Die Klinik Bischofswiesen war seine Rettung

Erst 120 - jetzt 60 Kilo: Manuel (11) schafft Abnehmmarathon

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Bischofswiesen - Zehn Jahre alt war Manuel Klammer, als er im vergangenen Jahr mit knapp 120 Kilogramm Körpergewicht in die Klinik Schönsicht am Oberkälberstein kam. „Manuel konnte nicht aufhören zu essen, er hatte kein Sättigungsgefühl“, sagt seine Mutter Astrid. 

Ein Jahr und zwei Monate später gilt Manuel als großer Gewinner: er treibt Sport, ernährt sich gesund. Er hat die Hälfte seines Körpergewichts verloren. Dass Manuel im März vergangenen Jahres 120 Kilogramm auf die Waage brachte, ist für seine Mutter heute unvorstellbar. Ein anderer Mensch sei er damals gewesen, träge, der Körper verfettet, ein Kind in einem Körper, der selbst bei einem Erwachsenen Übergewicht bedeutet. „Das Problem war das Sättigungsgefühl“, sagt Astrid Klammer. Manuel konnte essen, essen, essen, „er hat alles, was er bekam, in sich hineingestopft.“ Sein Gewicht stieg immer weiter. Irgendwann war Manuel so schwer, dass die Beine unter seinem Gewicht zu leiden hatten. „Eine X-Stellung“, sagt der behandelnde Chefarzt Dr. Helmut Langhof.

Bischofswiesen war der erste Schritt zur Besserung

Manuels Geschwister sind normalgewichtig. Der Zehnjährige hat viele Jahre unter seinem Übergewicht gelitten, die Mutter war mit ihm bei vielen Ärzten, holte sich Ratschläge ein. „Aber am Ende brachte das alles nichts.“ Astrid Klammer bekam den Tipp, mit Sohn Manuel nach Bischofswiesen zu fahren, in die Klinik. Die Familie stammt aus Kärnten, nicht gerade der nächste Weg. Manuel hatte zu diesem Zeitpunkt einen Bauchumfang von 132,7 Zentimetern, es fiel ihm schwer, sich im Alltag zurechtzufinden. Die Krankenversicherung gab der Familie eine Zusage über einen Monat, den Manuel gemeinsam mit seiner Mutter in der Klinik verbringen durfte. Chefarzt Helmut Langhof sagt, dass die Erfolgsaussichten für Manuel zu diesem Zeitpunkt gut gewesen seien. „Allerdings klappt das nur, wenn die Familie mitspielt und unsere Ratschläge ernst nimmt.“

Erste Erfolge stellen sich ein

Im ersten Monat nahm Manuel rund 9 Kilogramm ab. Das Programm, das er durchlief, war intensiv, darunter mehrere Kochkurse, bei denen nicht nur den Eltern, sondern auch den Kindern der Umgang mit Nahrung beigebracht und erklärt wird, mit welchen Lebensmitteln man kochen sollte. Manuel hat ein Einkaufstraining absolviert, damit er weiß, welche Lebensmittel im Einkaufswagen landen sollen. Er bekam eine Kilokalorien-Obergrenze zugewiesen. „Maximal 1500 pro Tag“, sagt Langhof. Das entspricht einem Reduktionskurs, der dauerhaft gilt. „Der Körper beginnt dann wegen der negativen Energiebilanz Fett abzubauen“, sagt der Arzt. Schon nach kurzer Zeit schwinde das Hungergefühl. Die Familie bekam zudem eigene Kochbücher gestellt, mit denen sie seitdem kocht. Der Bub ging in psychologische Beratung, er wurde medizinisch begleitet. Viele Stunden in der Woche nahm Manuel an der hauseigenen Sporttherapie teil, musste viel zu Fuß gehen. „Anfangs fiel es ihm schwer“, sagt Mutter Astrid. Der Zehnjährige schnaufte, prustete bei kleinen Hügeln. So viel Körpergewicht mit sich zu führen, sei für den Körper eine Qual, sagt der Arzt. 

Die eigentliche Arbeit beginnt aber erst daheim

Die Klinik liegt mehrere Hundert Meter weit oben auf dem Oberkälberstein. „Wir sind dann öfter mal im Markt von Berchtesgaden gewesen, sagt die Mutter. Im Laufe der Zeit wurde Manuel fitter, der Schwimmunterricht brachte erste Erfolge, die Nahrungsumstellung sowieso. Er verlor Gewicht. „Bei so jungen Patienten muss man mit einer Nahrungsumstellung arbeiten. Eine Magenverkleinerung kommt in diesem Alter nicht infrage“, sagt Langhof, der vor den Gefahren warnt, im jungen Alter Übergewicht zu haben. „Verpasst man den richtigen Zeitpunkt, trägt der Körper bleibende Schäden davon.“ Nach dem ersten Monat hatte Manuel knapp 9 Kilogramm Gewicht verloren, das Gesicht wurde schmaler. „Wir geben den Familien die Anleitung mit nach Hause, wie es funktioniert“, sagt Langhof. Das eigentliche Arbeiten unter Alltagsbedingungen beginne dann aber erst zuhause. „Etwas Besseres als der Besuch in der Klinik hätte uns nicht passieren können“, sagt Astrid Klammer. Für sie war klar, dass Manuel es durchziehen musste, um auch später im Leben eine Chance zu haben.“ 

Die ganze Familie half mit

Manuels Entwicklung ist rückständig, er besucht eine Schwerstbehinderten-Schule. Er kann zwar alles alleine, braucht aber Unterstützung im Alltag. Seine Geschwister zogen mit, halfen beim Kochen, Naschereien zwischendurch gab es keine mehr. „Auch nicht hinter meinem Rücken“, erzählt die Mutter stolz. Das Gewicht des mittlerweile Elfjährigen schwand sukzessive, Manuel besuchte ab sofort regelmäßig den Schwimmunterricht in seiner Heimatstadt. Das Körperfett ging zurück, mittlerweile hat der Bub 30 Prozent verloren. Im vergangenen April ging es für die Familie erneut nach Bischofswiesen zur Auffrischungskur, wieder einen Monat lang. Langhof sagt, dass das notwendig ist, um den Erfolg zu stabilisieren. Der Mediziner und sein Team betreuen pro Jahr rund 400 übergewichtige Kinder und Jugendliche. Die Klinik hat sich über die Grenze hinaus einen Namen gemacht. Regelmäßig kommen TV-Teams, berichten über Kinderschicksale, über Erfolgsgeschichten. Manuels Mutter sagt, dass ihr Sohn inzwischen gelernt habe, dass Gemüse und Salat die beste Ernährung sei. „Er isst zuerst das Gesunde und dann die Nudeln.“ Einmal pro Woche gibt es einen Belohnungstag, an dem Manuel auch mal einen kleinen Eisbecher essen darf. Auch Arzt Helmut Langhof sagt, dass es wichtig sei, dass Kinder belohnt würden. Manuels Mutter habe „alles richtig gemacht.“

Mit 60 Kilo weniger in ein neues Leben

Seit mehreren Monaten besucht der Sohn wöchentlich das örtliche Fitnesscenter, fährt mit dem Rad, wandert mit der Familie. Manuel lacht jetzt wieder viel. Er hängt beim Spazieren schon mal seine Mutter ab, das Schnaufen fällt ihm wieder leicht. Kürzlich spazierte er vom Obersalzberg nach Berchtesgaden und zurück in die Klinik. Stundenlang waren Mutter und Sohn unterwegs. „Mama, Mama, hopp, hopp, mach mit“, sagt er dann immer. Den Zuckerkonsum hat die Familie eingestellt. Manuel ist ausgeglichener geworden. „Das war beinharte Arbeit“, sagt die Mutter. Ihr Sohn wiegt aktuell 59,5 Kilogramm, der Bauchumfang konnte um einen halben Meter auf 83 Zentimeter reduziert werden, seine Persönlichkeit hat sich während des Abnehmprozesses ins Positive entwickelt, attestiert der Arzt. Dieser Tage geht es wieder zurück nach Kärnten. Hinein in den Alltag, den der junge Bub mittlerweile so gut meistert. 

Kilian Pfeiffer

Quelle: BGland24.de

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