Zuspruch und drohende harte Sanktionen

Mann filmt Kontrolle der Ausgangssperre in Bayern: Video und Söder-Beleidigung sorgen für Zündstoff

Ein Video von Martin Gerloff geht derzeit viral. Es zeigt den privaten Vermittler von Strom- und Gasverträgen bei einer „Allgemeinen Verkehrskontrolle“ nach 21 Uhr. Im Gespräch mit der Polizei macht Gerloff seinen Ärger über den „Müll“ an Corona-Maßnahmen und Vorschriften Luft und beleidigt sogar Ministerpräsident Söder. Weil er das Video online stellt, droht ihm jetzt richtig Ärger.

Beilngries - Es ist Montag, der 4. Januar, gegen 21.45 Uhr, als Martin Gerloff zusammen mit seiner Frau von der Polizei in Beilngries (Landkreis Eichstätt) aufgehalten wird. Kurz bevor die „Allgemeine Verkehrskontrolle“ beginnt, schaltet Gerloff seine Handykamera an und filmt in der Folge das Gespräch mit den Beamten.


Während die Polizisten seinen Führerschein und Fahrzeugpapiere fordern, geht Gerloff direkt auf Konfrontation und bemängelt die aggressive Fahrweise der Beamten. Er sei ja nicht auffällig geworden und ob man dann mit solch einem Tempo ihn verfolgen müsse, stellt Gerloff die Frage. Die Beamten gehen nicht weiter auf diese Anspielung ein und wollen von ihm wissen, ob er denn einen triftigen Grund hätte, nach 21 Uhr noch unterwegs zu sein. Den hätte er sehr wohl antwortet Gerloff, jedoch möchte er diesen nicht nennen.

Corona-Ausgangssperre: Video von Polizeikontrolle in Bayern geht viral


Sie sind in der Pflicht zu beweisen, dass ich keinen triftigen Grund hatte. Viel Spaß“, kontert Gerloff. Dann redet er sich in Rage. Er unterstütze diesen „Müll an Gesetz“ nicht. Die Kontrolle geschehe nur, weil „das Gesetz, weil der blöde Söder es so sagt. Das ist so ein Schwachsinn, und deswegen gibt es keine Antwort“.

Die Beamten, welche längst die Kamera entdeckt haben, reagieren ruhig und erklären ihm die derzeitig geltende Gesetzeslage. Wenn Gerloff sich nicht äußern wolle, „ist das überhaupt kein Problem, dann schreiben wir eine Ordnungswidrigkeitenanzeige.“ Gerloff betont immer wieder, er habe einen triftigen Grund, wolle diesen aber nicht nennen, auch seine Frau bestätigt diese Aussage. Und Gerloff ist sich sicher: „Deswegen mache ich es halt schwer, weil im Endeffekt werden wir eh Recht bekommen. Das wird hundertprozentig so sein. So habt ihr ein bisschen Arbeit und im Endeffekt werdet ihr vielleicht dann aufwachen.“

Bei Kontrolle: Autofahrer beleidigt Ministerpräsident Markus Söder

Im weiteren Gespräch bezeichnet Gerloff Bayerns Ministerpräsidenten Markus Söder auch noch als „Penner“. Als die Polizisten darauf verweisen, dass sie nur ihrer Arbeit nachgehen würden, stellt Gerloff die Frage: „Was würden sie denn machen wenn er sagen würde, sie müssen jetzt in Unterhose zur Arbeit kommen?“

Gerloff möchte laut eigener Aussage die Beamten und andere Menschen „einfach aufwecken“. Den Beamten interessiert dies aber relativ wenig und schreiben eine Ordnungswidrigkeitsanzeige wegen des Verstoßes gegen das bayerische Infektionsgesetz, die nun beim Landrats­amt Eichstätt liegt. Doch damit nicht genug. Weil der 34-Jährige das Video ins Netz stellte, wird nun auch wegen der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes gegen ihn ermittelt.

Wegen Beleidigung des Ministerpräsidenten ermittelt außerdem der Staatsschutz der Kripo Ingolstadt. Das ist eigentlich ein Delikt, das der Betroffene zur Anzeige bringen muss. Ob Söder Anzeige erstatten will, ist derzeit noch ungewiss.

Gerloff erhält für sein Video, welches bisher über eine Millionen Mal geklickt wurde (Stand: Dienstag, 12. Januar, 17 Uhr), fast ausschließlich positive Resonanz. „Ach das geht runter wie Butter sehr erfrischend klug und besonnen auf so eine Kontrolle zu reagieren prima super bravo“, meint zum Beispiel ein User.

mz/jg

Rubriklistenbild: © Collage (Screenshot: YouTube/Martin Investigativ, picture alliance/dpa | Uwe Anspach)

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