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Ist die Herdenimmunität in Gefahr?

Corona-Virus: Wie viele Menschen braucht es für Herdenimmunität?

Corona-Impfung
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Eine Corona-Schutzimpfung wird durchgeführt.

Die Hoffnung vieler Menschen ruht auf Herdenimmunität, damit die Corona-Pandemie endet. Doch Virusvarianten machen genaue Aussagen zur Herdenimmunität schwierig.

Mit der Herdenimmunität endet die Pandemie - das zumindest hoffen viele Menschen. Doch ganz so einfach ist es nicht. Manche bezweifeln, dass Herdenimmunität beim Coronavirus überhaupt erreichbar ist.

Wie viele Menschen braucht es für Herdenimmunität?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Wie hoch die Rate sein muss, unterscheidet sich auch je nach Krankheit, bei den hochansteckenden Masern etwa gelten 95 Prozent als Schwellenwert. Bei Corona bezifferten Experten den Anteil seit dem Frühjahr 2020 zunächst auf etwa zwei Drittel der Bevölkerung.

Zugrunde lag die Annahme, dass ein Infizierter im Schnitt drei Menschen ansteckt, wenn keine Maßnahmen in Kraft sind und niemand immun ist. Doch dann kamen ansteckendere Virusvarianten: Infizierte mit der hierzulande noch vorherrschenden Variante Alpha stecken im Schnitt mehr Menschen an als Infizierte mit Vorgängervarianten. Daher spricht etwa der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, mittlerweile von einem Ziel von über 80 Prozent Geimpften und Genesenen, um weitgehend auf Maßnahmen und Regeln verzichten zu können.

Der Münchner Infektiologe Christoph Spinner brachte angesichts der wohl noch ansteckenderen Delta-Variante gegenüber unserer Zeitung sogar eine nötige Impfquote von 90 Prozent ins Spiel. Ein solcher Wert ist aber schwer erreichbar, solange es für Kinder unter zwölf Jahren keinen zugelassenen Impfstoff und für Minderjährige keine allgemeine Impfempfehlung gibt.

Wo liegen noch Schwierigkeiten?

Der Begriff Herdenimmunität kommt aus der Tiermedizin, dahinter stehen Überlegungen zum Schutz von Tierbeständen. Menschen leben jedoch nicht in abgeschlossenen Gruppen – ganz im Gegenteil, sie begegnen sich, sind international mobil. Immune Menschen sind auch nicht völlig gleichmäßig über die Bevölkerung verteilt. Das heißt, das Virus kann in verbliebenen ungeschützten Bereichen durchaus weiter für Ausbrüche sorgen.

Hinzu kommt: Immunität bei Sars-CoV-2 ist nichts Lebenslanges. Der Schutz lässt mit der Zeit nach, sowohl bei Genesenen als auch bei Geimpften. Über die Dauer lässt sich noch nichts Sicheres sagen. Ohnehin schützt keine Impfung zu 100 Prozent. Wie das RKI betonte, bleibt auch bei Geimpften ein Restrisiko, dass sie sich infizieren und andere anstecken können.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Und es gibt Bedenken vieler Experten, dass über den Sommer Impfmüdigkeit bei Menschen einsetzt. Deshalb sagt der Immunologe Carsten Watzl: „Es kann sein, dass Herdenimmunität nur für einzelne Einrichtungen wie Pflegeheime erreicht werden kann, aber nicht für das Gros der Bevölkerung.“

Was passiert, wenn die nötige Schwelle erreicht werden sollte?

„Auch dann wird es noch Infektionen geben, auch dann wird es Ausbrüche geben, aber es ist davon auszugehen, dass bei einer Immunität von weit über 80 Prozent schwere Verläufe und Todesfälle zum großen Teil verhindert werden“, erklärte eine RKI-Sprecherin. Unter anderem Lothar Wieler mahnte: Wer sich gegen eine Impfung entscheide, der werde sich früher oder später anstecken. Mit dem großen Schrecken und schwer zu kontrollierender Ausbreitung im Sinne von Wellen und Lockdown-Maßnahmen dürfte es bei einer hohen Impfquote laut Experten aber vorbei sein.

Könnte die Pandemie ein Dauerzustand bleiben?

Nein, danach sieht es bisher nicht aus. Bisher sind keine Varianten bekannt, die die vorhandenen Impfstoffe nutzlos machen. An Auffrischungsimpfungen, die auch Varianten besser abdecken, wird gearbeitet.

Auch wenn Virologe Drosten oft als Mahner wahrgenommen wird: Er betont schon lange, dass das Virus sich auf lange Sicht wohl wie die altbekannten Erkältungs-Coronaviren verhalten werde. In den kommenden zwei bis vier Jahren seien aber noch Übergangszustände zu erwarten.

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