Brandstiftung am Rosenheimer Brückenberg - Prozess in Traunstein

Für den Staatsanwalt war es versuchter Mord - lange Haftstrafe gefordert

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Rosenheim - Im Juni vergangenes Jahr geriet ein Haus am Rosenheimer Brückenberg in Brand. Die Polizei ging damals schon von Brandstiftung aus. Nun läuft der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter. Am Montag geht der Prozess weiter: 

UPDATE, 14.45 Uhr: Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Rechtsanwalt

Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft:

Für Staatsanwalt Oliver Mößner sei der Tatvorwurf vollständig erwiesen. Dies sei auf die Einlassung des Angeklagten zurückzuführen, hätte aber auch durch die Videoaufnahmen bewiesen werden können. „Ich frage mich wirklich, warum legt der Angeklagte direkt am Treppenabgang ein weiteres Feuer?“, so Mößner. Für ihn sei der Grund, dass er dadurch die Fluchtwege versperren wollte, was für eine vorsätzliche Tötung spreche. 

Dass der Angeklagte das Feuer in der Nacht legte und somit davon ausging, dass die Bewohner im Schlaf überrascht werden, erfülle für den Staatsanwalt das Mordmerkmal der Heimtücke. Nachgewiesen sei daher versuchter Heimtückenmord in zehn Fällen in Tateinheit mit dem Versuch der Brandstiftung mit Todesfolge, in zehn Fällen in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung. Der Staatsanwalt gehe davon aus, dass der Angeklagte gewusst habe, dass sich auch Kinder in dem Gebäude gefunden haben. Er beantragt daher eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren.

Das Plädoyer des Rechtsanwalts:

Für Rechtsanwalt Harald Baumgärtl stelle sich die Frage, wie sich der Sachverhalt in Kombination mit dem Geständnis seines Mandanten ereignet habe. Die Staatsanwaltschaft sei davon ausgegangen, dass ein versuchter Mord vorliege. Hier sei aber abzuwägen, ob Mordmerkmale vorliegen. 

Baumgärtl sehe keinen direkten Tötungsvorsatz seines Mandanten. „Er hat sich sicherlich keinerlei Gedanken über die rechtlichen Folgen seiner Tat gemacht. Er war unzufrieden und alkoholisiert.“ Man könne von einer Spontantat, nicht aber von einem versuchten Mord ausgehen. „Was anzunehmen ist, ist die schwere Brandstiftung.“ Auch der Verteidiger könne kein klares Motiv seines Mandanten herausarbeiten, weswegen er sich den Ausführungen des psychiatrischen Gutachters anschließe. Er beantragt für den Angeklagte eine Haftstrafe von acht Jahren.

Das letzte Wort des Angeklagten:

Der Angeklagte folgte den Ausführungen der Staatsanwaltschaft und seines Verteidigers ruhig und unbeeindruckt. Er hat das letzte Wort: "Ich weiß nicht was ich sagen sollte, außer dass ich mich den Ausführungen meines Anwalts anschließe."

Das Urteil wird am 24. Januar um 10 Uhr verkündet.

UPDATE, 12.40 Uhr: Angeklagter voll schuldfähig

Laut dem psychiatrischen Gutachten von Dr. med. Stefan Gerl, Chefarzt der forensischen Psychiatrie am Inn-Salzach-Klinikum, ist der Angeklagte voll schuldfähig. Auch Gerl habe zur Motivlage bei der Begutachtung des Angeklagten nichts weiter herausfinden können. „Aus meiner Sicht geht’s um irgendwelche Kränkungen und Frustrationen, das hat man häufiger bei Brandstiftungen. Möglicherweise war er durch Alkoholkonsum ein wenig enthemmt.“ Ihm gegenüber habe der Angeklagte, anders als vor Gericht, angegeben, nur wenig getrunken zu haben und nicht betrunken gewesen zu sein. Eine vorliegende Pyromanie sieht der Chefarzt beim Angeklagten nicht gegeben. Er könne keine seelische Störung erkennen.

UPDATE, 11 Uhr: Weitere Zeugen sagen aus

Der zweite Verhandlungstag beginnt mit den Aussagen weiterer Zeugen. 

„Es war schon recht schmutzig, unmögliche Bewohner lebten in dem Haus“, sagt eine ehemalige Mitbewohnern des Angeklagten aus. Es war grundsätzlich recht laut in dem Haus und habe auch Streitigkeiten untereinander gegeben. Vom Angeklagten selber, habe sie nichts mitbekommen. Am Tag, an dem es gebrannt hat, sei sie aufgewacht, als alles schon voller Rauch war. Als sie dann das Hau verließ, habe sie gesehen, dass schon einige Mitbewohner mit Eimern gelöscht haben. 

Auch der Freund der Zeugin, der ebenfalls dort wohnte, sagt aus, dass er mit dem Angeklagten keinen Kontakt gehabt habe. Er wisse auch nichts über das mögliche Motiv des 26-Jährigen. 

Ein weiterer Zeuge, ebenfalls ein ehemaliger Bewohner, konnte nicht geladen werden, da keine Adresse von ihm bekannt sei und dieser auch per Haftbefehl gesucht werde.

Vorbericht

Laut Anklageschrift soll ein 26-jähriger Bosnier in der Nacht vom 13. auf den 14. Juni 2017 aus Verärgerung über die Zustände im Haus und das Verhalten der Mitbewohner ein Feuer in seinem Zimmer im 2. Stock des Anwesens am Rosenheimer Brückenberg gelegt haben, indem er die auf dem Boden liegenden Matratzen anzündete

links: Rechtsanwalt Harald Baumgärtl, rechts: der 26-jährige Angeklagte

Danach soll er im gleichen Stockwerk neben der Treppe ein weiteres Feuer entzündet und dann das Haus verlassen und sich auf den Weg in seine Heimat gemacht haben. Das Zimmer des Angeklagten brannte durch das Feuer fast vollständig aus. Am ersten Verhandlungstag räumte der 26-Jährige die Tat ein.

Da sich durch das Feuer ein Schrank von der Wand löste und zu Boden fiel, erwachte ein Mitbewohner und wurde auf den Brand aufmerksam. Er habe dann die anderen noch schlafenden Bewohner geweckt.

Das Feuer im Zimmer des Beschuldigten sei vermutlich aus Sauerstoffmangel von selber wieder erloschen, das andere gelegte Feuer habe von den Bewohnern gelöscht werden können. Zum Zeitpunkt des Brandes haben sich im Haus laut Staatsanwaltschaft insgesamt 24 Personen befunden, darunter drei Kinder.

Polizei ging damals schon von Brandstiftung aus

Nach dem Brand des Mehrfamilienhauses ging die Polizei kurz nach dem Vorfall schon von Brandstiftung aus. Gegen den verdächtigen Angeklagten wurde damals Haftbefehl erlassen. Er sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Nun beginnt am Landgericht Traunstein vor der 5. Strafkammer der Prozess gegen den mutmaßlichen Brandstifter. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage gegen den Mann wegen versuchten Mordes in zehn Fällen in Tateinheit mit Versuch der Brandstiftung mit Todesfolge. Das Gericht hat dafür vier Verhandlungstage anberaumt:

8. Januar, 9 Uhr
14. Januar, 9 Uhr
24. Januar, 9 Uhr
25. Januar, 9 Uhr

Durch die alarmierten regionalen Feuerwehren konnte der Brand damals relativ rasch unter Kontrolle gebracht werden. Das Gebäudwar komplett verraucht und konnte nur mit schwerem Atemschutz betreten werden, teilte die Polizei mit. Fünf Personen mussten mit Verdacht auf Rauchgasintoxikation ins Krankenhaus gebracht werden.

Nachdem die Ermittler zahlreiche Zeugen vernommen und diverse Spuren ausgewertet haben, musste von vorsätzlicher schwerer Brandstiftung ausgegangen werden, teilte die Polizei mit. Der Tatverdacht erhärtete sich im Zuge dieser Ermittlungen gegen den angeklagten 26-jährigen Bosnier, der ebenfalls kurze Zeit in dem Mehrfamilienhaus gewohnt hatte und sich am Tag nach dem Brand offenbar in seine Heimat absetzen wollte.

Der Gebäudeschaden beträgt etwa 45.000 Euro.

Quelle: chiemgau24.de

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