Ungewohnte Eindrücke aus Berchtesgaden

Erster Einkaufstag seit 18. März: Das sagen Kunden und Geschäftsleute

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Max Köppl freut sich nach fast sechs Wochen wieder Kunden zu bedienen. Der Mundschutz wird dabei in Kauf genommen.

Berchtesgaden - Erstmals seit fast sechs Wochen dürfen Einzelhändler und andere Geschäfte mit einer Fläche von bis zu 800 Quadratmeter wieder öffnen, unter strengen Auflagen. Auch die Mundschutzpflicht greift jetzt in ganz Bayern. BGLand24.de hat sich in Berchtesgaden einen ersten Eindruck verschafft.

"Es ist der erste Tag, aber ich bin froh, dass Kunden kommen", gibt Max Köppl zu. Er betreibt ein Trachtengeschäft am Berchtesgadener Weihnachtsschützenplatz. Natürlich konnte er während der Schließung in der hauseigenen Schneiderei arbeiten, aber "die richtigen Auswirkungen werden wir erst noch spüren". Denn die Frage ist, wie viel von der Frühlingsware noch verkauft werden kann, wie es mit der Sommer- und Herbstware weitergeht, die großteils ja schon bestellt ist.


Am 18. März 2020 mussten sämtliche Geschäfte, die nicht Lebensmittel oder andere für die alltägliche Versorgung nötige Dinge verkaufen, schließen. Eine Vorsichtsmaßnahme aufgrund des Coronavirus. Die betroffenen Einzelhändler hielten sich in der Zwischenzeit mit kreativen Ideen wie Online-Mode-Beratung oder kostenlose Schuhlieferung über Wasser.

Nur mit Mundschutz und desinfizierten Händen: Hygiene-Maßnahmen werden bei den Berchtesgadener Händlern eingehalten.

Nur zu gern haben sich Geschäftsleute wie Köppl jetzt auf die aktuell geltenden Hygienebestimmungen eingelassen, um die Kunden wieder direkt im Geschäft zu beraten. So ist bei fast allen Geschäften der Desinfektionsmittel-Spender direkt an der Eingangstür aufgestellt, teilweise werden eigene Mund- und Nasen- Schutzmasken verkauft. Und doch ist es anders als sonst.

Auch Karl Seiberl vom gleichnamigen Modehaus in Berchtesgaden ist skeptisch. "Wir haben ja gerade erst einen Tag eine Stunde offen", schränkt er ein. Doch auch er ist froh, dass Kunden kommen. Eine Verkäuferin beteuert, dass die Beratung und das Probieren auch mit Mundschutz möglich ist. Wie alle im Geschäft trägt sie eine selbstgenähte Mund- und Nasenschutz-Maske.

Wie hilft man beim Dirndl-Anziehen aus 1,50 Meter Abstand?

"Auch die Kunden tragen alle ein Mund- und Nasenschutzmaske", freuen sich die Verkäuferinnen im Modehaus Dollinger. "Aber wir haben heute auch schon einen von unseren verkauft." Denn zu Dollinger gehört seit vergangenem Jahr die Firma "Moser Trachten" mit eigener Schneiderei. Dort wurden die Masken gefertigt. "Wenn man bei uns ein Dirndl kauft, kann gleich der passende Mundschutz erworben werden", verrät eine Verkäuferin mit strahlenden Augen.

Doch auch sie ist gespannt, wie sich das Geschäft in den kommenden Wochen entwickeln wird. "Natürlich kommen die Leute zum Schauen, aber beim Probieren haben wir bisher ja immer geholfen, jetzt heißt es 1,50 Meter Abstand halten." Ob das in der Praxis dann so umsetzbar sei, werde sich zeigen.

Mund- und Nasenschutz-Maske: "Vor allem am Telefon ist es schwierig

Im Schuhhaus Angerer sind die Mitarbeiter nicht einmal dazu gekommen, die Desinfektionsmittel-Spender aufzustellen. "Mit dem Kundenansturm haben wir nicht gerechnet", freut sich Marlene Schlagbauer. Sie ist sichtlich froh darüber, wieder direkt in Kundenkontakt zu stehen. "Der Mundschutz stört schon ein bisschen", gibt sie aber zu. Darunter sei es warm und man verstehe die Kunden nicht so gut.

In fast allen Berchtesgadener Geschäften findet man an den Kassen Spuckschutzwände, hier in der Buchhandlung Rupprecht provisorisch.

"Vor allem am Telefon wird es schwierig", gibt die Verkäuferin in der Rupprecht Buchhandlung zu. Aber auch sie ist froh, dass die Kunden wieder in den Laden kommen können. "Wir haben uns provisorisch beholfen, aber die Kunden halten auch gut Abstand und sind vorsichtig." Der Eindruck vermittelt sich in allen Geschäften.

Eine Mutter, die gerade mit ihrer kleinen Tochter Schuhe kauft, gesteht: "Diese Mund-Nasen-Schutz-Maske stört mich ziemlich, aber es hilft nichts." Auch Kunden bei Trachten Köppl fragen sich, wie der Inhaber und seine Verkäuferinnen das den ganzen Tag aushalten, aber für die Möglichkeit, wieder alltägliche Dinge zu erledigen, nehmen sie die Einschränkung gerne in Kauf.

"Wir wissen alle nicht, wie lange uns das begleitet", sind sich die Einzelhändler einig. Sie machen das Beste daraus und werden von ihren Kunden unterstützt. Außerdem behält ein Teil von ihnen die Online-Beratung und den Lieferservice bei. Bei Euronics Denk geht Inhaber Florian Meilinger davon aus, dass die Kunden sich auch weiterhin per Telefon melden werden, aber seit heute dürfen auch wieder zwei Kunden gleichzeitig in den kleinen Laden.

cz

Quelle: BGland24.de

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