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R-Wert wieder über 1

Die Delta-Variante dominiert und die Zahlen steigen: Wie geht es jetzt weiter?

Coronavirus Spanien, Strand Promenade Spaziergänger
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Die Ausbreitung der Delta-Variante könnte den Sommerurlaub gefährden.

Die Ansteckungszahlen steigen wieder, die Delta-Variante dominiert in Deutschland - nach einer kurzen Atempause rückt das Thema Corona wieder in den Mittelpunkt.

Rosenheim - Am Donnerstagmorgen meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 970 Corona-Neuinfektionen. Das sind 78 mehr als vor einer Woche. Das klingt noch nicht beunruhigend, allerdings steigen auch andere für die Pandemie-Bewertung wichtige Zahlen wieder. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI mit bundesweit 5,2 an (Vortag: 5,1; Vorwoche: 5,1).

R-Wert stiegt kontinuierlich an

Die für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Coronavirus entscheidende Reproduktionszahl lag am Donnerstag schon bei 1,09 (Vortag: 1,01). Der R-Wert lag über viele Wochen deutlich unter 1, stieg aber zuletzt relativ kontinuierlich an. Experten zufolge dürfte das neben den Lockerungen der Corona-Beschränkungen vor allem an der Verbreitung der ansteckenderen Delta-Variante liegen.

59 Prozent der Corona-Neuinfektionen mit Delta

Die Zahl, auf die alle schauen, steigt und steigt. In Deutschland ist mittlerweile mehr als die Hälfte aller Corona-Neuinfektionen auf die Delta-Variante zurückzuführen. Am Mittwochabend meldete das Robert-Koch-Institut einen Anteil von 59 Prozent. Überraschend kam dieser Wert nicht mehr.

Der Anteil der Ansteckungen mit der zuerst in Indien festgestellten Mutation an allen Corona-Neuinfektionen hat sich zuletzt von Woche zu Woche fast verdoppelt, vor sieben Tagen lag er bei 37 Prozent.

Ansteckender, aber wohl nicht tödlicher

Das RKI sieht diese Entwicklung mit Sorge, zumal der R-Wert immer weiter über 1 steigt. Dass die Variante ansteckender ist, steht außer Zweifel. Laut einer Studie von Public Health England (PHE) ist die Weiterverbreitung um 60 Prozent höher als bei der zuvor in Großbritannien vorherrschenden Alpha-Mutation, die ihrerseits ansteckender als der Wildtyp war.

Tödlicher ist Delta hingegen wohl nicht: In Großbritannien ist die Fallsterblichkeit im Vergleich zu den anderen Varianten sogar niedriger, was aber auch mit den Impf-Fortschritten zu tun haben kann. Die Studie kommt aber auch zu dem Ergebnis, dass das Risiko, nach einer Infektion mit Delta im Krankenhaus zu landen, fast doppelt so hoch ist wie bei Alpha.

Feine Risse im Corona-Schutzwall

Wiederholt hat der britische Premier Boris Johnson von einem „Schutzwall“ gesprochen, den die Impfstoffe gegen das Virus bilden würden – auch gegen die jüngste Variante. Neue Daten aus Israel zeigen nun allerdings, dass der Wall Risse bekommt, wenn auch nur feine.

Eine Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Wirksamkeit der Biontech-Impfung, die bisher bei über 90 Prozent lag, seit der Verbreitung von Delta in Israel auf 64 Prozent gesunken sei. Sieben Prozent der Geimpften würden sogar schwer erkranken. Umgekehrt heißt das aber auch: Der Schutz ist mit 93 Prozent immer noch sehr hoch.

Impfschutz bleibt wichtigste Komponente

Leif Erik Sander, Corona-Experte der Berliner Charité, betont zudem, man müsse die Zahlen mit Vorsicht betrachten: „Es ist methodisch schwierig, in einem solchen Setting wie in Israel mit niedrigen Inzidenzen und lokalen Ausbrüchen die genaue Effektivität der Impfung zu bestimmen.“ Der Virologe Alexander Kekulé ergänzt: „Auch bei einem geringeren Impfschutz ist das Immunsystem in einer besseren Ausgangslage als ohne Impfung.“

„Dieses Virus wird jeden infizieren, der nicht geimpft ist“

RKI-Präsident Lothar Wieler prophezeit: „Dieses Virus wird auf Dauer jeden Deutschen infizieren, der nicht geschützt ist durch eine Impfung.“ Sein Institut geht davon aus, dass sich Delta auf die Belegung der Intensivstationen auswirken werde, wenn die Impfquoten bei Menschen zwischen zwölf und 59 Jahren bei 75 oder gar 65 Prozent stagnieren und gleichzeitig eine komplette Öffnung stattfinden würde.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

„Basishygienemaßnahmen“ seien dann nicht mehr ausreichend, „weitere kontaktreduzierende Maßnahmen wären notwendig“, besagt ein RKI-Papier. Aktuell haben 57,1 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Spritze erhalten. 39,9 sind vollständig geimpft.In München ist Delta bereits die vorherrschende Variante. „In den letzten 14 Tagen wurden 57 Fälle der Alpha- und 75 Fälle der Delta-Variante registriert“, sagt Stefan Hauf, Sprecher der Stadt.

Auswirkungen auf den Urlaub

Was das für Auswirkungen auf die laufende Urlaubssaison haben könnte, lässt sich nicht seriös abschätzen. Kürzlich hatte die Hochstufung von Portugal zum Virusvariantengebiet - was eine 14tägige Quarantäne bei Rückkehr nach Deutschland selbt für doppelt Geimpfte bedeutet - für Aufregung gesorgt. Inzwischen wurde Portugal genau wie Großbritannien oder das Delta-Ursprungsland Indien wieder zum Hochinzidenzgebiet heruntergestuft.

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London-Heathrow: Überholspur für Geimpfte

Corona-Geimpfte haben es im Urlaub in jedem Fall leichter. Auf dem Londoner Flughafen Heathrow sollen sie künftig schneller durch die Kontrollen kommen. Der Flughafenbetreiber teilte mit, er wolle „Überholspuren“ für vollständig geimpfte Passagiere einrichten, die nach Großbritannien einreisen. Derzeit werde dies getestet, sagte Heathrow-Chef John Holland-Kaye.

„Der Test soll uns zeigen, dass wir den Impfstatus der Passagiere bei Abflug und bei Ankunft sicher überprüfen können“, erläuterte der Flughafenchef. Vollständig Geimpfte könnten so ab dem 19. Juli eine Quarantäne vermeiden. Die britische Regierung will am 19. Juli die meisten Einschränkungen aufheben. Der Kurs ist heftig umstritten.

Delta-Variante als „Johnson-Variante“ bezeichnet

Der Chef der Labour-Partei, Keir Starmer, machte Premierminister Boris Johnson persönlich für den Anstieg der Neuinfektionen verantwortlich. „Machen wir uns klar, warum die Infektionsraten so hoch sind: Weil der Premierminister die Delta-Variante – wir können sie auch Johnson-Variante nennen – ins Land gelassen hat.“

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