Die Angeklagten sollen dazu auch einen Elektroschocker benutzt haben

Wohnungsüberfälle im Chiemgau: Staatsanwalt fordert insgesamt über 24 Jahre Haft

Traunstein/Traunreut - Sie sollen in zwei Wohnungen eingebrochen sein und die Inhaber brutal überfallen haben. Gegen vier Angeklagte könnte am Landgericht schon heute ein Urteil fallen.

Update, 13.44 Uhr - Wohnungsüberfälle im Chiemgau: Staatsanwalt fordert insgesamt über 24 Jahre Haft


Über 24 Jahre Haft fordert die Staatsanwaltschaft insgesamt für die vier Angeklagten in ihrem Plädoyer. Besonders im Zentrum stehen die beiden Angeklagten, die an beiden Raubüberfällen beteiligt gewesen sein sollen. 

Der 48-jährige Garchinger - 23-fach vorbestraft - sei „Auslöser beider Überfälle“ in Traunreut und Traunstein gewesen. Er habe in der Traunsteiner Wohnung dem Opfer auch mit der Machete gedroht. „Er wurde auf längere Zeit aufs übelste gequält - für eigentlich nichts“, so der Staatsanwalt. Erbeutet wurden Medikamente, 40 Euro und ein Handy. Die Staatsanwaltschaft fordert neun Jahre Haft, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und besonders schweren Raubs. Verteidiger Karl-Heinz Merkl plädiert auf vier Jahre und drei Monate Haft, sowie eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Ebenfalls an beiden Überfällen beteiligt war ein 33-jähriger Traunreuter. Er soll beim Überfall in Traunstein den Elektroschocker betätigt und dem Opfer Fußtritte verpasst haben. Auch der Traunreuter ist erheblich vorbestraft und stand unter offener Bewährung. Acht Jahre will ihn die Staatsanwaltschaft im Gefängnis sehen, Verteidiger Jörg Zürner fordert vier Jahre und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Schließlich sei sein Mandant von Anfang an geständig gewesen und habe bereits 3.000 Euro Schmerzensgeld bezahlt. 

Sechs Jahre Haft fordert der Staatsanwalt für einen 37-jährigen Chieminger. Er war nur beim Überfall in Traunstein dabei. Der Chieminger habe „gewusst, was passiert und griff nicht ein“, so die Staatsanwaltschaft. Außerdem habe er dem Opfer den Weg versperrt. Auch der 37-Jährige sei wegen besonders schweren Raubs, Körperverletzung und Verschaffen von Drogen zu verurteilen. „Mein Mandant hat niemanden überfallen“, so Anwalt Hanns Barbarino. Er fordert einen Freispruch. Der Angeklagte habe die anderen beiden sogar noch eingebremst. 

Der vierte Angeklagte, 32 Jahre alt und aus Traunreut, soll „nur“ eine Bewährungsstrafe bekommen, wenn es nach der Staatsanwaltschaft geht: ein Jahr und drei Monate, dazu eine Alkoholtherapie. Er soll beim Überfall in Traunreut dabei gewesen sein. Welche Rolle er dabei spielte - ob er das Opfer bei den Schlägen festhielt oder nur Schmiere stand - ließ sich im Prozess aber nicht herausfinden. Anwältin Kerstin Zinke fordert deshalb einen Freispruch

Das Urteil wird am Dienstag, 27. Oktober, um 16 Uhr am Traunsteiner Landgericht verkündet. 

Update, 11.43 Uhr- Plädoyers stehen an: Welche Strafen könnten die vier Männer bekommen?


Die Beweisaufnahme ist abgeschlossen, nun geht es an die Plädoyers. Dann wird ersichtlich, welche Strafen die Angeklagten erwarten könnte. Drei der vier Angeklagten, diejenigen, die auch schon im Teenager-Alter Erfahrungen mit harten Drogen machten, kamen auch bereits mit dem Gesetz in Konflikt. Dementsprechend steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht mit einer Bewährungsstrafe davon kommen. Auch ein Urteil könnte heute noch fallen.

Im Wesentlichen waren die Angeklagten geständig: Keiner leugnete, an einem der Tatorte in Traunreut oder Traunstein gewesen zu sein. Keiner leugnete, an den Taten beteiligt gewesen zu sein. Strittig waren bisher nur Details. Wurde dem Opfer aus Traunstein der Elektroschocker wirklich ins Kreuz gedrückt? War auch eine Machete mit ihm Spiel. Der 53-jährige Traunsteiner, der im Januar überfallen wurde und bereits als Zeuge aussagte, machte einen glaubwürdigen Eindruck und beschrieb genau, wie er die Stromstöße spürte und mit der Machete bedroht wurde.
 
Den vier Angeklagten wird gefährliche Körperverletzung, besonders schwerer Raub, Sachbeschädigung, Verschaffen und Besitz von Betäubungsmitteln und versuchte Nötigung vorgeworfen. Bei beiden Wohnungsüberfällen sollen sie jeweils zu dritt gewesen sein. Der 48-jährige Garchinger und der 33-jährige Traunreuter sollen an beiden Taten beteiligt gewesen sein. 

Erstmeldung:

Ein Traunreuter wurde in seiner Wohnung - vor den Augen seiner 79-jährigen Mutter - zusammengeschlagen, weil drei der Angeklagten wohl etwas „klären“ wollten. Die Tag geschah im April 2019. Einen Traunsteiner traf es laut Anklage wesentlich härter: Bei ihm tauchten drei der Angeklagten angeblich mit Machete und Elektroschock-Gerät auf. Handy, Geld und Cannabis-Produkte für seine Krankheit wurden dem Mann abgenommen.

Brutale Wohnungsüberfälle: Prozess in Traunstein

„Sie haben gedroht, mir damit das Ohrwaschl abschneiden zu wollen“, sagte der Traunsteiner beim Prozessauftakt am Donnerstag, 21. Oktober, aus. Auch der Elektroschocker sei ihm bei der Tat im heurigen Januar zwei Mal ins Kreuz gedrückt worden. Die vier Angeklagten sind zwischen 32 und 48 Jahre alt und alle im Landkreis Traunstein groß geworden - und sie eint jeweils eine gebrochene Biografie. Drei nahmen schon im Teenager-Alter harte Drogen, Alkohol spielt eine große Rolle.

Vorgeworfen wird den Männern gefährliche Körperverletzung, besonders schwerer Raub, Sachbeschädigung, Verschaffen und Besitz von Betäubungsmitteln und versuchte Nötigung. Der Verhandlung in Traunstein beginnt am Freitag, 23. Oktober, um 9 Uhr. Erwartet wird ein psychiatrisches Gutachten und die Plädoyers. Möglicherweise wird am Freitag auch noch ein Urteil fallen.
chiemgau24.de wird aktuell aus dem Landgericht berichten.

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Rubriklistenbild: © Boris Roessler

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