Nutzten Angeklagte bei Wohnungsüberfall in Traunstein auch Elektroschocker?

Opfer (53) berichtet: „Gedroht, mir mit Machete das Ohrwaschl abzuschneiden“

Traunstein/Traunreut - Zwei brutale Wohnungsüberfälle werden am Donnerstag vor dem Landgericht verhandelt: Angeklagt sind vier Männer aus Oberbayern, die ihre Opfer teils schwer verletzt haben sollen.

Update, 16.22 Uhr - Opfer (53) berichtet: „Gedroht, mir mit Machete das Ohrwaschl abzuschneiden“


Nun sagt das zweite Opfer aus, das im heurigen Januar in seiner Traunsteiner Wohnung überfallen wurde. „Sie haben mir die Wohnungstür aufgedrückt. Einmal habe ich noch um Hilfe schreien können, dann habens mich schon reingezogen und mich nur noch geschlagen“, berichtet der damals 53-Jährige. Er wirkt noch immer aufgewühlt von der Tat. 

Schmerztabletten, Cannabis, das Handy und Geld wurde ihm abgenommen. Die Tabletten und das Cannabis darf der Geschädigte wegen einer Krankheit einnehmen. Bei der Attacke im Gang seiner Wohnung sei ihm der Mund zugehalten und er auf den Boden hinuntergedrückt worden. „Dann ist gleich die Machete herausgeholt und mir an den Hals gehalten worden. Sie haben gedroht, mir damit das Ohrwaschl abschneiden zu wollen.“ 

Dass der Traunsteiner auch mit einem Elektroschocker verletzt wurde, verneinten die Angeklagten bisher. Doch der Geschädigte sagt aus, dass ihm das Gerät zwei Mal unter Strom in den Rücken gedrückt wurde. „Ich hatte ein richtiges Trauma danach. Noch heute habe ich Angst, wenn es klingelt.“ Sein Gesicht sei „grün und blau“ gewesen, „meine Nase war verbogen“ und auch Rippenprellungen erlitt er. 

Und warum das Ganze? „Mir ist es ein Rätsel“, so der 53-Jährige. Der Anwalt des 33-jährigen Traunreuters, einer der mutmaßlichen Täter, übergibt bereits einen Umschlag. 3000 Euro Schmerzensgeld im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs befinden sich darin. Auch der Anwalt des 48-jährigen Garchingers kündigt an, dass sein Mandant Schmerzensgeld zahlen werde. 

Die Verhandlung wird am morgigen Freitag, 23. Oktober, fortgesetzt. Neben einem Gutachter werden die Plädoyers erwartet. Möglicherweise wird auch noch ein Urteil gefällt. Der Prozess am Landgericht in Traunstein beginnt um 9 Uhr. 

Update, 15.07 Uhr - Mutter (79) sagt aus: Sie musste brutalen Überfall auf ihren Sohn mit ansehen


Nicht alle Details aus der Anklageschrift nehmen die vier Männer unwidersprochen hin, doch in Teilen sind die Angeklagten vor Gericht geständig. Zum Beispiel behauptet ein Angeklagter, dass der Elektroschocker nur zum Drohen zum Einsatz kam - nicht um den Traunsteiner auch zu verletzen. 

In Traunstein sei es um Rauschgiftgeschäfte gegangen. Die Traunreuter Wohnung habe man überfallen, weil man den Bewohner nach einer Beleidigung zur Rede stellen wollte. Keiner leugnet, dass es zu den Überfällen kam oder dass er dabei gewesen wäre. Und: Die Angeklagten geben sich reuig. „Das war eine richtige Dummheit“, „Das war alles nicht geplant“ oder „Ich bin unglücklicherweise da hineingeraten“ bekommt das Landgericht unter Vorsitz von Erich Fuchs zu hören. 

Im Prozess wird bekannt: Beim ersten, gewaltsamen Überfall auf einen Traunreuter musste seine 79-jährige Mutter alles mitansehen. Sie war bei ihm zu Besuch und wird nun als Zeugin geladen. „Wir hatten Abendgegessen und wollten Fernsehen. Dann hat‘s plötzlich geläutet und die Tür ist eingeschlagen worden.“ Einer hätte „Wache gehalten“, zwei weitere Männer seien in die Wohnung gekommen. Sie berichtet von den Schlägen gegen ihren Sohn, sie saß dabei keine zwei Meter weg auf dem Sofa. Viel Blut sei geflossen. „Warum das passiert ist, weiß ich nicht.“

Die Vernehmung ihres 39-jährigen Sohnes, des Opfers aus der Traunreuter Wohnung, gestaltet sich dagegen komplizierter. Bei der ersten Vernehmung durch die Polizei nach der Tat konnte er Details zu den Tätern nennen, aber jetzt? „Das ging ratz-fatz. So schnell wie die gekommen sind, sind sie auch schon wieder weg.“ Er könne sich nicht an die Täter erinnern, sie seien maskiert gewesen. 

Außerdem sei er bei den Schlägen auch nicht festgehalten worden und ob ein Schlagring im Spiel war, wisse er auch nicht mehr. Der Traunreuter erlitt bei dem Überfall Verletzungen an der Stirn, seine Lippen sprangen auf und ein Zahn wurde locker. Richter Fuchs kann ihm kaum glauben. Will der Geschädigte die Angeklagten nun decken? Das Gericht warnt ihn, dass er bald Post von der Staatsanwaltschaft bekommen könnte. 

Auch das Opfer aus Traunstein wird heute noch als Zeuge erwartet. 

Update, 11.52 Uhr - Gebrochene Biografien als Klammer: Vier Männer wegen brutalen Wohnungsüberfällen vor Gericht

Der Prozess beginnt. Gleich am Anfang legen die Angeklagten ihre Biografien offen. Die Männer sind zwischen 32 und 48 Jahre alt und alle im Landkreis Traunstein groß geworden - und sie eint jeweils eine gebrochene Biografie. 

Drei der vier Angeklagten machten bereits im Teenager-Alter ihre Erfahrungen mit harten Drogen. Beispielhaft ist der Lebenslauf eines 33-jährigen Angeklagten aus Traunreut: Die Kindheit in der Industriestadt war noch geregelt, doch mit 13 dann zum ersten mal Ecstasy. Mit 14 Amphetamine und Kokain, mit 15 spritzte er sich das erste mal Heroin. Schon im Alter von 16 Jahren der erste Entzug

Die Lehre in einem Handwerksberuf klappte, doch später sei er „aus Langeweile zum Alkoholiker“ geworden, so der 33-Jährige. Auch im Gefängnis ist der Traunreuter schon gesessen. Wegen „Badesalz“, einem Gemisch chemischer Substanzen, sei er auch schon vier Tage im Koma gelegen. „Ich brauche einen kompletten Neustart“, so der Mann unter Tränen. 

Auch der 48 Jahre alte Angeklagte, zuletzt wohnhaft in Garching, gibt an, zuletzt „alles“ konsumiert zu haben: Täglich je ein Gramm Heroin und Kokain, dazu „Badesalz“ und im Schnitt fünf Halbe Bier am Tag. Jobs im Handwerk wechselten sich in aller Regelmäßigkeit mit Gefängnisaufenthalten ab. Der dritte Angeklagte machte ebenfalls schon mit 18 ein Methadon-Programm durch, um von Opiaten wegzukommen.

Nur ein 32-jähriger Traunreuter, der vierte Angeklagte, hatte mit harten Drogen nach eigenen Aussagen noch nichts am Hut und keine Vorstrafen. „Aber nach einer Trennung habe ich über die letzten drei Jahre zehn bis zwölf Bier am Tag getrunken.“ 

Update, 10.26 Uhr - Mit Machete und Elektroschocker Wohnung überfallen? Prozess gegen vier Männer begonnen

Es ging ihnen wohl um Drogen, Medikamente und Bargeld - und um ihre Ziele zu erreichen, überfielen vier Männer aus der Region Wohnungen in Traunreut und Traunstein. Die Wohnungsinhaber wurden mit Schlagringen oder Elektroschockern malträtiert. So sieht es zumindest die Staatsanwaltschaft. Der Prozess gegen die Vier ist eröffnet, aus der Anklage gehen nun alle Details hervor.

Im April 2019 der erste Überfall: Eine Wohnungstür in Traunreut sei aufgebrochen worden, einer sei Schmiere gestanden, der zweite habe den Bewohner festgehalten, der dritte habe mit einem Schlagring zugeschlagen.

Der zweite Überfall laut Staatsanwaltschaft dann im Januar 2020 in Traunstein. Drei der Angeklagten hätten gewusst, dass der 53-Jährige Bewohner wegen seiner Behinderung Morphium-Tabletten und Fentanyl-Pflaster besitzt. Mit Elektroschocker und Machete bewaffnet sei das Trio beim Traunsteiner vor der Wohnungstür gestanden. 

So, jetzt haben wir Dich. Aus is‘“, habe er gleich zu hören bekommen. Das 53-jährige Opfer sei dann in die Wohnung gedrängt worden, die Wohnungstür versperrt. Dann sei der Mann geschlagen, getreten und mit einem Elektroschocker gequält worden, so die Staatsanwaltschaft, um Rauschgift und Geld zu bekommen. „Zudem zog ein Angeklagter eine mitgeführte Machete aus seiner Jacke, hielt diese dem Geschädigten an den Nacken und fragte, ob er ihm ein Ohr abschneiden solle“, so der Staatsanwalt.

Die Beute: 40 Euro, ein Einmachglas mit medizinischem Marihuana, Morphin-Tabletten, ein halbes Fentanyl-Pflaster und ein Handy. Die vier Männer sind angeklagt wegen gefährlicher Körperverletzung, besonders schweren Raubs, Sachbeschädigung, Verschaffen und Besitz von Betäubungsmitteln und versuchter Nötigung. 

Sind die Männer geständig? Und welchen Hintergrund haben die Vier? Nun geht es in die Beweisaufnahme.

Erstmeldung:

Sie stammen aus Chieming, Traunreut, Garching und Taufkirchen an der Vils und sollen für zwei Wohnungsüberfälle in Traunreut und Traunstein verantwortlich sein. Am Donnerstag, 22. Oktober, beginnt am Traunsteiner Landgericht die Verhandlung gegen das Quartett. Gegen die beiden Wohnungsinhaber soll dabei äußerst brutal vorgegangen worden sein, so die Staatsanwaltschaft: einmal mit einem Schlagring und einmal auch mit einem Elektroschocker und einer Machete.

Brutale Wohnungsüberfälle: Prozess in Traunstein

Konkret geht es um Überfälle in Traunreut am 11. April 2019 und in Traunstein am 11. Januar 2020. In Traunreut sollen sie sogar die Tür der Wohnung aufgebrochen haben. Danach sei der Wohnungsinhaber mit Schlägen traktiert worden, so die Staatsanwaltschaft. In Traunstein ging es den Angeklagten wohl um Geld, Medikamente, Schmerzmittel und Cannabis. Hier wurde der 53-jährige Wohnungsinhaber angeblich geschlagen, getreten, mit einem Elektroschocker verletzt und mit einer Machete bedroht.

Die Angeklagten sind zwischen 32 und 48 Jahre alt. Zwei sind gebürtig aus dem Landkreis Traunstein, einer aus Italien und einer aus Bulgarien. Vorgeworfen werden ihnen gefährliche Körperverletzung, besonders schwerer Raub, Sachbeschädigung, Verschaffen und Besitz von Betäubungsmitteln und versuchte Nötigung. Der Verhandlung in Traunstein beginnt um 9 Uhr.
chiemgau24.de wird aktuell berichten.

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Rubriklistenbild: © Boris Roessler

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