinem Bereich, wird das wohl nicht gelten. Ich frage mich nur, wie das funktionieren soll mit dem Mindestabstand von 1,5 Meter zum Kunden? Die Kunden haben diesen Abstand wohl zueinander, aber wie soll die Friseurin oder der Friseur einem Kunden unter diesen Bedingungen die Haare schneiden? 

Viele Handwerker dürfen weiter ihren Arbeiten nachgehen, bei denen man sich nicht so einfach aus dem Weg gehen kann. In unserer Branche sind doch die Hygienemaßnahmen viel leichter umzusetzen, da der Mundschutz bei der Arbeit bei vielen von uns schon lange Standard ist. Die meisten von uns setzen Hygienemaßnahmen, wie z.B. das Desinfizieren von Kunden und Arbeitsplatz etc., schon seit Jahren um, aber wir müssen weiter unsere Geschäfte schließen? Wir achten doch viel mehr auf uns selbst und unsere Kunden, weil wir uns Arbeitsausfälle ja oft nicht leisten können! Wir arbeiten oft alleine in unseren Räumen mit nur einer Kundin oder einem Kunden - Zahnärzte arbeiten oft unter gleichen Bedingungen wie wir. Sogar zu zweit mit Assistenz am Patienten und tragen auch nur einen Mundschutz!

Was macht uns Kosmetiker/innen, Nagelfeen, Tätowierer/-innen, Masseur/-innen, Fußpfleger/-innen, Wimpernfeen und viele andere in diesem Bereich weniger wertvoll? Natürlich wird uns auch Soforthilfe versprochen, die auch auf dem Papier (nach vier Wochen) ankommt, aber auf dem Konto nicht eintrifft! Und dann sollen wir damit drei Monate Kosten decken können? Die Kosten stellen sich leider aber nicht nur aus Mieten, Material, Versicherungen, Personalkosten und sonstigen Ausgaben zusammen. Wir arbeiten ja alle, auch um uns andere Standards leisten zu können, da zählt auch Nahrung und Kleidung dazu, die in den Soforthilfen nicht berücksichtigt werden. Und ich rede nicht mal von Luxusgütern, auf die man verzichten kann. 

Arbeitslosengeld steht vielen von uns leider auch nicht zu. Da haben wir uns schon kundig gemacht. Darlehen werden uns auch versprochen, schnell und unkompliziert - diese helfen uns kleinen Geschäften aber nicht, wenn wir nachher Einbußen haben und diese Darlehen nicht mehr zurückzahlen können! Wir kleinen Gewerbe versuchen nur uns das ganze Jahr, von Monat zu Monat, am Leben zu erhalten und zahlen brav alles was man uns auferlegt. Wir bezahlen auch unsere Steuern und tragen zur Wirtschaft bei. Und jetzt nimmt man uns jede Basis um überhaupt überleben zu können und die Menschen um uns rum interessiert es nicht im Geringsten! Wenn wir mit Mundschutz unterwegs sind, wird man auch immer noch dumm angeschaut (endlich ist dieser jetzt Pflicht)!

Liebe Politik, wir fühlen uns ziemlich allein und im Stich gelassen! Versetzt euch mal in unsere Lage und versucht mal nur einen einzigen Gedanken an uns zu verschwenden, viele von uns werden das nicht überleben! Uns verbucht man hinterher wohl als Kollateralschaden in der Corona-Krise. Natürlich muss das Leben an erster Stelle stehen und das, was damit verbunden ist, geschützt werden. Aber unsere Leben sind nachher nicht mehr viel wert, wenn uns unsere Grundlagen für das Leben genommen werden und wir uns das Leben nicht mehr leisten können. Danke für eure Zeit, ich denke an alle da draußen, die wie ich versuchen zu überleben, bleibt bitte weiter gesund!

Weitere Geschichten unserer Leser, Reportagen und Service-Artikel zum Coronavirus findet Ihr in unserem großen Wegweiser durch die Berichterstattung

Anonym aus Kolbermoor

Ich bin sehr für die vielen Maßnahmen und auch für das Tragen von Mundschutz an bestimmten Orten. Allerdings habe ich selbst sehr große Probleme mit dem Tragen des Mundschutzes. Ich bin Asthmatikerin und habe schwere Allergien. Ich habe vor ein paar Tagen das erste Mal – da es ja jetzt in Bayern Pflicht ist – einen Mundschutz getragen. Ich hatte den Mundschutz noch keine Minute an, schon bekam ich sehr starke Atemnot und kollabierte. 

Immer wenn ich den Mundschutz trage, bekomme ich sehr starke Atemnot und mir wird schwarz vor Augen. Da ich schlimmes Asthma habe und gerade nun die Pollenzeit ist, habe ich große Angst, diesen Mundschutz wieder anzuziehen. Leider bleibt mir nichts anderes übrig. Ansonsten geht es mir – ohne Maske – in der Pollenzeit gut, da ich vom Arzt sehr gut mit Medikamenten eingestellt bin. Auch das Asthma habe ich mit Sprays sehr gut im Griff. 

Es wäre gut, wenn man einmal auch an die Menschen denkt, die unter Luftnot leiden und unter einer solchen Maske fast ersticken. Da ich für meinen Lebensunterhalt in einigen Geschäften einkaufen muss, werde ich ein tägliches Kollabieren wegen Luftnot hinnehmen müssen und habe große Angst, dass ich davon schwere gesundheitliche Schäden bekomme. Ich habe es auch schon mit einem dünnen Schal ausprobiert, aber es fehlt mir einfach die Luft zum Atmen.

Michael aus Rosenheim

Nach meiner harten dreijährigen Ausbildung zum Koch in einem bayrischen Gasthof in Rosenheim, habe ich meinen Traumjob auf einem großen, deutschen Kreuzfahrtschiff gefunden. Als Koch sollte ich dort auf der Karibik-Route arbeiten. Ich konnte mein Glück kaum fassen und die Flugtickets hatte ich auch schon in der Tasche. 

Drei Tage bevor es dann endlich los gehen sollte, kam die Meldung, dass alle Kreuzfahrten gestrichen wurden. Wie es weiter gehen soll, weiß ich nicht.

Umfrage

Silvia aus Bayern

Ich komme mit der Situation ganz gut zurecht. Ich finde die strengen Maßnahmen auch in Ordnung. Natürlich habe ich mich auf den Sommer mit allem Drum und Dran gefreut, aber es kommt ja nächstes Jahr wieder einer. Anstrengend finde ich die stetige Präsenz des Virus. Manchmal muss ich alles abschalten, sonst beschäftige ich mich mit nichts anderen mehr. 

Ich lese, nähe, gehe spazieren und koche viel. Ein Schmerzpunkt ist meine demente Mutter im Heim. Keiner kommt mehr und man kann es ihr nicht erklären, nicht mal mit einer original verpackten Vollschutzmaske kommt man ins Heim. Das tut mir echt weh.

Die nächsten persönlichen Geschichten werden am Freitag, 1.Mai, in einem neuen Artikel veröffentlicht.  

Wie erlebt Ihr die Coronakrise? Erzählt uns Eure Geschichte

Erzählt uns, was Euch bewegt und schickt eine Mail an termine@ovb24.de (Kennwort: "Corona" im Betreff). Die OVB24-Redaktion freut sich über Eure Geschichten, Erlebnisse und Erfahrungen. 

Natürlich könnt Ihr uns auch mitteilen, was Euch sorgt und ängstigt in diesen Tagen und gerne auch, was Euch in dieser Zeit Freude macht. Bitte sendet uns neben Euren Zeilen, Fotos oder Videos auch unbedingt Euren kompletten Namen und Euren Wohnort.

Wir wollen unsere Reichweite aber auch nutzen, um Menschen miteinander zu verbinden und zur Nachbarschaftshilfe aufrufen. Deswegen haben wir sechs Facebook-Gruppen ins Leben gerufen: #rosenheim24 / #chiemgauhältzusammen / #innsalzachhältzusammen / #bglandhältzusammen / #wasserburghältzusammen / #mangfallhältzusammen

Coronavirus im Freistaat Bayern

Das Coronavirus breitet sich rasant aus. Im Freistaat Bayern hat das Virus bereits 1.424 Todesfälle (Stand: Mittwoch, 22. April, 10.30 Uhr) gefordert. Auch in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Altötting gibt es bereits mehrere Todesfälle. Restaurants bleiben weiterhin geschlossen, ausgenommen ist die Lieferung und Ausgabe von Speisen für zu Hause. 

Ministerpräsident Markus Söder hat die am Freitag, 20. März, beschlossene Ausgangsbeschränkung in Bayern, am Dienstag, 28. April nochmal verlängert. Die Maßnahmen gelten nun bis mindestens Sonntag, 10. Mai. Doch es wurden auch Lockerungen beschlossen: Seit Montag, 20. April, darf man wieder Kontakt zu EINER anderen Person außerhalb des eigenen Haushalts/der eigenen Familie haben. Damit soll vor allem Alleinstehenden geholfen werden, wie Söder in einer Pressekonferenz mitteilte. 

Seit Montag, 27. April dürfen Geschäfte mit einer Fläche bis zu 800 Quadratmetern sowie Buchhandlungen wieder aufsperren. Ebenfalls seit 27. April herrscht in Bayern eine Maskenpflicht in allen Geschäften und im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)Friseure können ab Montag, 4. Mai, wieder öffnen, allerdings nur unter strengen Hygieneauflagen. Ebenfalls ab 4. Mai sind in Bayern Gottesdienste und Demonstrationen unter strengen Auflagen wieder erlaubt.

Bleibt gesund! #wirhaltenzusammen

jg/si

Quelle: rosenheim24.de

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