In Zeiten der Corona-Krise - „Uns ist es wichtig zu helfen“

Schutz vor Ansteckung: Ampfinger Firma produziert Gesichtsschilder für Krankenhaus

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links: Ein Mitarbeiter bei der Produktionen eines Gesichtsschildes. rechts: Das fertige Produkt, das die Augen vor Tröpfchen und Spritzern schützen soll. Ideal für Brillenträger. 

Ampfing – Die Firma Wackerbauer Maschinenbau hat auf Anfrage des Mühldorfer Krankenhauses mit der Produktion von Gesichtsschildern begonnen – zum Schutz vor Tröpfchen und Spritzern.

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„Die Idee hat sich aus einem Gespräch zwischen uns und einem Mitarbeiter des Krankenhauses heraus entwickelt“, berichtet Geschäfsführerin Claudia Wackerbauer gegenüber innsalzach24.de. Eigentlich würde die Firma eher eine Maschine bauen, die ein solches Produkt fertigt.


Aber in Zeiten der Corona-Pandemie, in denen Schutzausrüstungen Mangelware sind, will die Firma ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise beitragen: „Wir machen das, weil es jetzt benötigt wird. Wenn man jemanden damit helfen kann und dadurch Pflegepersonal gesund bleibt, hat es seinen Dienst schon erfüllt“, so Wackerbauer.

Das Gesichtsschild stellt eine Ergänzung zu Schutzmasken dar. Ein Mundschutz deckt nur Mund-Nasen-Bereich ab, schützt aber nicht die Augen vor Tröpfchen. „Wenn das Coronavirus in die Schleimhäute der Augen gelangt, ist es auch ansteckend, oder man verwischt es sich später, wenn es im Gesicht ist“, erklärt Wackerbauer den Vorteil. Das Gesichtsschild decke das gesamte Gesicht ab.


"Unsere Mitarbeiter haben gemerkt, dass sie in der derzeitigen Corona-Krise auch etwas beitragen können“, berichtet die Geschäftsführerin Claudia Wackerbauer.

Alle Arbeitsschritte können selbst getätigt werden

Zusammen mit ihrem Bruder Günther Wackerbauer, mit dem sie gemeinsam die Firma leitet, haben sie überlegt, ob diese Idee auch umgesetzt werden kann. „Wir können das auch selbst fertigen. Wir können Wasserstahl schneiden. Auch die Form können wir abkanten. Der Rest ist Handarbeit, wobei uns ein Roboter beim Kleben hilft“, erklärt die Maschinenbauerin.

Das sei ein Vorteil einer kleineren Firma. „Wenn jemand ein Problem hat, dann sitzen wir uns hin und lösen es mit unseren Kenntnissen“, so Wackerbauer. Eine große Herausforderung wäre die Produktion nicht, da die Firma ein Einzelfertiger sei. Es werden je nach Auftrag andere Dinge produziert. Flexibilität ist für das Unternehmen Alltag. Ein weiterer Pluspunkt sei es, dass sie alle Arbeitsschritte selbst erledigen konnten.

Wackerbauer: "Wollen Notlage nicht ausnützen, sondern helfen"

„Gut die Hälfte davon ist Handarbeit, aber wir haben festgestellt, dass es den Leuten gut tut. Unsere Mitarbeiter haben gemerkt, dass sie in der derzeitigen Corona-Krise auch etwas beitragen können“, berichtet die Geschäftsführerin. Fast der ganze Betrieb war bei den ersten 1600 Stück involviert, auch wenn es vielleicht eine andere Tätigkeit als sonst war.

Zwar hätte die Firma auch mit Umsatzeinbußen aufgrund der Coronakrise zu kämpfen, das sei aber nicht der Grund für diese Spezialanfertigung gewesen: „Uns ist es wichtig zu helfen. Wir wollen unsere Kosten gedeckt bekommen. Wir wollen die Notlage nicht ausnützen“, erklärt Wackerbauer.

Abstimmung mit Pflegern und Ärzten

Von der Idee bis zur ersten Auslieferung vergingen gerade mal fünf Tage. Aus einer Fotovorlage wurde ein Prototyp erstellt, den die Pfleger und Ärzte begutachten konnten. Mit den Änderungswünschen produzierte die Firma eine angepasste Version, die freigegeben wurden. „Dann haben wir die Maschinen laufen gelassen“, so die Geschäftsführerin.

Die Gesichtvisiere gehören zur Schutzausrüstung und unterliegen daher einer Norm. An diese Vorgaben hat sich die Firma gehalten - beispielsweise die Verwendung von bruchsicherem Material oder ausreichende Abdeckung des Gesichtsfeldes. Das sei die übliche Arbeit im Maschinenbau. „Zwar ist das Themengebiet fremd, aber eine Normenrecherche ist unser tägliches Brot“, erklärt Wackerbauer.

Die Eigenschaften der Gesichtsvisiere: stabil und wiederverwendbar. 

Verwendung nur während der Corona-Pandemie erlaubt

Normalerweise müsste diese Norm verifiziert werden, dass alles eingehalten wurde. Aufgrund des akuten Bedarfs, könne diese Überprüfung derzeit aber nicht durchgeführt werden. Diese Zeit hätte man gerade nicht. Das Risiko wird abgeschätzt, was im schlimmsten Fall passieren könnte. „Vielleicht entstehen Kratzer im Visier beim desinfizieren, aber es ist jetzt akut geholfen“, so Wackerbauer. Aus diesem Grund ist die Verwendung nur von medizinischem Fachpersonal und nur während der Corona-Pandemie erlaubt.

Ungefähr 600 Stück am Tag könnte das Unternehmen produzieren. „Wir haben bereits ein wenig vorproduziert, sollte der Bedarf noch steigen. Aber eine Einschränkung könnte das Material werden, das in naher Zukunft vielleicht nicht mehr so verfügbar ist. Auch Lieferketten werden sich in Zukunft weiter verzögern“, so die Geschäftsführerin.

Gewöhnlich deckt die Ampfinger Firma Maschinenbau für Sonderaufgaben ab, größtenteils im Chemiebereich oder der Lebensmittelverarbeitung. Aber auch Hubschrauberbodengeräte haben sie im Angebot - eine Erfindung des Unternehmens, die sie seit 18 Jahren verkaufen. Doch besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen.

jz

Quelle: innsalzach24.de

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