Betrieb der Ampfinger Firma wird weiter heruntergefahren

Infektionsherd Putenschlachthof? Inzidenzwert im Landkreis Mühldorf klettert auf 121,7

Testungen auf Coronavirus am Ampfinger Putenschlachthof
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Der Putenschlachthof in Ampfing. Inzwischen wurden 78 Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet.

Ampfing - Der Landkreis Mühldorf verzeichnet nach dem Berchtesgadener Land die zweithöchsten Infektionszahlen in der Region. Warum schnellen die Corona-Fallzahlen derart nach oben und kann das Landratsamt die Infektionsketten überhaupt noch nachverfolgen?

Die Corona-Zahlen, sie steigen und steigen - und das obwohl die Notbremse bereits gezogen wurde: Vergangenen Donnerstag (15. Oktober) verkündete Landrat Max Heimerl im Rahmen einer Pressekonferenz konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionszahlen. Diese Allgemeinverfügung gilt vorerst für eine Woche, bis Freitag, 23. Oktober.


Corona-Lage im Landkreis Mühldorf: Aktuelle Fallzahlen und Infektionsketten

Doch die Infektionen werden mehr: Waren es am Mittwoch vor einer Woche (14. Oktober) noch 91 aktive Fälle mit einer Inzidenzzahl von 76, kletterte die Zahl am Sonntag, 18. Oktober, bereits auf 125 aktive Fälle bei einem Inzidenzwert von 104,4. Inzwischen liegt die Inzidenzzahl bei 121,7 (Stichtag Mittwoch, 21. Oktober). Von den 157 aktiven Fällen werden derzeit vier stationär behandelt.


Insgesamt haben sich in den letzten sieben Tagen am Schlachthof in Ampfing 78 Personen infiziert, darüber hinaus sind im Landkreis weitere 63 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Die Ansteckungen innerhalb des Schlachthofs seien in erster Linie der ausschlaggebende Infektionsherd für die aktuell hohen Corona-Zahlen. Zu dieser Erkenntnis kam der Landrat bereits bei der jüngsten Pressekonferenz.

Auch der Ampfinger Bürgermeister Josef Grundner sowie Anwohner haben sich gegenüber innsalzach24.de zu den Coronafällen im Schlachthof geäußert. Erkenntnisse dazu, dass sich das Infektionsgeschehen am Schlachthof auf die übrige Bevölkerung übertragen haben könnte, liegen indes nicht vor.   

Schärfere Hygiene- und Abstandsregeln am Ampfinger Putenschlachthof

In Abstimmung mit der Regierung von Oberbayern und dem Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wurde jetzt festgelegt, dass der Betrieb des Putenschlachthofes weiter heruntergefahren werden muss. Das Gesundheitsamt hat zusätzlich zu den bisherigen Maßnahmen verschärfte Hygiene- und Abstandsregeln aufgestellt und noch engmaschigere Testungen aller Mitarbeiter auf Covid-19 angeordnet.

„Diese Maßnahmen stellen sicher, dass eine Weiterverbreitung des Virus unter den Beschäftigten noch weiter eingedämmt wird und nehmen gleichzeitig Rücksicht auf die Anforderungen einer tierschutzgerechten Schlachtung“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung des Landratsamts.

Illegale Party in Bodenkirchen nicht ausschlaggebend für hohe Corona-Zahlen im Raum Mühldorf

Die Ursachen für die derzeitigen Infektionsfälle seien laut Landratsamt neben dem Ausbruch am Putenschlachthof „eine ganze Reihe von Fällen, bei denen durch normale häusliche Kontakte auch Familienmitglieder und Bekannte angesteckt wurden“. Wo genau sich Personen mit Corona anstecken ist oft nicht mehr nachvollziehbar. Aus diesem Grund wurde im Landkreis Berchtesgadener Land ein Lockdown verhängt. Diese vergleichsweise harte Maßnahme will man in anderen Landkreisen verhindern und nur als letztes Mittel wählen.

Bisher keine positiven Fälle im Landkreis verzeichnet das Gesundheitsamt Mühldorf nach einer Party im Nachbarlandkreis Landshut, wie das Landratsamt auf Nachfrage von innsalzach24.de bestätigt. In Bodenkirchen sollen sich auf einer illegalen Oktoberfest-Party mindestens 20 Leute mit dem Coronavirus infiziert haben. Mehrere öffentliche Veranstaltungen werden nun im Mühldorfer Raum gecancelt - darunter der Haager Christkindlmarkt sowie ein Konzert im Haberkasten in Mühldorf.

Dennoch gilt es die Zahlen dringend zu senken. Zu den weitergehenden Maßnahmen zählt seit Beginn dieser Woche die Maskenpflicht an der Arbeitsstätte, insbesondere am Arbeitsplatz selbst, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann.

mb

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