Nach Protesten am Circus Krone in Ainring

Tierrechtler: "Wir haben keine Kinder verängstigt!"

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Tierrechtler demonstrierten in Ainring lautstark vor dem Circus Krone.
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Ainring - Er ist bereits nach Burghausen weitergezogen - der Circus Krone. Zirkusfreunde waren begeistert, Tierrechtler eher nicht. Und das Aufeinandertreffen von Zirkusfreunden und Protestanten schlug in Ainring hohe Wellen.

Tierrechtler demonstrierten in Ainring lautstark vor dem Circus Krone.

Die Schlangen vor dem Eingang des Circus Krone waren lang. Große wie kleine Zirkusbesucher warteten geduldig, bis sie in das Zirkuszelt eintreten durften, um sich die Jubiläums-Show anzuschauen. Artisten und Clowns, Pferde und Papageien, aber auch Wildtiere wie ein Nashorn, Elefanten und Raubkatzen gehörten zum Programm. Aber genau diese lockten nicht nur die Zirkusbesucher, sondern auch die Tierrechtler an, die gegen die mitreisenden Wildtiere protestierten und auf den Tierschutz aufmerksam machen wollten. Ostermontag ging es besonders heiß her, zahlreiche Eltern meldeten sich bei BGLand24.de, dass ihre Kinder verängstigt und beschimpft worden seien. BGLand24.de hat mit Tom Putzgruber, dem Demonstrationsleiter der Gruppe respektiere.at gesprochen:

Herr Putzgruber, Sie sind der Verantwortliche für die Demonstrationen vor dem Circus Krone. Was war das Ziel Ihrer Demo? 

Diese Frage ist schnell erklärt: Ein möglichst sofortiges Verbot für das Mitführen von Wildtieren in Zirkussen in Deutschland!

Was sagen Sie zu den Vorwürfen, dass Kinder beschimpft und verängstigt wurden?

Service:

Diese Vorwürfe sind völlig unhaltbar und aus der Luft gegriffen. Wir sind ein Tierrechtsverein, der sich nebenbei bei vielen Projekten auch der Menschen annimmt. Wir bringen zum Beispiel auf unseren Hilfsfahrten in die osteuropäischen Länder auch stets ganze Wagenladungen voll Güter und Lebensmittel für Bedürftige in diesen Regionen. Wir veranstalten alle paar Wochen sogenannte ‚Gratis-Flohmärkte für Bedürftige und Obdachlose‘ in Salzburg, wo Kleidung und Dinge des täglichen Bedarfs oder Hygieneartikel, völlig kostenfrei abgegeben werden. Auch eine Tiertafel für die vierbeinigen Begleiter gehört dazu.

Tierrechtler demonstrierten in Ainring lautstark vor dem Circus Krone.

Wir treten in all unseren Aktion gegen jegliche Gewalt, egal ob gegen Mensch oder Tier auf und möchten mit allem Nachdruck festhalten, dass wir ausschließlich den gewaltfreien Weg wählen, um unsere Botschaften an den Mann zu bringen. Um beim aktuellen Beispiel zu bleiben: Zu keiner Zeit wurde ein Kind beleidigt oder auch nur direkt angesprochen, vielmehr galten Sprechchöre den Eltern, die mit ihrem Eintrittsgeld diese seltsame, mittelalterlich anmutende Form der Unterhaltung, wo völlig wehr- und stimmlose Mitgeschöpfe neben vielen anderen bedenklichen Aspekten (Transport, Unterbringung, etc.) auch noch zu Dingen gezwungen werden, welche völlig wider ihrer Natur sind, prolongieren.

Wir möchten dezidiert festhalten: Weder wurden Kinder verängstigt oder verunsichert, und wenn ‚Für Eure Kinder – eingesperrt‘ ertönt, dann müssen die Eltern, die gedankenlos eine derartige Form der Tierausbeutung dulden und mit dem Eintrittsgeld aktiv unterstützen, diesen Hinweis zum Nachdenken wohl über sich ergehen lassen.

Und der Vorwurf, dass ein Vater vor den Augen seiner Kinder in den Matsch gestoßen wurde?

Tierrechtler demonstrierten in Ainring lautstark vor dem Circus Krone.

Dieser Vorwurf ist völlig absurd und dem möchten wir mit aller Deutlichkeit entgegentreten. Ein einziger Tierschützer hat die Straße ein einziges Mal überschritten, um einen Mann zur Rede zu stellen, weil er die Tierschützer beschimpft hat. Dabei gab es keinerlei Körperkontakt. Die Polizei war bei diesem Gespräch zu gegen. 

Derjenige, der das behauptet, darf sich gerne melden, damit wir diese Angelegenheit gemeinsam vor der Polizei klären. Solche Anschuldigungen finde ich niederträchtig und rufschädigend. Es gab im Übrigen auch viele Leute, die auf uns zugekommen sind und gesagt haben, wie gut sie unseren Einsatz fänden. 

Bei der Demo am Sonntag sollen kleine Kinder im Alter zwischen 4 und 6 Jahren durch ihre Megaphone mit Parolen wie „Ja nur wegen Euch, werden die Tiere eingesperrt“, „Schämt Euch Ihr Tierquäler“, „Ihr seid nicht anders als Eure Eltern“ angeschrien worden sein. Sind Kinder da wirklich die richtigen Ansprechpartner? Kann man Kinder nicht kindgerechter „aufklären“ als durch Megafonrufe? 

Wir haben seitens der Polizei oder des Landratsamtes keinerlei Kritik bekommen, dass der Ablauf zu beanstanden war. Wir haben kein einziges Kind direkt angesprochen, es hat lediglich eine einzige diesbezügliche Parole mit dem Wortlaut „Für Eure Kinder – Eingesperrt!“ gegeben. 

Alle anderen Sätze sind von uns so nicht gesagt worden. „Für Euch Kinder eingesperrt“ oder „Ihr seid nicht anders als Eure Eltern“ wäre pädagogisch nicht richtig. Außerdem verteilen wir an unseren Ständen dutzende verschiedene Flyer, speziell an Eltern, welche den Kindern die Vorgänge und die unartgerechte Lebensweise, zu der Zirkustiere gezwungen werden, eingehend erklären. 

Ihre Gruppe ist ja österreichischer Herkunft, warum dann eine Demo in Deutschland? 

Tierrechtler demonstrierten in Ainring lautstark vor dem Circus Krone.

Unsere Organisation ist in ganz Europa und sogar Afrika tätig, wo wir ein sehr engagiertes Projekt für die Arbeitsesel in Mauretanien betreiben. Wir behandeln dort mit insgesamt vier Ärzten bis zu 1.000 Tiere pro Monat. Wir haben auch einen deutschen Ableger, mit Sitz in Bad Reichenhall. Davon ab sind die Hälfte der Aktivisten aus Bayern. Mittlerweile gibt es in insgesamt 23 Ländern ein gänzliches oder teilweises Verbot für das Mitführen von Wildtieren in Zirkussen. Selbst in Ländern wie Bosnien, Bulgarien und Serbien wird das als Tierquälerei angesehen und das obwohl diese Länder ja eigentlich selber mit genug Problematiken kämpfen, was die Menschenrechte angeht. 

In über 60 Städten wie Stuttgart, Düsseldorf, Köln oder Passau gilt bereits auf öffentlichen Flächen ein Auftrittsverbot für Wildtier-Zirkusse und es läuft derzeit ein Antrag der Länder, wo der Bundesrat die Bundesregierung noch diese Woche zum Handeln auffordern wird!

Geht es Ihnen bei der Demonstration um Wildtiere oder um Tiere allgemein im Zirkus?

Obwohl auch die Haltung und die Dressur anderer Tiere in Frage zu stellen ist, geht es uns bei diesen Kundgebungen um die Wildtiere. Wir versuchen immer die Botschaft rüberzubringen: „Wildtiere raus – raus aus der Manage“, oder „Zirkus JA – Wildtiere NEIN“. 

Ein so großer Zirkus wie Circus Krone hat viele Auflagen und wird ständig kontrolliert. Glauben Sie nicht, dass dort die Tiere besser leben wie so mancher Hund in einer Großstadtwohnung oder ein Reitpferd, das nur unregelmäßig bewegt wird? 

Ist das eine rhetorische Frage? Wenn wo anders ein Unrecht geschieht, dann heißt das noch lange nicht, dass das eigene Unrecht deshalb zu Recht wird. Würden wir so denken, dann gäbe es in dieser Welt keinen Fortschritt, weder auf moralischer noch auf ethischer Ebene!

Noch eine letzte Frage - Welche Philosophie verfolgt Ihr Verein? 

Missstände im Umgang mit unseren so genannten "Nutztieren" aufdecken, die Bevölkerung informieren, Zusammenhänge zwischen achtlosem Konsum und Tierleid aufzeigen - darin besteht im Wesentlichen die Tierschutzarbeit von RespekTiere. Wer einmal das Leid gesehen hat das mit der Erzeugung eines Pelzmantels zusammenhängt, wird nie wieder einen solchen erwerben oder mit gutem Gewissen tragen. In der Aufklärung sehen wir unsere Aufgabe, und eine echte Chance das Los der "Nutztiere" zu verbessern.

Das enorme Tierleid der heutigen Zeit entsteht nicht durch die Bösartigkeit einiger weniger, sondern durch die Unwissenheit von sehr vielen. RespekTiere kämpft mit verschiedensten Projekten länderübergreifend an vorderster Front für die Umsetzung von Tierrechten. Wir haben die Initiative "respekTIERE IN NOT" gegründet, welche sich dann auch der bedürftigen Menschen annimmt, frei nach dem Motto: ‚Tierschutz ist bestenfalls immer auch Menschenhilfe‘. 

Außerdem betreiben wir Salzburg’s 1. Tiertafel, das erste Tierrechtsradio, "Radio RespekTiere", sowie seit 2012 "RespekTiere International" mit Sitz in Reichenhall. Wir wurden mit dem ‚Tierschutznobelpreis‘ der Hans-Rönn-Stiftung bedacht, sowie mit dem ‚Österreichischen Tierschutzpreis‘, für unsere Kastrationsprojekte erhielten wir das Stadtwappen von Breznik, Bulgarien.

Interview: Petra Sobinger

Quelle: BGland24.de

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